E-Auto im Dauertest Vier Jahre, 160.000 Kilometer, 91 Prozent SoH

Von Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow 3 min Lesedauer

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Der ADAC hat mit einem Dauertestwagen vom Typ VW ID 3 die Grenze der Batteriegarantie erreicht. Fazit: Batterie und Reichweite präsentieren sich fast wie am ersten Tag, die Ladeleistung ist sogar gestiegen.

Der ADAc attestierte dem ID 3 gemessen an der Laufleistung „einen grundsoliden Zustand“. Eine Gebrauchtfahrzeugbewertung auf Basis der DAT-Daten ergab einen Händlerverkaufswert von 23.861 Euro. (Bild:  ADAC/Matthias Vogt)
Der ADAc attestierte dem ID 3 gemessen an der Laufleistung „einen grundsoliden Zustand“. Eine Gebrauchtfahrzeugbewertung auf Basis der DAT-Daten ergab einen Händlerverkaufswert von 23.861 Euro.
(Bild: ADAC/Matthias Vogt)

Um den Kunden Vertrauen in die anfangs unbekannte Technik zu vermitteln, hat sich die Automobilindustrie für relativ lange Garantiezeiträume für die Hochvoltspeicher von Elektroautos entschieden. Als Standard gelten ein Zeitraum von acht Jahren beziehungsweise ein Kilometerstand von 160.000 Kilometer, innerhalb derer der Gesundheitszustand (State of health, SoH) der Batterie nicht unter 70 Prozent absinken darf. So handhabt das auch Volkswagen.

Doch auch die längste Garantie läuft irgendwann aus – erst recht, wenn man es darauf anlegt, die entsprechende Fahrleistung in möglichst kurzer Zeit zu absolvieren. Mit einem Volkswagen ID 3 hat der ADAC diese Grenze nun nach gut vier Jahren erreicht. Die erste gute Nachricht lautet: Von den 70 Prozent ist der Hochvoltspeicher des Zwickauer Kompaktautos noch weit entfernt: Mit dem Batterietest von Aviloo ermittelte der ADAC einen SoH von 91 Prozent.

Nur 13 Kilometer Reichweitenverlust

Das entspricht quasi dem Neuzustand. Denn die SoH-Ermittlung ist mit vielen Unsicherheiten behaftet; VW selbst nennt in seiner Werkstattliteratur einen Toleranzbereich von plus/minus zehn Prozent. Bei Aviloo sollen es plus/minus drei Prozent sein. Wichtiger als der SoH dürfte für den möglichen Gebrauchtkunden deshalb die verfügbare Reichweite sein, und auch die hat der ADAC ermittelt: Kam der ID 3 beim Start des Dauertests 438 Kilometer weit, liegt die Reichweite beim aktuellen Kilometerstand von 172.000 Kilometern bei immerhin noch 425 Kilometern.

Nach dem Aviloo-Verfahren verlor der ID 3 über eine Fahrstrecke von 150.000 Kilometern nur fünf Prozentpunkte SoH.(Bild:  ADAC)
Nach dem Aviloo-Verfahren verlor der ID 3 über eine Fahrstrecke von 150.000 Kilometern nur fünf Prozentpunkte SoH.
(Bild: ADAC)

Und das, obwohl die Testfahrer die Batterie nicht immer pfleglich behandelt haben. Der Wagen wurde häufig an Gleichstromladesäulen mit hoher Leistung geladen, und zudem oft auf einen Ladezustand von 100 Prozent – beides gilt eigentlich als nicht besonders förderlich für ein langes Batterieleben. Trotzdem zeigten sich die Zellen des 77-kWh-Speichers als robust.

Ladeleistung durch Software-Updates erhöht

Zudem sammelte Volkswagen über die Jahre viele Erfahrungen mit den im Feld befindlichen Fahrzeugen und konnte daraus Verbesserungen ableiten, die per Update auch den Gebrauchtwagen zugutekommen. Eine besser gesteuerte Batterietemperatur beispielsweise sorgt für niedrigere Verbräuche: Der ADAC konstatierte in seinem Ecotest zu Beginn 20,0 kWh, bei Kilometerstand 172.000 noch 18,3 kWh pro 100 Kilometer inklusive der Ladeverluste. Entsprechend ging auch die Reichweite trotz der messbaren Zelldegradation kaum zurück.

Auch die maximale Ladeleistung hat sich durch Software-Updates deutlich erhöht, und zwar von 125 kW auf 160 kW. In Sachen Ladeleistung ist der ID 3 im Vergleich zu anderen Elektroautos der Kompaktklasse auch nach vier Jahren absolut konkurrenzfähig.

Anfällige Antriebswellen

Zufrieden ist der Klub auch mit dem mechanischen Zustand des Autos. Anders als viele andere Elektroautos zeigte der ID 3 keinen auffälligen Fahrwerksverschleiß – lediglich an einem Gummilager eines Querlenkers ließ sich beginnendes Spiel beobachten. Die Bremse erwähnte der ADAC in seinem Testbericht nicht, offenbar zeigte sich die Trommelbremse, mit der die MEB-Modelle an der Hinterachse ausgestattet sind, als immun gegen die Korrosionsprobleme, die viele E-Fahrzeuge mit Scheibenbremse plagen.

Dementsprechend wenig Kontakt hatten die ADAC-Tester mit der Werkstatt. VW schreibt eine Wartung alle zwei Jahre vor – ohne Kilometerbegrenzung. Und so kam der ID 3 lediglich zwei Mal zur Inspektion – zum ersten Mal bei gewaltigen 74.271 Kilometern, zum zweiten Mal über 100.000 Kilometer später. Die Tester empfanden die Wartungskosten (rund 500 Euro bei der ersten, etwas über 400 bei der zweiten, zuzüglich 198 Euro für den Check der CO2-gefüllten Klimaanlage) trotzdem als „nicht gerade günstig“ – der VW-Handel dürfte das anders sehen.

An technischen Defekten tauchte nach etwa 55.000 Kilometern Laufleistung eine klackende Antriebswelle auf, die auf Garantie getauscht wurde. Die neue klackte allerdings nach der gleichen Laufleistung ebenfalls. Dass die Antriebswellen bei vielen E-Autos wegen des hohen Drehmoments kein langes Leben haben, ist allerdings auch von anderen Marken bekannt (beispielsweise Tesla). Auch die elektrisch bediente Klappe des Ladeanschlusses ging kaputt (227 Euro Reparaturkosten).

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Ein Fehler im Zugangssystem verhinderte einmal den Start des Kompaktwagens. Nachdem der Tausch der Zwölf-Volt-Batterie (für happige 456 Euro!) das Problem nicht lösen konnte, brachte offenbar ein Software-Update Besserung. Die Software und die Bedienung des Fahrzeugs waren denn auch die einzigen echten Kritikpunkte des ADAC am ID 3. Der Dauertest soll nun weitergehen: Als nächstes Ziel peilt der Klub 250.000-Kilometer-Marke an.

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