Technisch immer die Nase vorn
Der Karosserie- und Lackbetrieb Scholz setzt als eines des ersten Unternehmen auf das innovative UV-Trockenverfahren. Am Standort in Bamberg ist die Anlage System Sehon das Kernstück des neuen Betriebs.
Vor Wochen purzelten die Preise für Kraftstoff an den Zapfsäulen und seit Kurzem fließt auch das Gas aus Russland wieder. Alles prima bei der Energie, möchte man meinen. „Mitnichten!“, sagt Peter Scholz, Inhaber eines mittelständischen Karosserie- und Lackbetriebs aus Zeil am Main im Norden Bayerns.
Man braucht Herrn Scholz mit seiner Prognose keine hellseherischen Fähigkeiten zu unterstellen, wenn er sagt: „Die Preiskurve für Energie wird wieder nach oben gehen, und zwar schneller und steiler als zuvor.“ Für den Unternehmer Grund genug, im Rahmen der Errichtung seines neuen Karosserie- und Lackzentrums neben dem Umwelt- vor allem den „Energieschutz“ voranzutreiben.
Herzstück und Energiefresser Nummer eins im K-&-L-Betrieb ist die Lackier- und Trockenkabine. Deshalb hat sich der erfahrene Diplom-Lackiermeister radikales Umdenken verordnet. Statt auf konventionelle Lacktechnik setzt er auf das innovative UV-Verfahren (siehe „Auf den Punkt“). Die in der industriellen Möbelfertigung weit verbreitete Technik ist im Kfz-Reparaturbereich noch nahezu unbekannt. Bisher kam das Prinzip nur im kleinen Maßstab, d. h. bei Spot- und Teillackierungen, zum Einsatz.
Scholz ist einer der ganz wenigen, der diese Technik erstmals bei Ganzlackierungen in einer Kabine einsetzt. Lieferant der Anlage ist die Firma Sehon aus Gechingen.
Offen für Neues
„Ich versuche stets, meine betrieblichen Prozesse zu verbessern und probiere dabei gerne Neues aus. Da liegt ein Tüftler wie Tiemo Sehon – der Entwickler der UV-Technik für Ganzlackierungen im Kfz-Reparaturbereich – genau auf meiner Wellenlänge“, begründet Scholz den mutigen Schritt. Mutig, da es sich um den Einsatz einer neuen Technik handelt, und mutig, da die Investitionen in die neue Technologie nicht unerheblich sind.
Die Kosten für die Kombi-UV-Lackierkabine fielen mit zirka 150.000 Euro (ohne Vorarbeitsplätze) gut doppelt so hoch wie bei einer konventionellen Anlage aus. Dem gegenüber steht das große Energiesparpotenzial der Sehon-Technik. Denn UV-Vorteil Nummer eins: Es entfällt das energiefressende Aufheizen der Kabine für das Trocknen des Decklacks. Nur der Basislack muss wie bisher, d. h. mit Konvektionstechnik, getrocknet werden – die Raumtemperatur für den Lackauftrag selbst bleibt gleich. Zudem wird der UV-Lacklieferant Sikkens demnächst einen UV-härtenden Filler liefern können.
Vorteil Nummer zwei: Die Trockendauer verkürzt sich drastisch – von 30 bis 40 Minuten auf nur noch 6 Minuten. Zudem entfällt die Abkühlphase. Der Betrieb spart jede Menge Zeit. Weitere Punkte, die für die UV-Lacktechnik sprechen, sind die hohe Güte des Lacks (Glanzbild und mechanische Stabilität) sowie spürbar weniger Staubeinträge.
Doch nicht nur in Sachen Lackierkabine hat der umtriebige Lackierexperte konsequent auf Energieeinsparung und Ressourcenschonung gesetzt. Den gesamten Betrieb hat er unter diesen Gesichtspunkten optimiert:
- Alle Decken im Kunden-, Büro- und Sozialbereich sind niedrig abgehängt und zusätzlich isoliert.
- Außer der Werkstatt sind alle Räume mit einer effizienten Fußbodenheizung versehen.
- Eine großzügige Verglasung im Werkstattbereich spart Strom für Kunstlicht.
- Die Vorbereitungsplätze verfügen allesamt über eine automatische Zeitsteuerung von Ab- auf Umluft. Das spart Wärmeenergie, die sonst – Stichwort „der Mensch ist faul“ – in die Umwelt verpufft.
- Der Betrieb verfügt über eine Gasheizung. Moderne Gasflächenbrenner sorgen für effektive und zuverlässige Wärme. Regelmäßige Wartungsarbeiten von verrußten Ölbrennern entfallen.
Die Effektivität steigern will das Familienunternehmen Scholz künftig auch bei betrieblichen Abläufen. So ist eine Karosserie-Instandsetzung von der Fahrzeugannahme bis zur -abholung als echter Kreislauf organisiert. Keine „Querläufer“, die die Produktivität und das Arbeitsergebnis schmälern würden.
Acht bis zehn Fahrzeuge sollen künftig den Betrieb täglich durchlaufen, der nicht nur in Sachen Lack up to date ist. So war das Unternehmen Scholz z. B. der zweite Betrieb in ganz Deutschland, der das Miracle-Karosseriesystem für Stahl einsetzte und der erste, der über das gleiche System für Aluminium verfügte. Mithilfe des Miracle-Systems können auch großflächig verformte Karosseriebereiche im Ausziehverfahren schnell und kostengünstig instand gesetzt werden. Technischer Mut und Weitsicht werden auch weiterhin dafür sorgen, dass man bei Scholz – im Vergleich zum Wettbewerb – die Nase ein bischen weiter vorn hat.
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