Trotz 1,4 Milliarden Euro Verlust: Volkswagen sieht erfolgreiches Krisenmanagement

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Besonders defizitär war im ersten Halbjahr das Geschäft von Volkswagens Kernmarke VW Pkw. Der Absatz ging um fast 40 Prozent auf 1,1 Millionen Fahrzeuge zurück. Dazu dürfte neben der Corona-Pandemie auch das Desaster um den neuen Golf beigetragen haben, der sich bislang äußerst schlecht verkauft. Die Umsatzerlöse sackten um 35,3 Prozent auf 28,6 Milliarden Euro ab. Operativ fiel so ein Minus von 1,5 Milliarden Euro an, hinzu kamen Kosten durch Sondereinflüsse von 600 Millionen Euro. Insgesamt hat VW Pkw damit im ersten Halbjahr über zwei Milliarden Euro verbrannt.

Auch bei Audi stand unter dem Strich ein hoher Verlust von etwa 750 Millionen Euro im ersten Halbjahr. Operativ betrug das Minus 643 Millionen Euro, hinzu kamen rund 100 Millionen Euro aus Sondereinflüssen durch die Dieselthematik. Der Absatz brach im Vorjahresvergleich von 632.000 auf 416.000 Einheiten ein. 271.000 Neuwagen verkaufte die Marke in China. Damit entfielen satte 65 Prozent des weltweiten Audi-Absatzes im ersten Halbjahr auf das Reich der Mitte. Der weltweite Umsatz fiel auf 20,5 Milliarden Euro (1. Halbjahr 2019: 28,8 Milliarden Euro). In den Zahlen sind die Marken Lamborghini und Ducati enthalten. Lamborghini setzte im Berichtszeitraum 3.604 (Vorjahr: 4.710) Fahrzeuge ab, Ducati 22.790 (33.315) Motorräder.

Bei Skoda war das Ergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwar deutlich rückläufig, die Tschechen blieben aber anders als VW und Audi in den schwarzen Zahlen. Unter dem Strich stand im ersten Halbjahr ein operativer Gewinn von 228 Millionen Euro (2019: 824 Millionen Euro). Bei 372.000 ausgelieferten Neuwagen (-33,6 %) sank der Umsatz auf 7,5 Milliarden Euro (2019: 10,2 Milliarden Euro).

Dagegen gelang es der Konzerntochter Seat nicht, rote Zahlen zu verhindern. Sie fuhr einen operativen Verlust von 271 Millionen Euro ein. Der Absatz ging bei den Spaniern besonders stark zurück, 197.000 Auslieferungen bedeuteten ein Minus von 46,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Mit 3,7 Milliarden Euro fielen auch die Umsatzerlöse im Jahresvergleich deutlich zurück (-40,2 %).

Porsche ist Volkswagens Anker

Mit Abstand als stabilste Volkswagen-Marke präsentierte sich im ersten Halbjahr Porsche. Der Sportwagenhersteller musste zwar ein Absatzminus von 14,8 Prozent auf 116.000 Neuwagen hinnehmen. Dennoch erzielten die Zuffenhausener einen operativen Gewinn von 1,1 Milliarden Euro. Damit lagen auch sie spürbar unter dem Vorjahresergebnis von 2,1 Milliarden Euro, konnten die Schäden im Vergleich zu anderen Konzernfabrikaten aber in Grenzen halten. Der Umsatz sank im ersten Halbjahr auf 11,2 Milliarden Euro (2019: 12,2 Milliarden).

Bentley konnte den Absatz im ersten Halbjahr mit 4.569 Einheiten relativ stabil halten (2019: 4.670). Der Umsatz der Marke stieg sogar von 835 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf nun 860 Millionen Euro. Anders als im ersten Halbjahr 2019 gelang es dem Nobelfabrikat aber nicht, einen Gewinn zu erzielen. Unter dem Strich stand ein Verlust von 99 Millionen Euro. Volkswagen begründete das mit höheren Abschreibungen und Einmalaufwendungen für Restrukturierungsmaßnahmen.

Düsteres Halbjahr für Volkswagen Nutzfahrzeuge

Ein düsteres erstes Halbjahr hat Volkswagen Nutzfahrzeuge hingelegt. Mit 157.000 Einheiten lieferte das Fabrikat fast 100.000 Neuwagen weniger aus als vor Jahresfrist. Der Umsatz fiel um 34,7 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. Operativ machten die Hannoveraner einen Verlust von 334 Millionen Euro, im Vorjahr hatten sie noch einen Gewinn von 506 Millionen Euro erzielt. Zu kämpfen hat die Marke neben den Absatzproblemen mit der CO2-Thematik in der EU. In dem Zusammenhang erhöht Volkswagen Nutzfahrzeuge aktuell den Druck auf die Händler mit höheren Elektro-Standards.

Auch MAN schrieb in den ersten sechs Monaten 2020 rote Zahlen. Nach einem Gewinn von 248 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum fiel nun ein Verlust von 423 Millionen Euro an. Der Absatz sank um 34,1 Prozent auf 47.000 Einheiten, der Umsatz gab ebenfalls spürbar nach (4,7 Milliarden Euro, 2019: 6,3 Milliarden).

Zu den wenigen Fabrikaten, die positiv zum Ergebnis beitrugen, zählte dagegen Scania. Unter strich erzielten die Schweden einen Gewinn von 221 Millionen Euro (2019: 828 Millionen). Dabei hatte die Marke mit einem deutlich sinkenden Absatz (31.000 Einheiten, 2019: 52.000) zu kämpfen. Der Umsatz fiel von 7,1 Milliarden auf 5,3 Milliarden Euro zurück.

Der Geschäftsbereich Power Engineering erzielte im ersten Halbjahr einen Gewinn von 21 Millionen Euro (2019: 42 Millionen Euro. Ebenfalls schwarze Zahlen schrieb Volkswagen Financial Services. Die Finanztochter erwirtschaftete einen Überschuss von 1,2 Milliarden Euro (2019: 1,3 Milliarden). Der Vertragsbestand lag am 30. Juni bei 21,3 Millionen, das waren 0,9 Prozent weniger als zum Ende des Jahres 2019.

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