TGBW: Tarifvertrag für Leiharbeit ist überflüssig

Autor / Redakteur: Christoph Baeuchle / Christoph Baeuchle

Leiharbeit spielt im Kfz-Gewerbe eine untergeordnete Rolle. Ein Tarifvertrag sei deshalb nicht notwendig, beschlossen die Mitglieder der Tarifgemeinschaft Baden-Württemberg.

(Archiv: Vogel Business Media)

Im Baden-Württembergischen Kfz-Gewerbe ist ein Tarifvertrag zur Regelung der Leiharbeit nicht notwendig. Zu diesem Entschluss kamen die Teilnehmer der Mitgliederversammlung der Tarifgemeinschaft für Betriebe des Kfz- und Tankstellengewerbes Baden-Württemberg (TGBW). Das Thema spiele für die Betriebe im Ländle eine untergeordnete Rolle, hieß es.

„Im Prinzip haben wir keinen Regelungsbedarf“, sagte Carsten Beuß, Hauptgeschäftsführer des Kfz-Landesverbandes Baden-Württemberg. Komme das Instrument bei Kfz-Betrieben zum Einsatz, sei es in der Regel auf einen bestimmten Zeitraum beschränkt. Als Beispiel nannte Beuß die Belastung der Werkstätten beim Reifenwechsel. Allerdings gebe es auch vereinzelt Autohäuser, bei denen Leiharbeit eine größere Rolle spiele.

Umstrittenes Thema

Bei den Tarifverhandlungen im vergangenen Jahr hat die Gewerkschaft das Thema aufgebracht und wollte mit der Tarifgemeinschaft einen Vertrag zur Regelung der Leiharbeit abschließen. Daraufhin richtete die Tarifgemeinschaft eine eigene Arbeitsgruppe ein. Gespräche zum Thema Leiharbeit haben die beiden Parteien geführt. Zu einem Vertrag ist es bislang aber nicht gekommen. Allerdings könnte das Thema bald wieder auf die Agenda kommen, nicht zuletzt wegen der Bundestagswahl im Herbst 2013.

Welche Rolle das Thema Leiharbeit bei den im nächsten Jahr anstehenden Tarifverhandlungen des Kfz-Gewerbes spielt, ist noch unklar. Klar ist jedoch, dass die Verhandlungssituation im Vergleich zum Jahr 2012 eine andere ist. Vom guten Jahr 2011 kann die Branche derzeit nur träumen. „Die Situation im Kfz-Gewerbe hat sich wesentlich verschlechtert“, sagte Thomas Durst, Vorstandsvorsitzender der Tarifgemeinschaft, mit Verweis auf den aktuellen ZDK-Geschäftsklimaindex. Dieser hatte zuletzt in allen drei Geschäftsbereichen – Neu- und Gebrauchtwagenverkauf sowie Service – nachgegeben.

Neuwagengeschäft steht unter Druck

Vor allem beim Neuwagenabsatz stellt sich die Situation in diesem Jahr völlig anders dar. „Der Druck ist erheblich“, so Durst. Dies zeige nicht zuletzt der hohe Anteil von Tageszulassungen. Mit knapp 29 Prozent sei nahezu jedes dritte Fahrzeug, das neu auf die Straße kommt, eine Eigenzulassung.

Die weitere Entwicklung ist ungewiss und schwer vorhersagbar. Im regelmäßigen Turnus werden derzeit die Prognosen nach unten korrigiert. „Wie es im Mai nächsten Jahres aussieht, weiß keiner“, betont Rechtsanwalt Jürgen Eckhardt, Vorsitzender der Tarifkommission. Dann läuft der aktuelle Tarifvertrag aus: Ende Mai 2012 hatte sich die Tarifgemeinschaft und die Gewerkschaft auf eine Entgelterhöhung von vier Prozent geeinigt.

Zugabe bei Azubi-Vergütung

So hoch wird sie im nächsten Jahr wohl kaum ausfallen. Eine konkrete Einschätzung wollte Eckardt nicht geben. Vor allem in einem Punkt sieht er Chancen: „Wir wollen auf jeden Fall bei der Azubi-Vergütung wieder etwas mehr geben“, betonte der Vorsitzende der Tarifkommission. Bereits der aktuelle Vertrag sieht bei den Nachwuchskräften Entgelterhöhungen zwischen 30 und 45 Euro vor.

Dadurch will das Kfz-Gewerbe die Attraktivität der Branche für die Jugendlichen weiter steigern. Durch die demographische Entwicklung dürfte sich auch für Kfz-Betriebe die Suche nach geeigneten Nachwuchskräften schwieriger gestalten. Andere Branchen haben schon jetzt damit zu kämpfen, zum Beispiel die Schlachter. Das Metzgerhandwerk hat bereits reagiert und die Lehrlingsentgelte um 150 bis 180 Euro erhöht.

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