Techno-Classica Essen

Redakteur: Steffen Dominsky

Die Techno Classica wurde auch dieses Jahr wieder ihrem Ruf als weltgrößte Messe für Old- und Youngtimer in jeder Weise gerecht.

Motten fliegen ins Licht und Liebhaber von alten Fahrzeugen pilgern nach Essen. So simpel viele Vergleiche auch sein mögen – häufig stimmen sie. Für die Ruhrpott-Metropole gilt das seit nunmehr 19 Jahren.

Die Messe an der Ruhr hat sich im Bereich Fahrzeugausstellung, Verkauf, Restauration und Teilehandel mittlerweile zur Nummer eins unter den Oldtimerveranstaltungen entwickelt. Mit 154.300 Besuchern aus 38 Nationen, die mehrheitlich den Eintrittspreis von 20 Euro zahlten, war die diesjährige Techno-Classica ein erneuter Erfolg. Über 1.000 Aussteller aus 15 Ländern zeigten vom 29. März bis 1. April alles, was das Old- und Youngtimer-Herz begehrt.

Schwerpunkt war unter anderem der Fahrzeughandel: Von rollenden Schmuckstücken aus der Messing-Ära im Oma-Duck-Format über authentische Rennboliden der sechziger Jahre vom Schlag Steve McQueen bis zum taufrischen Bugatti Veyron gab es für entsprechendes Geld fast alles zu kaufen.

Rege Nachfrage

Über 50 Prozent der Sammlerobjekte fanden im Laufe der Messe einen neuen Besitzer, was ein Zeichen für die gute Konjunktur im Bereich Oldtimer sei, meinte der Messeveranstalter Siha. „Schauspieler-Oldi“ Karl Heinz Böhm, der die Messe besuchte, war von der Veranstaltung sichtlich beeindruckt: „Ein Szenetreffen dieser Größe habe ich noch nie erlebt“, verriet er.

Was sich zur sichtlichen Zufriedenheit vieler Besucher prächtig entwickelt hat, sind die Ausstellungsflächen der Fahrzeughersteller und Importeure. Für viele von ihnen ist es selbstverständlich, mit einem Stand vertreten zu sein. Die Bandbreite der vertretenen Marken reichte von Alfa, Citroën und Daimler-Chrysler über Ducati, Ford und Jaguar bis hin zu Peugeot, Porsche und Volvo. Im Fall von BMW und der VW/Audi-Gruppe von „Stand“ zu sprechen, ist schon eine handfeste Untertreibung. Diese Firmen belegten ganze Hallen – den Oldtimerfan hat es gefreut.

Großes Engagement

Traditionell schon immer auf der Techno-Classica präsent sind die zahlreichen Clubs und Interessenvertretungen. Viele historische Automobile, Motorräder und zunehmend auch alte Nutzfahrzeuge verdanken ihren Erhalt der engagierten Arbeit zahlloser Markenclubs. „Die Techno-Classica ist weltweit das wichtigste internationale Forum für Automobilclubs und auch für Verbandsarbeit“, lobte Michel de Thomasson, Präsident der Oldtimer-Weltorganisation FIVA.

Kleider machen Leute. Das gilt auch für das Blechkleid des Oldis. Aber woher einen neuen Kotflügel nehmen, wenn der alte dem Blechmottenfraß zum Opfer gefallen ist? Die Antwort geben in Essen die vielen Ersatzteilehändler, für die die Messe stets einen willkommenen Saisonauftakt darstellt.

Die Stimmung der Teilehändler war teilweise stark getrübt: Die starke Konkurrenz durch den Internethandel bedroht ihr Geschäft. Viele ehemals nach Essen angereiste „Teilesucher“ blieben aus – verwaiste Gänge und Stände, die vor wenigen Jahren noch förmlich auseinanderplatzten, waren die Folge.

Auch die seit einigen Jahren veränderte Ersatzteilhaltung (Stichwort Lagerkosten) der Fahrzeughersteller und deren Vertragspartner hat dazu geführt, dass bei den Autohändlern weniger Ersatzteile für alte Modelle liegen bleiben. Für ihre Existenz wichtige Lageraufkäufe können kleine und mittlere Händler so immer seltener und nur zu höheren Preisen tätigen.

Nicht alles ist Gold

All das hatte jedoch keinen Einfluss auf die gute Stimmung der meisten Besucher. Ein positives Feedback in Form großer Menschentrauben bekamen auch die zahllosen Infostände von Kraftfahrzeug-Innungen, Akademien und ähnlichen Einrichtungen. Diese zeigten mit „lebenden“ Werkstätten alte Handwerkspraktiken wie zum Beispiel den Beruf des Stellmachers (für Holzarbeiten an alten Karosserien) und des Sattlers. Die Mehrheit der Aussteller wie auch der Oldtimerfans war mit der diesjährigen Techno-Classica zufrieden. Sie wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit auch nächstes Frühjahr wieder vom „Licht in Essen“ anziehen lassen.

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