TÜV Süd: Airbag und ESP bereiten Probleme

Redakteur: Dipl.-Päd. Gerd Steiler

Die neue elektronische Hauptuntersuchung (Elektronik-HU) bringt es an den Tag: Laut einer Auswertung des TÜV Süd weisen Airbags, ESP und elektronische Abgasreinigungssyteme die häufigsten Mängel auf.

Anbieter zum Thema

Der TÜV Süd hat anlässlich der Frankfurter IAA erstmals die Ergebnisse der elektronischen Hauptuntersuchung (Elektronik-HU) ausgewertet, die seit April verpflichtend für Neufahrzeuge ab Baujahr 2006 vorgeschrieben ist. Dabei stellten die TÜV-Experten vor allem Probleme bei Airbags, ESP und der „umweltrelevanten Messtechnik“ fest. Laut einer TÜV-Mitteilung vom Montag zeigte die Elektronik-HU zugleich, dass die Mängelquoten steigen, je älter die geprüften Autos sind.

Problemfall Airbag

Ganz oben auf der Mängelliste steht der Airbag. Zwar seien bei den insgesamt gut 145.000 untersuchten Fahrzeugen nur 81 Airbags defekt gewesen. Erschreckend sei allerdings, dass die Defekte an diesem hochsicherheitsrelevanten Bauteil bei Fahrzeugen festgestellt wurden, die nicht älter als drei Jahre waren. Angesichts dieses Ergebnisses sieht der TÜV Süd Hersteller und Werkstätten in der Pflicht, die Zuverlässigkeit der Airbags sicher zu stellen: „Es kann nicht sein, dass der Airbag schon bei einem relativ neuen Fahrzeug nicht zuverlässig funktioniert“, so Horst Schneider, Sprecher der Geschäftsführung bei der TÜV SÜD Auto Service GmbH.

Bereits vor der Einführung der erweiterten Elektronik-HU hatten die Experten des TÜV Süd bei den 2008 durchgeführten Hauptuntersuchungen mehr als 13.000 defekte Airbags festgestellt. Schneider rechnet damit, dass die neue Elektronik-HU zahlreiche weitere Airbag-Defekte aufdecken wird. Dies reiche von fehlerhafter Airbag-Technik, über Manipulationen bis hin zu nach einem Unfall nicht wieder eingebaute Komponenten. Laut TÜV Süd finden sich die meisten defekten Airbags bei Autos älterer Bauart. So verdoppelte sich die Zahl defekter Airbags bei den vier- bis fünfjährigen Autos auf 161. Bei Autos im Alter zwischen sieben und acht Jahren fuhren sogar 525 ohne funktionstüchtigen Airbag. Bei den über neun Jahre alten Autos kamen noch einmal rund 200 hinzu.

Mängel bei ESP und Abgasreinigung

Weitere Auffälligkeiten gibt es laut TÜV Süd beim Elektronischen Stabilitätsprogramm ESP und bei den elektronischen Abgasreinigungssystemen. Nach Auswertung der Elektronik-HU hat das Motormanagement für die Abgasreinigung bei drei Jahre alten Fahrzeugen 245 mal versagt. Auch in diesem Bereich nähmen die Mängel mit steigendem Fahrzeugalter zu. So habe das Emissions-Motormanagement bei den sieben und acht Jahre alten Autos bereits in 444 Fällen gestreikt.

Angesichts dieser Zahlen fordert Schneider: „Es muss sicher gestellt sein, dass das Sicherheitsniveau, das ein Fahrzeugs beim Verlassen der Fabrik hat, über dessen gesamte Lebensdauer erhalten bleibt.“ Zugleich zeigten die vorliegenden Untersuchungsergebnisse wie notwendig es ist, auch die sicherheits- und umweltrelevante Elektronik im Zuge der Hauptuntersuchung prüfen zu lassen.

Elektronik-HU prüft im Deatail

Die erweiterte Elektronik-HU wurde im Frühjahr 2009 eingeführt und gilt zunächst für alle drei Jahre alten Autos, die heuer erstmals zur Hauptuntersuchung müssen. Untersucht werden dabei Verbau, Echtheit und Funktionsweise der folgenden acht Sicherheitssysteme: Bremsanlage, Lenkung, Kurvenlicht, Sicherheitsgurte und Rückhaltesysteme, Airbags, Geschwindigkeitsbegrenzer, fahrdynamische Regelsysteme wie ESP und der Überrollschutz bei Cabriolets.

(ID:319161)