Umweltschutz: Nachlässigkeit kann teuer werden

Redakteur: Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Vor allem kleinere und mittelständische Betriebe sind mit dem Umweltschutz überfordert. Denn sie müssen eine Vielzahl gesetzlicher Auflagen einhalten, die neuesten technischen Möglichkeiten kennen und sich auch laufend weiterbilden.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Sehr ernst schaut der Beamte der Unteren Wasserbehörde den Betreiber des Kfz-Betriebs an. Er hat einen triftigen Grund dafür: Der Betrieb sammelte nämlich Schrott in einem Container auf einer unbefestigten Fläche aus Verbundsteinpflaster. Regenwasser ist in den Container eingedrungen und hat Fette und Öle abgewaschen. Die Brühe ist durch die Ritzen ins Erdreich gesickert. Der Betriebsinhaber bietet an, den Untergrund zu befestigen, und das Absickern künftig zu verhindern. Doch so einfach wird es ihm nicht gemacht.

Vielmehr leitet die Behörde ein Ermittlungsverfahren gegen den Unternehmer ein. Da die Verfehlung eindeutig auf ihn zurückzuführen ist, erhält er eine Strafanzeige wegen Bodenverunreinigung nach §324a StGB. Er wird wegen grober Fahrlässigkeit verurteilt und zudem werden gegen ihn Schadensersatzansprüche und die Kosten für die Aufräumarbeiten geltend gemacht.

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„Es fehlt in der Regel nicht am Bewusstsein, dass Umweltschutz und Energieeffizienz notwendig ist – aber in der Praxis die richtigen Konsequenzen daraus zu ziehen, ist häufig der Knackpunkt“, beschreibt Dr. Jürgen Grymlas das Problem, dem er in seiner Arbeit täglich begegnet.

Betriebe überfordert

Grymlas ist Sachverständiger für Energie-, Umwelt- und Sicherheitstechnik. Als Partner der GTÜ hat er schon einige Kfz-Betriebe für die Vergabe des GTÜ-Umweltsiegels geprüft und beraten. In der Regel wissen Sachverständige, wo der Schuh drückt: Vor allem kleinere und mittelständische Betriebe sind überfordert, denn sie müssen eine Vielzahl gesetzlicher Auflagen einhalten, die neuesten technischen Möglichkeiten kennen und sich auch laufend weiterbilden. Das ist bei knapper Personaldecke und voller Werkstatt oft nicht zu schaffen.

Das Problem einfach zu ignorieren, ist jedoch die schlechteste Lösung für einen Kfz-Betrieb. Das geht gut, so lange nichts passiert. Aber wehe, die Versicherung schickt im Schadenfall einen Gutachter. Der kennt sich im Zweifel bestens aus und pocht auf die in der Versicherungspolice vereinbarte Einhaltung aller vorgeschriebenen Auflagen – das kann enorm teuer werden, wenn die Versicherung wegen grober Fahrlässigkeit von der Schadenregulierung absieht.

Aber es muss nicht immer gleich der große Schadenfall sein: Meistens sieht ein Sachverständiger schon beim ersten Schritt in die Werkstatt Gefahrstoffe in den Regalen stehen, die dort nicht hingehören. Felgenreiniger in Fässern ist hochentzündlich und daher ein Risiko, Auffangwannen müssen regelmäßig gereinigt werden, und nicht jede Wanne eignet sich für jedes Medium. Häufig entstehen auch unsaubere Ecken, wenn Motoröl aus großen Gebinden abgefüllt wird.

Dies sind nur wenige Beispiele für das, was die Umweltschutzberater der verschiedenen Organisationen tagtäglich in Kfz-Betrieben erleben. Lediglich der Bereich Mülltrennung und Entsorgung ist mittlerweile im Gewerbe weitgehend professionalisiert.

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