Traton beobachtet abkühlende Lkw-Nachfrage „sehr genau“

Autor / Redakteur: dpa / Andreas Grimm

In den zurückliegenden Monaten hat Scania dank einer neuen Lkw-Generation den Löwenanteil zum Traton-Betriebsergebnis beigetragen, in den kommenden Monaten soll MAN nachziehen. Doch der Ausblick verdüstert sich.

(Bild: Traton)

Der schwedische Lastwagenbauer Scania hat der VW-Nutzfahrzeugtochter Traton im ersten Halbjahr einen Gewinnsprung beschert. Das Betriebsergebnis stieg um ein Viertel auf 1,1 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Montag in München mitteilte. Allerdings kühlt die Nachfrage in Europa inzwischen deutlich ab. Für das Gesamtjahr stellte Traton deshalb nur einen leichten Umsatzzuwachs sowie eine höhere Gewinnmarge als im Vorjahr in Aussicht. Die operative Rendite soll zwischen 6,5 und 7,5 Prozent liegen.

Traton steigerte seine Auslieferungen im ersten Halbjahr um 10 Prozent auf 123.300 Lastwagen und Busse: MAN verkaufte einschließlich der TGE-Transporter rund 54.000 Fahrzeuge, Scania gut 51.000 und VW Caminhoes e Onibus in Südamerika etwa 20.000. Der Traton-Umsatz legte um 7 Prozent auf 13,5 Milliarden Euro zu.

Zum Betriebsergebnis von 1,1 Milliarden Euro steuerte Scania den Löwenanteil bei: Die Schweden führten ihre neue Lkw-Generation auch in Südamerika und Asien ein, konnten deshalb den Bau des Vorgängermodells einstellen und steigerten ihr Ergebnis um ein Drittel auf 828 Millionen Euro. MAN – wo Vorleistungen für die neue Truck-Baureihe das Ergebnis belasten – kam noch auf 253 Millionen, VW Caminhoes e Onibus in Lateinamerika auf gerade mal 18 Millionen Euro.

VW und die Traton-Kleinaktionäre, die seit dem Börsengang im Juni zehn Prozent der Anteile halten, profitieren zudem von einer niedrigeren Steuerquote und einem besseren Finanzergebnis. Unter dem Strich stieg der Gewinn von Traton um 65 Prozent auf 792 Millionen Euro.

Auftragseingang fällt um 6 Prozent

Vorstandschef Andreas Renschler sagte, man beobachte „die Marktentwicklungen sehr genau, um unsere Produktion flexibel anzupassen“. Das könne zum Beispiel über Zeitkonten oder Leiharbeiter geschehen, sagte Finanzvorstand Christian Schulz. Hintergrund ist der sinkende Auftragseingang im ersten Halbjahr um 6 Prozent. In Europa – dem mit großem Abstand wichtigsten Markt für Traton – wurden weniger Lastwagen bestellt.

Finanzchef Schulz sagte, im zweiten Halbjahr dürften eine Beruhigung der Nachfrage nach den neuen Scania-Lkws, der Hochlauf der neuen Baureihe bei MAN und der insgesamt schwächere Markt das Ergebnis belasten. Für das Gesamtjahr rechnet er mit einem leichten Plus bei Absatz und Umsatz und einer Umsatzrendite von gut 7 Prozent. Das wären mehr als die 5,8 Prozent vom vergangenen Jahr, aber weniger als die 7,9 Prozent im ersten Halbjahr.

Traton setzt für die Zukunft auf die Umsetzung einer globalen Strategie mit weiteren Synergien. Konkurrent Daimler hat im ersten Halbjahr doppelt so viele Lastwagen und Busse verkauft wie Traton und ist in den USA die Nummer eins. Traton hält unter anderem durch eine Einkaufsgemeinschaft mit dem US-Hersteller Navistar dagegen und plant eine weitere Gemeinschaft mit dem japanischen Hersteller Hino. Traton hält 16,5 Prozent der Navistar-Aktien.

MAN Truck & Bus beschäftigt in der Produktion in Deutschland inklusive Leiharbeitern 7.600 Mitarbeiter – davon im Stammwerk München rund 3.500, in Nürnberg etwa 2.200, in Salzgitter rund 1.800, in Plauen und Wittlich 120.

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