Holland ist für vieles berühmt. Aus automobiltechnischer Sicht und im Hinblick auf Schwingungstechnik vor allem für die Marke Koni. Diese bietet gerade im Klassikbereich eine erstaunliche Produktvielfalt. Selbst Kleinstserien legt die deutsche Niederlassung auf Nachfrage jederzeit auf.
Markus Albert von Koni Deutschland erklärt, was einen guten von einem weniger guten Dämpfer unterscheidet.
(Bild: Dominsky/»kfz-betrieb«)
Woran erkennt man, dass ein Unternehmen bereits seit sehr langer Zeit im Bereich Automotive zugange ist? Wenn es seine Produkte bereits fertigte, als die Mobilität mit ein, zwei oder maximal vier PS stattfand. Zu dieser Zeit, zur Zeit der Pferde und Kutschen, da stellte ein gewisser A. de Koning im niederländischen Oud-Beijerland Pferdegeschirre und Polster her. 1857 hatte er seine kleine Firma gegründet.
Erste Schritte in Richtung Fahrwerkstechnik unternahm de Koning, indem er Ledergamaschen für die Federpakete von Kutschachsen anbot. Sie dienten als Fettreservoir der Plattfedern und erhöhten den Reisekomfort, indem sie Quietschgeräusche reduzierten.
Seine ersten Stoßdämpfer produzierte das Unternehmen 1932 – von der Technik her sogenannte Reibdämpfer. Ab 1940 vermarktete es diese unter dem Namen Koni. Nach dem Krieg erfolgte die Produktion von „nassen“ Stoßdämpfern. Dabei hatten es die Hydraulikzylinder von der Nordsee im wahrsten Sinn des Wortes in sich. Schließlich war es der damalige Firmeninhaber leid, bei seinem Fahrzeug US-amerikanischer Provenienz nach reichlich Ritten über niederländisches Kopfsteinpflaster alle 5.000 Kilometer neue Stoßdämpfer montieren zu müssen, weil die alten „schon wieder“ schlapp gemacht hatten.
Zu verschwenderisch erschien es ihm, solch ein materiell hochwertiges Bauteil stets komplett ersetzen zu müssen. So ersann er eine Möglichkeit, den fortschreitenden Verschleiß eines Dämpfers durch eine Nachstellmechanismus auszugleichen.
Zu Hause auf den Rennpisten dieser Welt
Auch wenn Generationen von Hobby-Tunern, bezüglich der Einstellbarkeit von Koni-Dämpfern stets wie folgt verfuhren: Raus aus dem Karton, Verstellung auf Anschlag, rein ins Auto. Im Sinne des Erfinders war das nicht – machbar war und ist es. Die Verstell- oder besser Nachstellbarkeit war stets ein Instrument, um Verschleiß auszugleichen und so den edlen Teilen ein langes Leben zu ermöglichen, das sie mit nahezu gleichbleibenden Dämpfungseigenschaften verbringen konnten. Wer’s sportlich wollte, der durfte oder sollte zu den gelben Koni-Dämpfern greifen. Die rote Serie war und ist im Prinzip Serienersatz.
In den Fünfzigerjahren kam Koni in Kontakt mit dem Rennsport. 1956 unterstützte die Marke das Ferrari-Team auf der berühmten Nordschleife, um Federungsprobleme zu lösen. Zwei Jahre später wurde Koni offizieller Partner der Scuderia Ferrari. Was folgte, waren unzählige Partnerschaften und Einsätze in den unterschiedlichsten Rennserien dieser Welt sowohl an der Seite der bekanntesten Automobil- als auch Motorradmarken. Der guten Ruf, den sich die Holländer im Rennsport erarbeitet hatten, strahlte auf den Aftermarket und Generationen von Fahrzeugbesitzern aus, die Wert auf eine gute Straßenlage legen. Und das ist bis heute so geblieben.
