Tesla: Routenplaner zeigt Kunden den „schnellsten“ Weg
Tesla sucht seinen Kunden neuerdings auf der eigenen Webseite die besten Routen aus. Die Berechnungen zeigen aber auch, dass die Stromer auf Langstrecken mit konventionellen Autos noch nicht mithalten können.

Tesla entwickelt nicht nur seine Autos, sondern auch die eigene Hersteller-Website im Internet regelmäßig weiter. Neuerdings können sich Kunden dort auch eine Route von den Kaliforniern planen lassen. Ob sich der Autobauer damit selbst einen Gefallen getan hat, kann man aber zumindest anzweifeln.
Zunächst einmal gilt es allerdings, Tesla zu loben: Denn der Hersteller versucht sich diesmal nicht mit fantastischen Fabel-Angaben im grellen Sonnenlicht darzustellen. Heißt konkret: Tesla verspricht seinen Kunden eine Reisedauer, die real tatsächlich zu erreichen sein dürfte.

Gibt man in dem Maps-ähnlichen Tool beispielsweise den Ausgangsort München und als Ziel Berlin ein, empfiehlt Tesla eine Route über 586 Kilometer mit Zwischenstopp in Münchberg Nord. Dort sollen Tesla-Fahrer nicht etwa die Wahrzeichen der Stadt erkunden, sondern ihre Autos am Supercharger aufladen. Dafür sieht der Hersteller 40 Minuten vor. Insgesamt veranschlagt er für den Trip mit einem Model S 100D sieben Stunden. So weit, so gut.
Das Doofe für Tesla an der ganzen Geschichte: Gibt man beispielsweise bei Google-Maps eine tesla-unspezifische Ottonormal-Routen-Suche für den Weg von München nach Berlin ein, empfiehlt das System mit 584 Kilometern zwar eine fast identisch lange Straßenauswahl. Doch der Zeitunterschied hat es in sich: Laut Google sind dafür bei normalem Verkehr lediglich 5:40 Stunden nötig. Zieht man die 40 Minuten für das Aufladen ab, holt man demnach immer noch etwa 40 Minuten auf den Tesla raus.
Nicht viel besser sieht es aus, wenn man von Hamburg nach Köln will. Hier berechnet der Tesla-Planer fünf Stunden Fahrzeit, Google Maps dagegen 4:15 Stunden. Hört sich zunächst besser für Tesla an als das München-Berlin-Beispiel. Allerdings hat der Hersteller für jenen Trip auch nur einen Ladestopp von einer Viertelstunde in Lohne veranschlagt. Effektiv holt der Nicht-Tesla-Fahrer demnach auf den gut 430 Kilometern etwa eine halbe Stunde heraus. Der Hintergrund dieser Zeitunterschiede liegt auf der Hand: Fahrer von Elektroautos müssen deutlich mehr auf ihre Geschwindigkeit achten, da die Akkukapazität bei schnellen Fahrten extrem schnell abnimmt.
Tesla räumt also indirekt ein, dass die eigenen Autos auf Langstrecken mit konventionellen Fahrzeugen zeittechnisch noch nicht mithalten können. Ungewohnt für einen Hersteller, der normalerweise eher mit großspurigen Ansagen auffällt. Ganz ohne Hinweis auf eigene Vorteile geht es bei Tesla aber auch in diesem Fall nicht: Der Routenplaner zeigt Kunden an, welche Kraftstoff-Kosten er in etwa einsparen kann, wenn er mit einem Tesla fährt. Von Hamburg nach Köln sollen das 45 Euro sein, von München nach Berlin sogar 61 Euro.
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