Verhaltene Sturmwarnung
Die Ankündigung chinesischer Marken, in Deutschland anzutreten, ist nach dem Bekunden vieler Branchenvertreter noch kein Grund zur Beunruhigung.
Im schrumpfenden Neuwagenmarkt bedeutet jede zusätzliche Marke einen höheren Konkurrenzdruck und eine Aufteilung des Kuchens in immer kleinere Stücke. »kfz-betrieb« wollte von den Vertretern der Händlerverbände wissen, wie sie den postulierten Ansturm chinesischer Automarken auf den deutschen Markt bewerten. Die Verbandsvorsitzenden erläutern die Chancen und Risiken für deutsche Händler.
Gerhard Schwartzkopf, Chevrolet Partnerverband
„Momentan ist das Thema China noch ein Sturm im Wasserglas, die zurzeit angebotenen Fahrzeuge werden überbewertet – auch durch die Medien. In den nächsten Jahren werden die Chinesen die Produkte sicherlich technisch und optisch dem europäischen Markt anpassen. Nach 2010 wird man sich mit den Chinesen ernsthafter auseinandersetzen müssen. Ich rate dazu, die Entwicklung zu beobachten und im Einzelfall auch über ein Engagement für eine chinesische Marke nachzudenken. Zu den Risiken zähle ich zum einen den Imageschaden durch technische Unzulänglichkeiten, zum anderen die Gefahr, dass privaten Importeuren finanziell vorzeitig die Luft ausgeht.“
Friedrich Karl Bonten, Fiat-Händlerverband
„Der so genannte Ansturm erinnert mich sehr an den Markteintritt der Japaner und Koreaner vor vielen Jahren. Im Augenblick sehe ich wegen der gefestigten Positionen des Fiat-Konzerns jedoch keinen Grund für die Markenkollegen, sich auf die Chinesen besonders vorzubereiten. In Anbetracht der unbekannten Produktqualität und der vielen anderen offenen Punkte lässt sich im Augenblick keine Einschätzung zu den Risiken und Gefahren für den Handel abgeben.“
Thomas Bieling, Verband Deutscher Opelhändler
„Aus unserer Sicht wird es der gewaltigen Wirtschaftsmacht China gelingen, mittelfristig in Deutschland Fuß zu fassen. Es wird aber noch dauern, bis sich die chinesischen Anbieter in Qualität, Technik und Design auf den europäischen Markt eingestellt haben. Eine ernst zu nehmende Konkurrenz für die bereits etablierten Marken wird in zwei bis drei Jahren entstehen. Derzeit kann man nur raten, den Markt zu beobachten und nicht voreilig auf den Zug aufzuspringen. Es bleibt abzuwarten, ob die Importeure der ersten Stunde die zu erwartenden Anfangsturbulenzen verkraften.“
Manfred Eimansberger, Subaru Händlerbeirat
„Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen regelrechten Ansturm chinesischer Fahrzeuge geben wird. Ich bin der Meinung, dass der Importeur erst einmal ausloten wird, wie er die Modelle positionieren kann. Die negative Berichterstattung über die Sicherheit dieser Fahrzeuge hat sich sicher in den Köpfen der Interessenten massiv festgesetzt. Den Chinesen steht ein langer Prozess bevor, bis ihre Fahrzeuge konkurrenzfähig sind. Wenn sich Subaru und die Händler dem Markt weiterhin mit qualitativ hochwertigen Produkten stellen, sehe ich keine große Gefahr für unsere Händler. Chancen für chinesische Marken sehe ich momentan im Preis, da deren Käufer an erster Stelle auf die Kosten achten.“
Burkhard Weller, Toyota Händlerverband
„Was für eine Panik, wegen China! Welcher Ansturm? Es sind weitere Marktteilnehmer, die sich behaupten müssen. Herzlich willkommen! Entscheidend ist für alle Kollegen – egal ob mit oder ohne chinesischer Konkurrenz – einen guten Job zu machen. Gute Autos haben wir ja. Unsere Chance ist, uns mit qualitativ besseren Autos abzuheben und mit überzeugenderen Dienstleistungen die Kunden zu loyalisieren. Das Risiko für die Chinesen ist, eine erneute Bauchlandung zu erleben.“
Helmut Blümer, Pressesprecher des ZDK
„Es gab zwei Messestände in Frankfurt, der Ansturm hielt sich in Grenzen. Das Medieninteresse war zwar optisch eindrucksvoll, aber davon kann ein Automobilunternehmer nicht leben. Für die Chinesen ist der deutsche Markt derzeit kein Spaziergang. Low-Cost-Fahrzeuge zu bauen ist die eine, mit dem Vertrieb Geld zu verdienen die andere Herausforderung. Der Fokus für die Kfz-Betriebe liegt zunächst auf dem Verkauf, dem derzeit private Impulse fehlen. Schon heute werden von diesem Kuchen nicht mehr alle Betriebe satt.“
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