Mittlerweile auch ganz groß bei Zügen
Auch wenn Koni seit 1972 Teil eines US-amerikanischen Investmentunternehmens ist: Bis dato hat sich die Marke nicht nur eine gewisse Eigenständigkeit unter dem Dach von ITT bewahrt. Man gönnt sich sogar den Luxus, nicht nur für den aktuellen Massenmarkt zu produzieren. So zeigt Koni allgemein, und die deutsche Niederlassung im Speziellen, ein ausgeprägtes Herz für Besitzer automobiler Klassiker. „Maximales Volumen war noch nie unbedingt das Motto unseres Kerngeschäfts“, erklärt Markus Albert, Sales- und Marketing-Manager Aftermarket D/A/CH/PL bei Koni, im Gespräch mit »kfz-betrieb« und ergänzt „Wir lieben den Kontakt zu Endkunden und sind für deren Wünsche offen!“
Aussagen wie diese hört man nicht zwangsläufig im Umfeld von Konzernen, die in aller Regel ihre Produkte bahnwaggonweise an die Fließbänder der Fahrzeugindustrie liefern. Apropos Waggon: Statt nur in automobilen Fahrwerken finden die Dämpfer der Niederländer mittlerweile immer öfter Anwendung in denen von Bussen, Nutzfahrzeugen und vor allem Zügen. Rund die Hälfte des aktuellen Geschäfts macht Koni mit Schwingungstilgern für Bahnfahrzeuge. „Es gibt kaum einen keinen Hochgeschwindigkeitszug auf der Welt, in dem nicht irgendwo ein Koni-Dämpfer steckt“, weiß Markus Albert nicht ohne Stolz zu berichten.
Ab 50 Stück ist man mit von der Partie
Doch zurück zum Automobil, genauer gesagt zu Young- und Oldtimern. Egal ob man als Besitzer eines Stück rollenden Kulturguts stets ganz gemütlich unterwegs ist oder daran interessiert ist, dass das „Schätzchen“ auch mal bei flotter Gangart „gut liegt“ – bei Koni wird beinahe jeder im umfassenden Produktkatalog fündig. Hier können die Oldieeigner meist zwischen den beiden Varianten „rot“ („Special D“) und „gelb“ („Sport“) wählen. Für besonders oft nachgefragte Fahrzeugmodelle sind Dämpfer der Reihe „Classic“ zu haben.
Stand: 08.12.2025
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Sie entsprechen technischerseits eins zu eins der roten Variante, sind eben nur schwarz lackiert. Und wenn ausgerechnet für mein Fahrzeug kein Koni-Dämpfer lieferbar sein sollte oder ich einen Extrawunsch habe? „Kein Problem!“, sagt Koni-Urgestein Albert, „Selbst aufgrund mangelnder Nachfrage entfallene Dämpfer können wieder ins Programm genommen werden. Auch wenn wir nur 50 Stück einer Variante pro Jahr verkaufen, bleibt beziehungsweise kommt diese wieder ins Programm.“
Das heißt umgekehrt: Wer einen speziellen Dämpfer wünscht und sich mit beispielsweise 24 anderen Oldtimerclub-Kollegen zusammentut (achsweiser Bedarf vorausgesetzt), dem baut Koni Deutschland problemlos seinen Dämpfer, so es sich um einen Einzeldämpfer beziehungsweise eine Patrone handelt. Im Fall von Federbeinen hängt es von der Verwendbarkeit eventuell vorhandener Serienfederteller und der Lieferfähigkeit entsprechender Komponenten etc. ab. Der Vertrieb B2B, also Business to Business, erfolgt hierzulande seit 2010 über den bekannten Fahrwerksspezialisten H&R. Endkunden dürfen sich gerne auch an Koni Deutschland direkt wenden.
Ganz ausgefallene Wünsche erfüllt die Firma AKV Suspension aus Vielbach, mit der Koni kooperiert. Michael Koch, ehemaliger Koni-Mitarbeiter, erfüllt nicht nur ganz individuelle Dämpferwünsche, er überholt auch normale Konis. Denn auch das ist bei den hochwertigen Holland-Dämpfern möglich: Defekte Komponenten auszutauschen oder umzubauen, also die „Ausfederlänge“ zu reduzieren (siehe Bildergalerie). Auch wer über ein historisches Zweirad verfügt und mit einem Koni-Dämpfer ein Problem hat, kann sich vertrauensvoll an Michael Koch wenden. Das gilt übrigens auch im Fall sogenannter Ikon-Dämpfer. Die australische Marke hatte 2000 die Zweiradsparte von Koni übernommen und führt sie seitdem in Down Under unter „Ikon“ weiter.