Teile von der Weltmeisterin

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow

Der dritte Platz beim Service Award 2007 ist nicht der erste Erfolg für das Autohaus Heunisch in Geroldshausen. Die Eigentümer schnitten schon bei Hersteller-internen Leistungsvergleichen hervorragend ab.

Andrea Heunisch konnte es zuerst selbst nicht glauben, was ihr da im Februar im spanischen Tarragona widerfuhr: Bei der Berufs-Weltmeisterschaft der Seat-Partner gewann sie den Titel in der Kategorie Teiledienstleiter – als erste Deutsche! Und noch dazu holte Deutschland den Teamtitel. „Die Mitarbeiter von Seat Deutschland waren total aus dem Häuschen“, erinnert sich die 48-Jährige, der der große Triumph im beschaulichen Geroldshausen zu einiger Berühmtheit verhalf. Lokalzeitung und Bürgermeister besuchten den Betrieb und auch viele Kunden gratulierten und brachten Blumen. Das Unternehmen revanchierte sich mit einer Ölaktion: Im Mai und Juni bekam jeder Kunde, der eine Rechnung über mehr als 100 Euro bezahlen musste, einen Liter Öl geschenkt.

Die preisgekrönte Teilespezialistin betreibt zusammen mit ihrem Mann Klaus Heunisch eine Freie Kfz-Werkstatt in Geroldshausen nahe Würzburg. Der Betrieb ist seit 1998 Autofit-Partner, obwohl die Heunischs damals noch mit der Marke Seat handelten. Warum entschieden sich die Unternehmer dafür, neben der Vertragshändlerschaft noch einem Werkstattsystem beizutreten „Auf dem Dorf muss man einfach alles reparieren, es kommen auch viele Fremdfahrzeuge auf den Hof. Dabei hilft ein Werkstattsystem enorm“, erklärt Klaus Heunisch. Und warum Autofit „Das haben wir gewählt, weil wir schon lange Kunden bei der Firma Trost sind. Die Betreuung ist sehr gut.“

Etwa die Hälfte der Kunden von Auto Heunisch kommt heute noch wegen Seat, die andere Hälfte sind Autofit-Kunden. Andrea und Klaus Heunisch sind über das Mobiltelefon stets erreichbar, um Pannenhilfe zu leisten oder spät am Abend noch ein Auto zur Reparatur anzunehmen.

Viel VW-Know-how

Der Schwerpunkt im Servicegeschäft des Geroldshausener Betriebes liegt auf Fahrzeugen aus der VW-Gruppe. „Werkzeuge und Ersatzteile sind bei Seat, VW, Skoda und Audi oft die gleichen, und das Know-how haben wir auch“, sagt Klaus Heunisch. „Aber wir nehmen Autos jeder Marke an.“ Der Kundenstamm umfasst etwa 700 Stammkunden, die vor allem aus der direkten Umgebung in den Betrieb kommen. Auf dem Land sei es etwas leichter, Kunden zu gewinnen, weil die Konkurrenz nicht so stark sei, findet der Unternehmer. Autofahrer aus den umliegenden Städten wie Würzburg kommen eher aus Preisgründen aufs Land. Heunischs Verrechnungssatz liegt bei 49 Euro und damit deutlich unter denen in der Stadt. Auf Wunsch bringt das Team die Würzburger Kunden wieder bis zur ersten Straßenbahnhaltestelle zurück.

Es gibt noch mehr sympathische, „typisch dörfliche“ Aspekte im Geschäft des Autohauses. Der Betrieb ist fest in den Veranstaltungskalender von Geroldshausen integriert. Findet in einem Jahr einmal kein Dorffest statt, veranstalten die Heunischs eben einen Pannenkurs für Frauen – und schon ist wieder etwas los. Sehtestaktionen in Kooperation mit einem Optiker oder der Verbandskasten-Umtausch mit dem Roten Kreuz sorgen ebenso für Betrieb im Betrieb. Doch hat die dörfliche Lage auch Nachteile Heunisch schmunzelt: „Hier verbreitet sich die Mundpropaganda rasch weiter. Wenn man mal einen Fehler macht, weiß es schnell das halbe Dorf. Aber das passiert uns Gott sei Dank selten...“

