Synthetischer Diesel aus Kraftwerksabgasen

Autor / Redakteur: Andreas Grimm / Andreas Grimm

Continental hat den synthetischen Kraftstoff Oxymethylenether (OME) in einem Diesel-Versuchsfahrzeug getestet. Ein 15-prozentiger Zusatz war für den Testmotor problemlos zu verkraften. Neben der CO2-Belastung sank der Partikelausstoß.

Continental testet die Auswirkung synthetischer Dieselkraftstoffe auf Motoren. Der Effekt von Beimischungen ist bislang positiv.
Continental testet die Auswirkung synthetischer Dieselkraftstoffe auf Motoren. Der Effekt von Beimischungen ist bislang positiv.
(Bild: Continental)

Continental hat den synthetischen Kraftstoff Oxymethylenether (OME) in Versuchsfahrzeugen mit erfolgversprechenden Ergebnissen getestet. Eingesetzt wurde auch der in diesem Jahr vorgestellte Super Clean Electrified Diesel, der im Betrieb mit OME-Beimischung nochmals sauberer arbeiten soll als mit konventionellem Diesel. Mit Straßentests will Continental zeigen, dass Dieselkraftstoff mit 15 Prozent OME-Beimischung für heutige Dieselmotoren bereits eine technisch verträgliche Möglichkeit ist, um den CO2-Ausstoß zu senken.

Möglich wird die Reduktion, weil bei der Herstellung von OME das Kohlendioxid genutzt werden kann, das in Kraftwerksabgasen enthalten ist. Durch die Koppelung der Sektoren Energiewirtschaft, Chemie und Automobil sollen synthetische Kraftstoffe wie OME zu einer Brückentechnologie auf dem Weg zur reinen Elektromobilität werden.

„Synthetische Kraftstoffe tragen nicht nur zur CO2-neutralen Mobilität bei. OME beispielsweise verbrennt zudem nahezu rußfrei“, erläutert Oliver Maiwald, Leiter Technology & Innovation bei Continental, Division Powertrain. Continental treibt die Fahrzeugtechnologie zur Nutzung von synthetischen Kraftstoffen voran. Ziel ist laut Maiwald, in einer Übergangsphase das gewohnte Fahren klimaneutral zu ermöglichen.

Beitrag zur CO2-neutralen Mobilität

Die wirtschaftliche Erzeugung synthetischer Kraftstoffe ist eine zentrale Herausforderung. So befindet sich die Prozesstechnik zur Herstellung von OME auf industriellem Maßstab noch in der Entwicklung. Continental geht daher pragmatisch von einer schrittweisen Einführung von OME aus. Die Fahrzeugtests haben nun gezeigt, dass 15 Prozent OME-Beimischung im Dieselkraftstoff – zusätzlich zum bereits vorgeschriebenen regenerativen Anteil von sieben Prozent Bio-Diesel – motorisch nutzbar sind.

Durch die nahezu CO2-neutrale Herstellung und Verbrennung von OME soll der CO2-Ausstoß eines Fahrzeugs mit 15 Prozent OME-Anteil im Diesel proportional sinken. Beim Versuchsfahrzeug von Continental um etwa acht Gramm CO2 je Kilometer – und das obwohl die Energiedichte von OME geringer ist als die von Diesel.

Jeder Kraftstoff hat spezifische Eigenschaften, für die ein Motor mit all seinen Bestandteilen ausgelegt sein muss. Der Einsatz von OME hat daher Einfluss auf die gesamte Prozesskette vom Einspritzsystem über die Verbrennung, die Rohemissionszusammensetzung, die Abgasnachbehandlung und die Sensorik bis zur Diagnostik. Deshalb ist Grundlagenforschung nötig, um die entsprechenden Technologien für sukzessiv steigende OME-Anteile vorzubereiten. „Um auch höhere OME-Konzentrationen im Diesel nutzen zu können, müssen wir den gesamten Reaktionspfad betrachten“, sagte Rolf Brück, Leiter der Produktlinie Katalysatoren bei Fuel & Exhaust Management, Division Powertrain.

Mit den technischen Voraussetzungen für eine robuste OME-Nutzung im Fahrzeug will Continental die Basis für eine umweltfreundliche Brückentechnologie zur Elektromobilität legen. Das schließt die weitere Optimierung von Hybridfahrzeugen ein. Und vor allem soll sich auch die CO2-Bilanz des Schwerlastverkehrs verbessern lassen.

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