Toyota hat sein erstes reines Elektroauto, den BZ4X, einem umfangreichen Update unterzogen und einige der Anfangsfehler behoben. Damit ist der Wagen attraktiver geworden.
In der Silhouette hat sich der Toyota BZ4X kaum verändert.
(Bild: Schmidt - VCG)
Äußerlich hat sich auf den ersten Blick zwar kaum etwas geändert. Doch der Toyota BZ4X hat nun nach drei Jahren ein wirklich umfangreiches Update bekommen: In erster Linie betrifft das den Innenraum sowie die Technik und wirkt sich auf Verbrauch, Komfort und Reichweite aus. Außerdem haben die Japaner einige Kritikpunkte der ersten Generation beseitigt.
Nach Angaben von Toyota ist das SUV mit dem sperrigen Namen in Europa mit mehr als 150.000 verkauften Einheiten zum drittbeliebtesten Modell in seinem Segment in Europa avanciert. In Deutschland konnte der Hersteller seit Ende 2022 nach Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes jedoch gerade einmal rund 10.100 Einheiten auf die Straße bringen. Vielleicht sorgen die Verbesserungen nun auch hierzulande für einen größeren Verkaufserfolg. Denn die bisher pro Jahr angestrebten 4.000 Verkäufe konnte der deutsche Importeur bisher nur einmal, nämlich 2025, übertreffen.
Toyota bietet den BZ4X nun mit zwei Batterievarianten an: eine kleinere Batterie mit einer Kapazität von 57,7 kWh und eine größere mit 73,1 kWh. Das soll für WLTP-Reichweiten von 444 Kilometern beziehungsweise 569 Kilometern gut sein.
Die 57,7-kWh-Batterie bieten die Japaner ausschließlich in Verbindung mit Frontantrieb an, während sich der 73,1-kWh-Akku sowohl mit Front- als auch mit Allradantrieb kombinieren lässt. Außerdem kombiniert der Hersteller die kleine Batterie mit einem E-Motor, der eine maximale Leistung von 123 kW hat. Dagegen hat das Antriebsaggregat beim Fronttriebler mit der großen Batterie eine Leistung von 165 kW, beim Allradler steigt die Systemleistung auf 252 kW.
Wir sind auf einer ersten Testfahrt mit dem Fronttriebler mit der großen Batterie bei moderaten Temperaturen auf Landstraßen in Südspanien unterwegs gewesen. Hierfür ist der Wagen mit den 165 kW mehr als nur ausreichend motorisiert – hier würde auch die Variante mit 123 kW ausreichen. Denn das eher komfortabel ausgelegte Fahrwerk verführt ohnehin nicht zur schnellen Kurvenhatz. Vielmehr glänzt das SUV mit einer ausgeprägten Laufruhe, die zu einem entspannten Dahingleiten einlädt.
Für weniger Außengeräusche im Innenraum sorgen nun beispielsweise Akustikglas in den vorderen Seitenfenstern und Schaumstoff an einigen Stellen im inneren Karosserierahmen. Ein neuer Schalldämpfer unter dem hinteren Boden und neue schallabsorbierende Materialien in den hinteren Kotflügelverkleidungen verringern laut Toyota zudem die Antriebsgeräusche. Weiterhin haben die Entwickler die Dämpfung der hinteren Motorlager erhöht, um Vibrationen beim Fahren auf unebenem Untergrund zu verringern. Weitere Maßnahmen zur Geräuschdämpfung sind der Einsatz von Schalldämpfern in den hinteren Radhäusern und optimierte Dichtungen für die hinteren Seitenfenster.
Wer den Wagen dahingleiten lässt, wird mit einer guten Reichweite belohnt. Denn der Verbrauch auf der Landstraße lag mit 14,4 kWh pro 100 Kilometer nicht weit über dem WLTP-Verbrauch von 13,9 kWh/100 Kilometer. Angenehm auf der rund 200 Kilometer langen Testrunde war auch, dass die Reichweitenanzeige verlässliche Angaben liefert.
