„Teilehandel ist nicht marktorientiert“
Vrei ist ja ein Verein für den freien Ersatzteilmarkt, der sich für den freien Zugang zu technischen Daten einsetzt.
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Redaktion: An welchen Projekten arbeitet Vrei derzeit
Josef H. Rehage: Grundsätzlich beschäftigen wir uns mit branchen- und wettbewerbsübergreifenden Themen. Vrei ist ja ein Verein für den freien Ersatzteilmarkt. Das heißt, wir setzen uns für den fairen, freien Wettbewerb ein – damit der Autofahrer, egal wo er gerade ist, sein Auto repariert bekommt. Das muss in allen Werkstätten möglich sein, die aufgrund ihrer Qualifikation befugt sind, das Auto zu reparieren, unabhängig von der Signalisation des Betriebs. Die Automobilbauer sollten es nicht nötig haben, sich Wettbewerbsvorteile zu sichern, indem sie technische Informationen zurückhalten. Ein zweites Arbeitsthema ist derzeit die Produkt- und Markenpiraterie, die der Automobilindustrie gewaltige Schäden zufügt.
Die Zunahme der Rückrufe hinterlässt den Eindruck, dass die Automobilhersteller die Komplexität ihrer Automobile nicht mehr beherrschen. Welchen Einfluss hat Vrei an dieser Stelle
Vrei kann über seine mittlerweile 42 Mitgliedsunternehmen die richtigen Impulse geben. Natürlich versucht jeder Zulieferer sich durch entsprechende Innovationen einen Vorteil im Wettbewerb zu verschaffen. Letztlich muss aber der Automobilhersteller die Systeme zusammenführen. Die Komponentenhersteller können nur gemeinsam mit dem Automobilhersteller daran arbeiten, dass die Systeme nicht zu komplex werden.
Also gibt es kein Problem
Die Schwierigkeit ist, dass wir im Grunde nicht genau wissen, was der Kunde eigentlich will. Da sind die Automobilhersteller zu wenig marktorientiert. Nur wenn alle am Prozess Beteiligten zusammenarbeiten, rücken wir insgesamt näher an den Kunden. Wir dürfen das Automobil nicht überzüchten, denn das bezahlt letztlich niemand mehr. Darüber sollte man mit den 40 000 Werkstätten in Deutschland sprechen. Dort erfährt man am besten, was der Autofahrer will und was er bereit ist, dafür zu bezahlen.
Sie unterscheiden nicht zwischen markengebundener und freier Werkstatt
Nein, ganz bewusst nicht. Denn wenn eine VW-Werkstatt einen BMW repariert, dann ist sie in diesem Augenblick auch eine Freie Werkstatt.
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