Gebrauchte E-Autos Batterietest ohne Probefahrt möglich

Von Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow 3 min Lesedauer

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Der TÜV Rheinland hat eine Testmöglichkeit für E-Auto-Batterien entwickelt, die sich ohne Probefahrt und ohne zusätzliches Equipment umsetzen lässt. Damit dürfte sich der Test besonders für den Werkstatteinsatz eignen.

Ob auf dem Smartphone oder in Papierform – ein Zertifikat über den Batteriezustand dürfte vielen Gebrauchtwagenkäufern wichtig sein.(Bild:  AV-Fotografie)
Ob auf dem Smartphone oder in Papierform – ein Zertifikat über den Batteriezustand dürfte vielen Gebrauchtwagenkäufern wichtig sein.
(Bild: AV-Fotografie)

Der Gebrauchtwagenmarkt für Elektrofahrzeuge kommt noch nicht so richtig vom Fleck – und einer der Gründe dürften die Vorbehalte vieler Autokäufer gegenüber gebrauchten Batterien sein. Würde der Verkäufer ein Zertifikat über die verbleibende Speicherfähigkeit der Batterie (State of Health – SoH) beilegen, das eine unabhängige Stelle erstellt hat, dürfte das viele Kunden beruhigen. Laut einer Untersuchung des TÜV Rheinland wünschen sich sogar 95,7 Prozent der Gebrauchtwageninteressenten ein solches Testat.

Deshalb hat die Prüforganisation zusammen mit dem Batteriesoftware-Unternehmen Twaice nun mit dem Battery Quick Check ein Testverfahren entwickelt, das einen Report über den tatsächlichen Zustand der Traktionsbatterie erstellt. „Der von den Batterie-Managementsystemen der Fahrzeuge angezeigte ‚State of Health‘ bietet keine verlässliche Aussage über den tatsächlichen Zustand der Fahrzeugbatterie“, sagt Dr. Matthias Schubert, als Executive Vice President Mobility verantwortlich für das weltweite Mobilitätsgeschäft von TÜV Rheinland. „Die Praxis zeigt, dass die angezeigten und die tatsächlich gemessenen Werte häufig stark voneinander abweichen. Nur ein präzise bewerteter Batteriezustand ermöglicht auch einen präzise bewerteten Restwert.“

Nur zweimal anstöpseln, der Rest läuft automatisch

Besonders wichtig war dem TÜV Rheinland, das Testverfahren „werkstattkompatibel“ zu gestalten. Der Battery Quick Check kann stationär durchgeführt werden, eine Probefahrt ist nicht nötig. Auch müssen die Anwender keine spezielle Prüfhardware anschaffen, sondern sie können ein handelsübliches Diagnosegerät nutzen. Zuerst ist der Battery Quick Check für den Mega Macs X von Hella Gutmann erhältlich; weitere Anbieter werden folgen. Der Mechatroniker in der Werkstatt muss lediglich das Diagnosegerät mit der OBD-II-Schnittstelle des Fahrzeugs verbinden sowie das Ladekabel an die Wallbox anschließen. Hierfür ist allerdings eine „smarte“ Wallbox nötig. Verfügt die Werkstatt nicht selbst über eine solche, liefert die Battery Quick Check GmbH, die den Test vermarktet, ein mobiles Ladegerät für „einen niedrigen dreistelligen Preis“ mit, wie es auf der Pressekonferenz hieß.

Der Battery Quick Check basiert auf einer softwaregesteuerten Belastung der Fahrzeugbatterie via Diagnosegerät und Wallbox während des Ladevorgangs. Die Einrichtung und Initialisierung dauert laut TÜV Rheinland etwa fünf Minuten. Während des weiteren Testablaufs sind keine Eingriffe mehr nötig. Er dauert je nach Größe und Zustand der Batterie 90 bis 120 Minuten. Bei der Präsentation des Systems an einem VW ID 4 mit 77-Kilowattstunden-Batterie lag die eingeblendete Testzeit allerdings bei rund zwei Stunden und 20 Minuten. Während dieser Zeit ist auch das Diagnosegerät an das Fahrzeug gebunden.

Die während des gesteuerten Ladevorgangs (die Batterie sollte zum Testbeginn zu maximal 45 Prozent geladen sein) ermittelten Daten werden in der Cloud des Anbieters mit Referenzdaten verglichen, die an den jeweiligen Batteriezellen im Neuzustand ermittelt wurden. Als Ergebnisse werden der aktuelle State of Health in Prozent sowie der tatsächlich nutzbare Energieinhalt in Kilowattstunden ausgegeben.

Bis Jahresende sollen Daten für circa 40 Modelle bereitstehen, die eine Marktabdeckung von rund 50 Prozent ermöglichen. Auch viele Tesla-Fahrzeuge lassen sich testen – allerdings nur die, die mit einer OBD-II-Schnittstelle ausgestattet sind. Eine Aussage über die verbleibende Lebensdauer des Stromspeichers oder eventuell drohende Schäden ist allerdings nicht möglich.

Zielkunden der neuen Dienstleistung sind Autohäuser, Werkstattketten, Leasinggesellschaften und das Fuhrparkmanagement von Unternehmen. Privatkunden können die Dienstleistung über ihre Autohäuser oder Werkstätten in Anspruch nehmen. Jedes Batteriezertifikat trägt einen QR-Code, über den sich Ergebnisse online einsehen lassen.

Ab dem 31. August 2023 können Gutachterinnen und Gutachter von TÜV Rheinland den Battery Quick Check durchführen. Über Hella Gutmann, den ersten Partner für Diagnose-Hardware, ist der Test ab 15. September dann auch in Werkstätten verfügbar. Die unverbindliche Preisempfehlung des TÜV Rheinland für den Battery Quick Check beträgt 149 Euro.

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