Umweltschutz bringt Kosten- und Imagevorteile

Autor / Redakteur: Konrad Wenz / Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

„Umweltschutz oder besser Nachhaltigkeit und Nachhaltigkeitsmanagement gehören zum Standard eines modernen Autohauses“, sagt Dr. Gesa Köberle von Dekra.Was genau macht denn die Nachhaltigkeit aus?

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Redaktion: Welche Bedeutung hat der Umweltschutz heute für einen Kfz-Betrieb?

Dr. Gesa Köberle: Das Thema Umweltschutz oder besser Nachhaltigkeit und Nachhaltigkeitsmanagement gehören zum Standard eines modernen Autohauses. Einerseits erwarten es die Kunden und andererseits bringt es der Kfz-Werkstatt Vorteile. Dazu zählt neben dem reinen Imagegewinn auch zunehmend der Kostenfaktor. Die Werkstatt hat nämlich enorm viele Möglichkeiten, ihre Kosten zu optimieren, wenn sie schonend mit den Ressourcen umgeht. Dazu kommt, dass für die Werkstätten das Vorsorgeprinzip gilt, das heißt, sie müssen insgesamt die Belastung von Boden, Wasser und Luft reduzieren. Und das können sie nur, wenn sie optimale Systeme schaffen, um ihre Umwelt zu schonen und wenn sie für ausreichende Schutzvorkehrungen sorgen.

Die Betriebe betreiben also nicht nur wegen dem Gesetzgeber Umweltschutz, sondern weil es ihnen Vorteile bringt?

Ja, definitiv auf der Kostenseite. Betrachten wir einfach die Energieeffizienz: Mit relativ einfachen Mitteln kann der Betrieb zwischen fünf und zehn Prozent Energie einsparen. Dabei kann es sich zum Beispiel um die Einstellung der Heizungsanlage handeln. Wie oft erlebt man, dass ein Mitarbeiter eine komplexe Heizungsanlage verstellt, weil es ihm einmal morgens zu kalt war – und nun springt die Heizung mitten in der Nacht an. Ähnliches erleben wir immer wieder bei der Beleuchtung. Es ist ein Leichtes, einmal eine Lastgangauswertung zu erstellen. Dabei wird über einen Zeitraum von 24 Stunden der Stromverbrauch eines Betriebs gemessen. Weitere einfache Beispiele sind, optimiert zu lüften oder eine Verschattung am Fenster – die Betriebe können oft mit ziemlich einfachen Mitteln eine Menge erreichen. Darüber hinaus genügen sie häufig durch einfache Maßnahmen den gesetzlich Anforderungen und erfüllen die Kundenansprüche.

Der Kunde will also vom Autohaus wissen, wie grün es ist?

Ja, so etwas erleben wir tatsächlich. Der Kunde fragt zwar nicht direkt, wie grün das Autohaus ist, aber er will ganz konkret wissen, wie emissionsarm die Fahrzeuge sind. Und Kunden reagieren immer positiv, wenn sie von ihrem Autohaus Informationen zum Umweltschutz angeboten bekommen. Wir dürfen natürlich nicht erwarten, dass es nur noch aufgeklärte Bürger gibt, die ganz differenziert nach der Nachhaltigkeit ihres Autohauses fragen. Aber die Sensibilisierung für den Umweltschutz hat in der Öffentlichkeit enorm zugenommen.

Es gibt keine echte Standarddefinition für Nachhaltigkeit – aber es gibt Beispiele: Wenn man einen Hektar Wald nachhaltig bewirtschaftet, nimmt man immer nur so viel Holz aus dem Wald, wie tatsächlich nachwächst. Das ist noch relativ einfach. Aber sobald Regionen, Menschen oder Gebäude eine Rolle spielen, wird es schwierig. Das fängt bei der optimierten Ressourcennutzung an, beispielsweise dem Verbrauch von Energie und Wasser. Hier können Solar- oder Photovoltaikanlagen Möglichkeiten sein. Der Betrieb kann sich zudem fragen, welche Versickerungsmöglichkeiten es für Abwasser gibt und wie er mit eher kritischen Produkten umgeht, also Reinigungsmitteln oder Lacken. Auch die Mitarbeiter müssen entsprechend geschult sein.

Nachhaltigkeit bedeutet also letztlich, für den Kfz-Betrieb zu investieren?

In erster Linie muss der Betrieb ein Gesamtkonzept entwickeln und ein stabiles, auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes System installieren. Sein Konzept muss pragmatisch genug sein, damit es auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Bestand hat. Nachhaltigkeit hat ökologische, soziale und natürlich auch ökonomische Komponenten. Im besten Falle erreicht der Betrieb ein Gleichgewicht hinsichtlich dieser Aspekte. Allerdings scheut man sich heute häufig, die ökonomische Komponente zu betonen. Das ist aber falsch. Denn wenn ein Betrieb diese Komponente außer Acht lässt, dann funktioniert Umweltschutz nur so lange, wie der Betrieb wirtschaftlich gut dasteht. Sobald es dem Betrieb schlechter geht, flacht das Umweltengagement ab.

Welche Bedeutung hat das Umweltschadengesetz für die Kfz-Betriebe?

Durch das Gesetz wird die Haftung für Unternehmen deutlich verschärft. Zudem sieht es eine rückwirkende Haftung für Schäden vor, die seit dem 30. April 2007 bewirkt wurden. Bisher mussten Verursacher nur dann Schadensersatz leisten, wenn durch Umweltverschmutzung fremde Rechtsgüter verletzt wurden. Nun können sie grundsätzlich für Schäden haftbar gemacht werden. Deshalb sollten Kfz-Betriebe prüfen, ob ihre Betriebshaftpflichtversicherung auch die öffentlich rechtliche Haftung abdeckt.

Es kann aber nicht im Sinne der Nachhaltigkeit sein, wenn das Autohaus lediglich die Versicherung erhöht!

Nein, aber das ist der erste Schritt. In erster Linie soll das Gesetz erreichen, dass es eben nicht zu Schäden an Biodiversität, Wasser und Boden kommt. Wir sind in Deutschland so dicht besiedelt, dass jeder Quadratmeter Boden eine enorme Bedeutung hat. Auch deshalb ist es so wichtig, dass die Kfz-Betriebe umweltgerecht wirtschaften. Die Betriebe tun sich sicher einen Gefallen, wenn sie den Umweltschutz auch aktiv demonstrieren. Verbraucher gehen erst einmal davon aus, dass sich die Betriebe nachhaltig verhalten. Wenn sie feststellen, dass das nicht der Fall ist, nehmen sie das sehr übel. Dann ist der Betrieb in einer ganz dummen Reaktionspflicht.

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