Umfangreiche Effizienzmaßnahmen
Für den effizienten Umgang mit dem Strom sorgen in der überarbeiteten Version laut Toyota unter anderem verbesserte E-Achsen. Deren kompakte Bauweise mit integriertem Getriebe, Motor und Wechselrichter sorgt nicht nur für einen niedrigen Verbrauch, sondern spart auch Platz und senkt den Schwerpunkt des Autos. Das kommt dem Innen- und Laderaum zugute.
Sparsamer und leistungsfähiger sind laut Hersteller auch die Wechselrichter in der Leistungselektronik, die nun mit Siliziumkarbid-Halbleitern (SiC) anstelle von Silizium-Halbleitern arbeiten. Energieverluste im Antriebsstrang sollen ferner ein neues Polierverfahren für die Oberflächen der Zahnradzähne und eine elektrische Ölpumpe senken. Man mag es kaum glauben, aber im Vorgängermodell war die Ölpumpe noch mechanisch angetrieben.
Auch an der Aerodynamik haben die Entwickler gearbeitet, um den Energieverbrauch der überarbeiteten Version zu senken. Hatte das Vorgängermodell noch einen Luftwiderstandsbeiwert (cW) von 0,29, liegt er bei der neuen Version bei nur noch 0,27. Verantwortlich dafür sind Detailoptimierungen an der Karosserie, wie strömungsgünstigere Außenspiegel und eine große, glatte Unterbodenverkleidung. Das sorgt auch für niedrige Windgeräusche.
Stand: 08.12.2025
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Toyota hat dem neuen BZ4X zudem ein verbessertes, sparsameres Klimasystem spendiert. Laut Unternehmensangaben verbraucht die neue Klimaanlage 30 Prozent weniger Strom als die Anlage im Vorgängermodell und ist 30 Prozent kompakter. Das verbessert auch die Platzverhältnisse auf den Vordersitzen. Das System arbeitet zweistufig: In den oberen Teil des Innenraums leitet es frische Luft mit geringer Luftfeuchtigkeit, um ein Beschlagen der Scheiben zu verhindern. Um die Füße der Insassen zirkuliert dagegen warme Luft, was die Heizleistung verbessert und gleichzeitig Energie spart. Wenn die anderen Plätze unbesetzt sind, lässt sich die Heizleistung im Eco-Modus auf den Fahrerplatz konzentrieren.
Mittlere Ladeleistung
Wer die Batterie aufladen will, kann das an AC-Säulen mit bis zu 11 kW, in der Top-Ausstattung ist sogar ein 22-kW-Bordladegerät verbaut. An DC-Säulen ist eine Ladeleistung von maximal 150 kW möglich. Neu ist, dass der BZ4X die Batterie vor dem Schnellladen nun auch vorkonditionieren kann. Das stellt sicher, dass die Batterie zu Beginn des Ladevorgangs die optimale Temperatur hat. Bei vollständig vorkonditionierter Batterie dauert eine DC-Schnellladung von 10 auf 80 Prozent laut Angaben von Toyota 28 Minuten. Diese Leistung bleibt bei Außentemperaturen von –10 bis +25 °C konstant.
Starten kann man die Batterievorkonditionierung entweder manuell über das Multimediasystem, oder man lässt sie automatisch aktivieren. Denn der EV-Routenplaner berücksichtigt nun auch den Batterieladestand und verbleibende Reichweite und schlägt automatisch Ladestationen entlang der Route vor. Das war beim Vorgängermodell noch nicht möglich.
Aufwendiges Thermomanagement
Die Wasserkühlung für die Batterie nutzt bei Bedarf Kältemittel aus der Klimaanlage des Fahrzeugs, um die Kühlmitteltemperatur zu senken. Der Kühler arbeitet von der Unterseite der Batterie aus, sodass jede Zelle gleichmäßig gekühlt wird. Auch eine Wärmepumpe gehört bei allen Varianten zur Serienausstattung, die die Energieeffizienz weiter steigert.
