Autojahr Niedersachsen Trotz Rekorden bleibt zu wenig übrig

Von Doris S. Pfaff 3 min Lesedauer

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Knapp 32 Milliarden Euro setzten die Mitglieder des Kfz-Gewerbes Niedersachsen im vergangenen Jahr um. Die Rendite sank trotzdem.

Präsentierten die Bilanz für 2025: (v. l.) Präsident Karl-Heinz Bley und Landespressesprecher Joachim Czychy.(Bild:  Kfz-Gewerbe Niedersachsen-Bremen)
Präsentierten die Bilanz für 2025: (v. l.) Präsident Karl-Heinz Bley und Landespressesprecher Joachim Czychy.
(Bild: Kfz-Gewerbe Niedersachsen-Bremen)

Das Autojahr 2025 des Kfz-Gewerbes Niedersachsen schloss mit einem Gesamtumsatzrekord von 31,7 Milliarden Euro, verteilt auf 13,6 Milliarden Euro im Neuwagengeschäft, 13,0 Milliarden Euro bei gebrauchten Pkw, 3,7 Milliarden Euro im Service und 1,4 Milliarden Euro bei neuen und gebrauchten Lkw. Trotzdem zahlte der Rekord nicht auf die Umsatzrendite der Betriebe ein. Wegen der gestiegenen Kosten sank sie sogar von 3,0 Prozent auf 2,1 Prozent.

Die Jahresbilanz für das Kfz-Gewerbe Niedersachsen legten am Donnerstag, 26. März, Präsident Karl-Heinz Bley vom Landesverband Niedersachsen-Bremen und Landespressesprecher Joachim Czychy vor.

Neuzulassungen und Gebrauchtwagenmarkt

2025 stieg die Zahl der Neuzulassungen von Pkw in Niedersachsen um 6,4 Prozent auf 304.330 Einheiten und liegt damit 1,4 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Der Gebrauchtwagenmarkt verzeichnete 713.758 Besitzumschreibungen mit einem Plus von 1,2 Prozent gegenüber 0,5 Prozent bundesweit. Insgesamt gab es einen Anstieg bei den Fahrzeugverkäufen um 2,7 Prozent auf 1.017.978.

„Gewinner 2025 waren der freie Gebrauchtwagenhandel mit einem Plus von 4 Prozentpunkten auf 38 Prozent und der Privatmarkt mit einer Steigerung von 2 Prozentpunkten auf 26 Prozent Marktanteil. Erstmals hat der freie Handel den Markenhandel im Gebrauchtwagenmarkt eingeholt, ja sogar überholt“, sagte Czychy. Bley erklärte den Umsatzsprung des Kfz-Gewerbes Niedersachsen mit höheren Zulassungen und einem durchschnittlichen Neuwagenpreis von 44.780 Euro.

49 Prozent der Gebrauchtwagenkäufe seien im vergangenen Jahr finanziert worden durch Voll- und Teilfinanzierungen. Bei der Teilfinanzierung ging es um rund 7.400 Euro. 14 Prozent der Kunden haben vollfinanziert. Unterm Strich machte das eine Summe von rund 860 Millionen Euro. Mit der Teilfinanzierung für fast 120.000 Käufer ergibt sich die Gesamtsumme der Finanzierungen beim Gebrauchtwagenkauf von 1,7 Milliarden Euro in Niedersachsen.

Veränderungen gab es auch in den Privathaushalten. Czychy: „Fast ein Drittel aller Haushalte wäre, wie das Statistische Bundesamt veröffentlicht hat, aufgrund der eigenen finanziellen Situation nicht in der Lage, größere Ausgaben aus eigenen Finanzmitteln zu bestreiten. Das bedeutet: keine finanziellen Reserven. Das bedeutet auch: Gebrauchtwagen dort zu erwerben, wo sie preisgünstig sind.“

Service und Werkstatt unter Druck

Im Service spiegele sich der zunehmende Druck in der abnehmenden Zahl der Werkstattbesuche wider. Zwar erzielte der Service einen Umsatz von 3,7 Milliarden Euro, doch Werkstattbesuche sanken laut DAT-Report von 1,03 pro Pkw auf 0,97, Verschleißreparaturen auf 0,35 von 0,41. Die Jahresfahrleistung stieg auf 13.140 Kilometer mit plus 4,6 Prozent und milderte den Rückgang.

Rückgang der Ausbildungsverträge

Auf der Schattenseite der Kfz-Bilanz stehe seit Jahren erstmals wieder die Ausbildung, erklärte Bley. Das Minus der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in den Kraftfahrzeugberufen mit einem Rückgang von 3,0 Prozent entspreche dem allgemeinen Trend auf dem Ausbildungsmarkt. Vor dem Hintergrund demografischer Veränderungen, rückläufiger Zahlen der Schulabgänger sowie der weiterhin angespannten Bewerberlage seien die Minuszahlen „mit Blick auf die Fachkräfte-Lage gerade noch vertretbar“.

Die Ausbildungszahlen im Detail: 2.661 neue Ausbildungsverträge für den Kfz-Mechatroniker/-in seien ein Minus von 1,8 Prozent, für den Automobilkaufmann/-frau seien 573 neue Verträge eine Einbuße von 2,1 Prozent. Nicht allein durch die E-Mobilität stiegen die Anforderungen an die Bewerber, allgemein sei der Arbeitsmarkt im Kraftfahrzeuggewerbe im Wandel.

Trotz des Umsatzrekords gebe es deshalb, auch wegen der sinkenden Rendite, keinen Grund zum Jubeln. „Mit den Ergebnissen des vergangenen Autojahres könnten wir zufrieden sein. Sind wir aber nicht! Höhere Umsätze durch steigende Autokäufe in Niedersachsen auf der einen, aber sinkende Erträge auf der anderen Seite sind keine stabilen Marktdaten für unsere Branche. Der betriebswirtschaftliche Anker, das Werkstattgeschäft, ist unter Druck geraten – Rückgänge auf zufriedenstellendem Niveau. Und die Nachfrage nach neuen und gebrauchten Pkw ist von den privaten Haushalten nicht dynamisch. Positiv in unserer Jahresbilanz ist trotz aller Hemmnisse und Hürden die Ausbildung“, sagte Bley.

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Steigende Kosten und zögerliche Entscheidungen

Mit Blick auf das laufende Jahr zeigte sich Präsident Bley zurückhaltend. Bei den Herstellern werde es zudem weiter um die CO2-Flottengrenzwerte gehen. Es gelte aus Herstellersicht, Strafzahlungen zu vermeiden. Also werde es auch in diesem Jahr Sondereffekte geben, wie die Marktdaten in den ersten beiden Monaten gezeigt hätten. Dem gegenüber stehen die gestiegenen Kosten der individuellen Mobilität und die zögerlichen Entscheidungen der Politik. Dies erschwere verlässliche Prognosen. Die Inflationsangst der Verbraucher drücke die Nachfrage.

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