Damit es auch dabei bleibt, hat sich Klaus Heunisch viel Wissen über die Fahrzeugdiagnose angeeignet und viel Geld in eine moderne Werkstattausrüstung investiert. Dazu gehört eine eigene Hebebühne für die Direktannahme. Allerdings ist sie nur selten im Einsatz, wie Heunisch schmunzelnd erklärt: „Die Kunden vertrauen mir einfach, die wollen gar nicht mit mir zusammen unter das Auto kriechen.“

Gute Ausstattung

Neben den von Seat vorgeschriebenen Diagnosegeräten schaffte er vor vier Jahren zusätzlich einen Gutmann-Tester Mega Macs 55 an. Mit dem ist der Kfz-Meister nach einigen Anfangsschwierigkeiten sehr zufrieden. Dieses Jahr kam das Gutmann-Handgerät dazu. Der Vorteil: „Das kleine Gerät kann ich mit auf den Hof nehmen oder zu einem Pannenfahrzeug.“ Besonders lobt Klaus Heunisch die Gutmann-Hotline, deren Qualität er sogar persönlich getestet hat: „Ich hole mir meine technischen Daten lieber bei Gutmann als bei Autofit. Ich habe das etwa ein halbes Jahr getestet und bei jedem Fehler parallel Autofit und Gutmann angerufen. Gutmann war wesentlich schneller und auch die Qualität der Auskünfte war oft besser.“

Der kleine Betrieb versucht, in der Diagnose so viel wie möglich selbst zu machen. Für viele ältere Autos hat er sich deshalb Diagnosestecker zugelegt. Bei schwierigen Fällen setzt der Unternehmer auf Kollegenhilfe: „Wenn ich einmal einen Stecker nicht habe, dann hilft mir meistens ein Kollege der entsprechenden Marke weiter – ebenso wie ich anderen helfe. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu den umliegenden Werkstätten.“

Filter läuft nicht

Der Betrieb beschäftigt zwei Mechaniker und einen Lehrling in der Werkstatt. Andrea Heunisch schmeißt zusammen mit einem weiteren Auszubildenden das Büro.

Die Werkstatt konzentriert sich auf Mechanik und Elektronik der Fahrzeuge – Karosserie- und Lackreparaturen gibt Heunisch nach außen. Im Räder- und Reifengeschäft hat den Unternehmer vor allem der Erfolg der Reifeneinlagerung überrascht. Schon etwa 90 Reifensätze sind in der kleinen Halle untergebracht. „Anfangs dachte ich noch, es hätte wenig Sinn, auf dem Dorf diesen Service anzubieten. Schließlich haben die Leute hier meistens genug Platz im Haus für den Rädersatz“, sagt Heunisch. Aber immer mehr Kunden wissen den Komfort zu schätzen, wenn die Werkstatt die Räder wechselt und auch gleich einlagert.

Und Andrea Heunisch wäre nicht Teiledienst-Weltmeisterin, wenn sie nicht eine eigene Liste führen würde, in der sie Reifenmarke, Profiltiefe, Zustand und weitere Angaben vermerkt. „Dann weiß ich ganz genau, welchen Kunden ich ein Angebot über neue Reifen machen kann. Und 80 bis 90 Prozent kaufen dann auch“, berichtet sie. Außerdem weiß sie, welche Kunden täglich auf das Auto angewiesen sind und läd sie speziell zu den Reifenwechsel-Samstagen ein.

Ein anderes Zusatzgeschäft hat leider noch nicht den erhofften Erfolg gebracht: der Dieselpartikelfilter. „Wir haben alle Dieselfahrer unter unseren Kunden angeschrieben und den Filter angeboten. Aber nur zehn Prozent haben wirklich nachgerüstet. Finanziell rentiert es sich leider nicht“, so die Erfahrungen. Ein wichtiges Zusatzgeschäft sind jedoch Anhängerkupplungen – auf dem Dorf hat eben jeder etwas zu transportieren.

Derzeit denkt Klaus Heunisch darüber nach, ob er die Gasnachrüstung anbieten soll. Das Problem ist, dass es keine Gastankstelle in unmittelbarer Umgebung gibt – die nächste ist in Würzburg. „Wenn wir die Nachrüstung anbieten, müssten wir auch eine eigene Tanksäule aufstellen. Da ist schon sehr genau zu überlegen, was man alles investieren muss. Für Arbeiten an der Gasanlage sind ja auch spezielle Werkzeuge notwendig“, überlegt der Unternehmer.

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