Die Batterieheizfunktion ermöglicht eine gleichmäßige Erwärmung aller Zellen und einen konstanten Betrieb auch bei sehr niedrigen Temperaturen, was zur Verkürzung der Ladezeit beiträgt. Zum Einsatz kommt dabei ein Wasser-zu-Wasser-Wärmetauscher, der zwischen dem Hoch- und Niedertemperatur-Kühlmittelkreislauf angeordnet ist.
Lange Batterie-Garantie
Um Fahrende über wichtige Daten zur Batterieleistung auf dem Laufenden zu halten, haben die Japaner das 7-Zoll-Kombiinstrument um neue Funktionen erweitert. Es zeigt jetzt die aktuelle (Echtzeit-)Ladeleistung, die verbleibende Zeit bis zum Erreichen eines Ladestands von 80 Prozent und sogar den aktuellen Gesundheitszustand (SoH) der Batterie mit der verbleibenden Kapazität. Wie Toyota den SoH bestimmt und welche Batteriechemie in dem Wagen verbaut ist, darüber gibt das Unternehmen keine Auskunft.
Bei der Garantie für die Batterie hebt sich Toyota jedoch positiv von vielen anderen Anbietern ab. Zwar umfasst die Grundgarantie für Elektrofahrzeuge auch, wie bei den meisten anderen Herstellern, bis zu 8 Jahre oder 160.000 Kilometer. Die Garantie können Kunden aber durch einen jährlichen Batteriecheck auf bis zu 10 Jahre oder 250.000 Kilometer Fahrleistung verlängern.
Innere Werte und Preise
Änderungen gab es auch im Innenraum des BZ4X. Die Armaturentafel ist schlanker geworden und geht fließend in die oberen Türverkleidungen über. Ein neuer 14-Zoll-Multimedia-Bildschirm ersetzt das bisherige 12,3-Zoll-Display und nimmt eine zentrale Position ein. Die Mittelkonsole liegt 10 Zentimeter tiefer als bisher und beherbergt den Drehschalter für das Getriebe und zwei kabellose Smartphone-Ladegeräte für Fahrer und Beifahrer.
Weiterhin lassen sich Funktionen wie die Temperatur der Klimaanlage und die Lautstärke des Infotainmentsystems über Drehschalter bedienen. Auch die Bedientasten auf dem Lenkrad sind sinnvoll platziert. Unverändert geblieben ist leider auch die etwas unglückliche Positionierung des Displays hinter dem Lenkrad. Denn wenn man das Lenkrad nicht in einer besonders tiefen Position einstellt, verdeckt der Lenkradkranz einen großen Teil dieser Anzeige. So verschwindet dann etwa die Anzeige der Verkehrszeichenerkennung. Die höchste Ausstattungsvariante bekommt zudem einen digitalen Innenspiegel. Der ist sehr gewöhnungsbedürftig, ohne einen echten Mehrwert zu bieten. Denn dank Heckscheibe und 360°-Kamerasystem ist die Übersicht beim Rangieren auch ohne dieses Feature ausreichend.
Die Preise für den BZ4X bewegen sich zwischen 42.990 Euro für die Einstiegsversion bis hin zu 55.990 Euro für die Top-Version mit Allradantrieb. Dazwischen liegt die sogenannte Teamplayer-Version, die nach Prognosen von Toyota mit einem Anteil von 70 Prozent am Ausstattungsmix den höchsten Anteil haben wird. Hierfür liegen die Preise bei 47.990 Euro für den Fronttriebler und 50.990 Euro für den Allradler.
Die ersten Fahrzeuge sollen im Januar zu den Händlern kommen; spätestens am 7. Februar, dem Toyota Teamday, sollen dann alle Händler beliefert worden sein.