SUV mit hohem Gefährdungspotenzial

Redakteur: Andreas Grimm

SUV-Fahrer unterscheiden sich im Straßenverkehr nicht von klassischen Pkw-Fahrern. Dennoch geht von ihren Fahrzeugen eine überdurchschnittlich hohe Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer aus, ergab eine Untersuchung.

SUV-Fahrer unterscheiden sich in ihrem Verhalten und ihrer Verwicklung in Verkehrsunfälle statistisch kaum von anderen Autofahrern. Laut einer Untersuchung der Unfallforschung der Versicherer (UDV) zeigt diese Fahrzeugklasse dennoch bauartbedingt ein wesentlich höheres Gefährdungspotenzial im Straßenverkehr. Zwar seien SUV nicht häufiger in schwere Unfälle verwickelt als andere Autos, jedoch wögen die unmittelbaren Folgen vor allem großer Geländewagen auf die Unfallgegner, etwa bei einem Seitenaufprall, weitaus schwerer.

Das zeigt eine Crashtestreihe mit Seitenaufprallversuchen gegen einen Kompakt-Pkw: Während beim Seitenanprall mit der Front eines gleichartigen Pkw oder kleinen SUV nur leichte beziehungsweise mittelschwere Verletzungen des Unfallopfers zu erwarten sind, „verletzt“ ein großer SUV beim 40 km/h-Aufprall den Dummy deutlich schwerer. „SUV-Fahrer sind nicht das Problem, eher schon manche SUV-Fahrzeuge“, verdeutlicht Siegfried Brockmann, Leiter der UDV-Unfallforschung, die Sicherheitslage.

Veränderung an SUV notwendig

Ihre Karosseriestruktur müsse den Pkw-Gegebenheiten angeglichen werden, um Höhendifferenzen auszugleichen. Außerdem sollten automatische Notbremssysteme Pflicht werden. „Wenn die große Masse eines SUV rechtzeitig abgebremst wird“, so Brockmann, „sind auch die Unfallfolgen nicht so gravierend.“ Anlass der Studie war die seit einem Jahrzehnt immer weiter steigende Zahl der SUV auf Deutschlands Straßen. Lag deren Neuwagenanteil 2001 noch bei 3,2 Prozent, wird er 2011 nach einer Prognose des CAR-Instituts wohl 11,5 Prozent erreichen. Mit steigenden Zulassungszahlen nimmt auch deren Unfallbeteiligung zu.

In der Gesamtbetrachtung unterscheidet sich das Unfallgeschehen von SUV verglichen mit allen Pkw bei Unfällen mit Personenschaden kaum. Ebenso wenig gibt es ein „besonderes Fehlverhalten“ von SUV-Fahrern, warnt der UDV vor voreiligen Schlüssen. Die vom Pkw bekannte typische Risikogruppe der jungen Fahrer sei bei SUV sogar unterrepräsentiert. SUV-Fahrer als Gesamtgruppe seien daher keine schlechteren Autofahrer, die Gruppe der SUV ist im Unfallgeschehen allgemein nicht auffällig, bilanzieren die Forscher.

Andererseits fühlten sich SUV-Fahrer sicherer im Straßenverkehr, schätzten den eigenen Fahrstil etwas entspannter, aber auch etwas weniger vorschriftsmäßig ein. Die Halter dieser Fahrzeuge sind laut den Untersuchungsergebnissen häufiger Selbständige oder leitende Angestellte und fahren jährlich 30 Prozent mehr als durchschnittliche Autofahrer.

Dadurch steigt wieder die relative Gefahr der Unfallbeteiligung. Bei Kollisionen zwischen Pkw und SUV haben die Pkw-Insassen ein deutlich höheres Risiko verletzt oder gar getötet zu werden, insbesondere wenn der SUV groß ist und/oder einen Leiterrahmen hat. Die Crashkompatibilität der SUV müsse daher verbessert werden, so die Unfallforscher.

Für die Studie „Sport Utility Vehicles (SUV) im Unfallgeschehen“ wurden mittels einer Sonderabfrage beim Statistischen Bundesamt Unfälle mit Personenschäden von SUV analysiert und mit der Unfallsituation „normaler“ Pkw verglichen. Zudem wurden mit Hilfe der Unfalldatenbank der UDV Geländewagenunfälle in großer Detailtiefe untersucht. In einem dritten Schritt wurde das Verkehrsverhalten von SUV-Fahrern betrachtet. Dazu wurden Daten der Studie „Verkehrsklima 2010“ der UDV, sowie Daten des Kraftfahrtbundesamtes und einer Kundenbefragung genutzt.

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