Reifentest Überraschend einheitliches Niveau beim Sommerreifentest des ACE

Von Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow 4 min Lesedauer

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Der Automobilklub hat zehn Reifen der UHP-Größe 225/40 R 18 XL miteinander verglichen. Erstaunlicherweise sind die Leistungsunterschiede im Trockenen größer als auf Nässe – kritisch wird es aber bei keinem Probanden.

Ein Reifentest bringt immer einen erheblichen organisatorischen Aufwand mit sich. Die Tests fanden in Spanien auf dem Hakka-Ring, einem Testgelände von Nokian Tyres, statt. Testfahrzeug: VW Golf 8. (Bild:  Konstantin Tschovikov)
Ein Reifentest bringt immer einen erheblichen organisatorischen Aufwand mit sich. Die Tests fanden in Spanien auf dem Hakka-Ring, einem Testgelände von Nokian Tyres, statt. Testfahrzeug: VW Golf 8.
(Bild: Konstantin Tschovikov)

Dimension 225/40 R18 XL – das ist mittlerweile ein Reifen für die Kompaktklasse und passt unter anderem auf den VW Golf, Skoda Octavia, Seat Leon, Opel Astra oder Audi A3. Weit verbreitete Alltagsautos also, die mit Starkregen ebenso konfrontiert werden wie mit hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn und plötzlichen Notbremsungen.

Der Auto Club Europa hat nun zehn sportliche Exemplare dieser Größe verglichen, wobei die Markenpalette von Premiumfabrikaten wie Continental und Pirelli bis hin zu ambitionierten asiatischen Anbietern wie Nexen oder Linglong reichte. Die Ergebnisse verblüffen insofern, als dass kein einziger Reifen wirklich versagte: Alle erhielten von den ACE-Testern mindestens das Prädikat „empfehlenswert“. Zwischen dem Erstplatzierten, dem Michelin Pilot Sport 4S (140 Punkte), und dem Letzten, dem Nexen N'Fera Sport (128 Punkte), lagen also gerade einmal zwölf Wertungspunkte – weniger als zehn Prozent Leistungsunterschied im Durchschnitt aller bewerteten Kategorien.

Im Nassen sind die Unterschiede... kleiner

Das ist nicht viel. Zweite Überraschung: Der Punkteabstand zwischen dem besten und dem „schlechtesten“ Reifen war in der Betrachtung der Nässeeigenschaften geringer als auf trockener Straße. Und das, obwohl guter Nassgrip gemeinhin als größere Herausforderung für Reifenkonstrukteure gilt. Die besten Nassreifen waren der Michelin (nicht überraschend) und, Achtung, der Lingloing Sport Master (schon überraschend) mit jeweils 68 Punkten. Mit 60 Punkten am wasserscheusten präsentierte sich der Pirelli P Zero PZ5.

ACE 2026 Testergebnisse
Quelle: ACE

Die Leistungen auf Trockenheit lagen zwischen 55 Punkten (Bridgestone Potenza Sport Evo) und 42 Punkten (Nexen N'fera Sport). Neben den Leistungswerten prüften die ACE-Tester auch Vorbeifahrgeräusch und Rollwiderstand – allerdings nicht die Laufleistung. Schade, denn hier ergeben sich oft noch sehr große Unterschiede zwischen den einzelnen Reifenmodellen.

Knapp vier Meter Unterschied beim Bremsweg auf Nässe

Schauen wir auf die einzelnen Testaufgaben, so erzielte der Bridgestone mit 32,9 Metern den kürzesten Bremsweg von 100 auf 0, knapp dahinter folgen Continental Sport-Contact 7 (33,2 Meter) und Michelin (33,4 Meter). Am längsten benötigt der Nexen mit 34,7 Metern bis zum Stillstand. Damit liegt der Letztplatzierte aber auch nur knapp zwei Meter hinter dem Bestwert.

Deutlich größer werden die Unterschiede beim Bremsen auf nasser Fahrbahn. Dabei wird die Vollbremsung im Test bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h durchgeführt. Hier setzt sich der Continental mit 24,5 Metern an die Spitze, gefolgt von Bridgestone (24,8 Meter) und Linglong (25,4 Meter). Das Schlusslicht bildet erneut der Nexen mit 28,3 Metern. Der Abstand zwischen dem besten und dem schlechtesten Reifen beträgt auf nasser Fahrbahn 3,83 Meter, also eine knappe Wagenlänge.

Jeder Reifen hat Stärken und Schwächen

Beim Aquaplaning zeigt sich, wie stark sich die Platzierung je nach Disziplin verändern kann. Nexen, Schlusslicht in den vorherigen Kategorien, gelangt nun aufs Treppchen und teilt sich mit Falken Azenis FK 520 und Pirelli den ersten Platz beim Aquaplaning längs. Beim Pirelli tritt Aquaplaning auf gerader Strecke erst bei 82,5 km/h auf, beim Nokian Powerproof 2 bereits bei 80,1 km/h. In der Kurve werden die Unterschiede größer: Der Falken verhindert Aquaplaning am längsten (bis 71,5 km/h), während der Continental hier das Schlusslicht bildet (68,3 km/h). Die Gefahrensituation tritt damit mehr als 3 km/h früher ein.

Im Trockenhandling werden Eigenschaften wie Seitenführung, Traktion und Lenkpräzision bewertet. Hier schneiden Pirelli, Falken, Continental und Michelin mit Bestwerten ab. Im Subjektiv-Test überzeugen die Spitzenreifen mit guter Kurvenfestigkeit, präzisem Lenkverhalten und einer sicheren und kontrollierbaren Fahrweise. Am anderen Ende des Feldes liegen Nexen und Linglong, die im Trockenhandling weniger gut abschneiden.

Beim Fahrspurwechsel werden im Rahmen des Tests schnelle Ausweichmanöver nachgestellt, wie sie etwa auf Autobahnen auftreten können. Wichtig sind Reaktionsschnelligkeit, Stabilität und ein gut kontrollierbares Fahrverhalten. Hier erzielt der Pirelli die meisten Punkte. Die restlichen Testmodelle liegen eng beieinander. Auffällig ist der Nokian, der im Test negativ auffällt, unter anderem durch eine schwächere Abstützung der Hinterachse.

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Auf dem Nasshandlingkurs ergibt sich ein anderes Bild als auf dem Trockenen. Während Pirelli und Falken zuvor zu den Bestplatzierten gehörten, landen sie im Nasshandling im hinteren Bereich. Gründe dafür sind ein weniger sicheres Fahrgefühl, mehr Unter- und Übersteuern sowie ein unpräziseres Lenkverhalten und weniger Seitenführung. Umgekehrt verbessert sich Linglong deutlich und erreicht im Nasshandling den Spitzenwert, gefolgt von Nokian und Michelin, die unter anderem mit guter Traktion aus der Kurve heraus überzeugen.

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