Viel Nachholbedarf
Aber bei Energieeffizienz, Wasser und Abwasser, Emissionen oder Gefahrgütern gibt es laut der Sachverständigenorganisation GTÜ noch viel Nachholbedarf. Oft fehlt es schon am Wissen über die genaue Lage von Rohrleitungen oder Tankanlagen auf dem Betriebsgelände.
Befasst man sich mit dem Thema Umweltschutz und der damit verbundenen Verantwortung und Haftung im Unternehmen, wird sehr schnell deutlich: Der Bereich, der Handlungsrahmen und das Unternehmensumfeld haben sich in den letzten Jahren gravierend verändert. Allein von 1990 bis heute gab es in der EU rund 6.500 neue Gesetze und Verordnungen zum Thema Umweltschutz.
„Zudem stehen für die Jahre 2010 und 2011 zahlreiche Novellierungen oder Änderungen der Gesetzgebung an, beziehungsweise treten neue Verordnungen in Kraft“, erklärt Klaus Stracke, Prokurist bei der Unternehmensberatung LC Auto Consult, die eine 100-prozentige Tochter des TÜV Süd ist. „Es ist nicht absehbar, dass bestehende Regelungen gelockert werden. Eher werden Gesetze zum Umweltschutz, die auch für Kfz-Betriebe gelten, verschärft“, ergänzt Henryk Broll, Umweltschutzberater der TÜV NORD Mobilität GmbH & Co. KG. Die Folge davon sei, dass jetzt schon Investitionen für die Sanierung der Abwasserleitungen, der Abwasserbehandlungsanlagen sowie der notwendigen Wasseraufbereitungsanlagen bei der maschinellen Fahrzeugreinigung anfielen, um den gesetzlichen Anforderungen gerecht zu werden.
„Technische Sicherheit und Arbeitsschutz gehörten schon immer zur Führungsverantwortung, heute zählen auch Umweltfragen zum vordringlichen Problemlösungsbereich“, erklärt Stracke. Umweltschutz sei in die strategische Unternehmensführung genauso einzubeziehen wie Gewinnerzielung, Wachstum und soziale Verantwortung. „Umweltrechtliche sowie gesellschaftspolitische Faktoren zwingen die Unternehmen heute von außen, die Vermeidung von Umweltbelastungen in ihr unternehmerisches Handeln mit einzubeziehen“, so Stracke.
„Umweltschutz in Kfz-Betrieben heißt, Umweltschutz zu praktizieren und für Umweltschutz verantwortlich zu sein, ohne Umweltschutz in der Ausbildung gelernt zu haben“, fügt Broll an. Fehlverhalten ziehe nicht nur Strafen nach sich, sondern wirke sich auch stark schädigend auf das Image des Unternehmens aus. Höhere Erwartungen von Kunden an umweltverträgliche Produkte und Dienstleistungen, aber auch höhere gesetzliche Anforderungen hätten die Bedeutung des Themas im Kfz-Betrieb steigen lassen.
Sensible Verbraucher
Tatsächlich wird der Verbraucher zunehmend umweltbewusster und reagiert bei seinen Kaufentscheidungen sehr sensibel auf Produkte aus umweltfreundlichen Betrieben. „Damit entstehen sogar Wettbewerbsvorteile durch praktizierten Umweltschutz, und natürlich hat das eine imageverbessernde Wirkung“, so Stracke. „Das Autohaus muss daher seine Hausaufgaben im Umweltschutz erledigt haben und sich hier eindeutig positionieren“, fügt Ralf Horstmann an, Leiter New Business Autohaus- und Fuhrpark-Services TÜV Rheinland. Das „grüne“ Auto müsse mit dem Auftritt und dem Wirken des Autohauses übereinstimmen. Die Betriebe sollten den Umweltschutzgedanken als aktives Marketinginstrument einsetzen. „Ein „grüner“ Betrieb in allen Bereichen, ob Vertrieb, Service oder Verwaltung, ist ein Imageträger für das umweltfreundliche Fahrzeug“, so Horstmann.
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