Mit dem Tavascan bringt Cupra das erste selbstentwickelte vollelektrische Modell an den Start. Optisch unterstreicht er den Anspruch auf Eigenständigkeit. Wie er mit der aktuellen Anti-Elektro-Stimmung zurecht kommt, ist schwer einzuschätzen. Kritik gibt es am Interieur.
Cupra bringt mit dem Tavascan ein weiteres, eigenständig entwickeltes Modell an den Start.
(Bild: Seat)
Cupra hat das Ausgefallene zum Konzept erhoben. Anders sein als der Rest, eine andere Ansprache – jenseits des Mainstreams zu sein, gehört zur DNA des jungen Fabrikats. Der Formentor hat mit diesen Attributen bei den Kunden unerwartet gut eingeschlagen, ist Bestseller und eroberte zigtausende Kunden für Cupra. Mit dem Modellzuwachs Tavascan geht Cupra diesen Weg konsequent weiter – und setzt dafür auf die Vollelektrifizierung. Eine Entscheidung, die in der Hochphase der Elektro-Euphorie gefallen war.
Das SUV-Coupé, positioniert in der Mittelklasse, strotzt nur so vor Extravaganz, inklusive beleuchtetem Logo auf Haube und Heckklappe. Den Designern gelang es, sich beim Serienmodell dicht an der bereits 2019 gezeigten Studie zu halten. Entsprechend dynamisch steht der Tavascan auf seinen großen Rädern. Ein langer Radstand, verbunden mit kurzen Überhängen und einer gedrungenen Coupé-Silhouette sorgen für knackige Proportionen und einen coolen Auftritt. Niemand würde vermuten, dass sich der Tavascan die Elektro-Architektur mit dem VW ID.4/5, dem Skoda Enyaq und dem Audi Q4 E-Tron teilt.
Doch mit seinen Konzernbrüdern will der stolze Spanier gar nicht verglichen werden. Zu eigenständig ist sein Anspruch, Leistung, Fahrdynamik und Elektroantrieb auf ein neues Niveau zu hieven. Dies zeigt besonders die VZ-Version. Für das Topmodell der Baureihe hat man sich die besten Zutaten herausgepickt, die der Volkswagen-MEB-Baukasten derzeit hergibt. Ergebnis: zwei effiziente E-Motoren mit zusammen 250 kW/340 PS, 545 Newtonmeter Drehmoment und Allradantrieb. Hinzu kommt ein Sportfahrwerk, das die Karosserie um 1,5 Zentimeter tieferlegt sowie eine sehr progressiv ausgelegte Lenkung.
Der Tavascan fährt sich – das sei trotz journalistischer Neutralitätspflicht zu sagen erlaubt – sensationell. Jeder Kilometer mit ihm bringt Spaß. Die Ruhe und Geschmeidigkeit, wie ihn eben nur ein Elektroantrieb liefern kann, verbunden mit einer top Präzision in Kurven und einer messerscharfen Handlichkeit zeugen von einer hohen Professionalität der Cupra-Entwickler. Besser hätte man die Abstimmung nicht hinbekommen können.
Irritierender Sparzwang im Interieur
Anders dagegen sieht es hinter dem Lenkrad aus. Was die Auswahl an Materialien betrifft, scheint der Rotstift hier und da zu streng angesetzt worden zu sein. Das gilt im Besonderen für die dominante wie extravagante Mittelkonsole, die wie ein dünnes Rückgrat v-förmig ins Armaturenbrett läuft. Wenn man schon solch ein polarisierendes Designteil derart prominent zwischen Fahrer und Beifahrer platziert, sollte man auch einen haptisch toll anzufassenden Werkstoff wählen und nicht Karbon-Optik durch Hartplastik ersetzen. Immerhin verlangt Cupra schon für die Basisversion „Endurance“ (ein Motor, Heckantrieb und 210 kW/285 PS) stolze 56.210 Euro. Der sichtbare Sparkurs stößt besonders auf, weil der Tavascan nicht in Europa, sondern in China gebaut wird, mit deutlich niedrigeren Lohnkosten. Es bleibt abzuwarten, wie Kunden auf diese Diskrepanz reagieren.
Eine überzeugende Performance liefert der Tavascan dagegen in Sachen Batterietechnik ab. Im Boden steckt ein Akku mit einer Kapazität von 77 kWh. Damit soll selbst die zweimotorige VZ-Variante nach WLTP-Norm 522 Kilometer Reichweite schaffen. An Bord ist ebenso die neueste Version eines AC/DC-Ladegerätes. An Schnellladesäulen kann mit bis zu 185 kW Leistung geladen werden. Cupras Chef-Entwickler Carlos Gonzales Tröger verspricht 100 „frische“ Kilometer in nur sieben Minuten. Um die Batterie von zehn auf 80 Prozent ihrer Kapazität zu bringen, dauert es im Bestfall eine halbe Stunde.
Assistenzsysteme aus dem Konzernbestand
Auch beim Thema Assistenzsysteme kann Cupra auf sämtliche Entwicklungen des Wolfsburger Mutterkonzerns zurückgreifen. Dazu zählen unter anderem die vorausschauende automatische Distanzregelung, Verkehrszeichenerkennung, Spurhaltung, Ausstiegswarnung, Erkennung von Passanten und Radfahrern. Beim Reiseassistent erhält das System zudem Informationen aus der Cloud und sorgt dafür, dass das Auto in der Mitte der Fahrbahn bleibt und das Tempo dem Kurvenverlauf anpasst.
Bestellbar wird der Tavascan im Juni sein. Dann dürfte auch der Preis für die VZ-Variante festliegen, der sicher ein gutes Stück über 60.000 Euro startet. Die ersten Auslieferungen sollen im Herbst beginnen. Um die Logistik in Grenzen zu halten und wegen der Produktion im fernen China, hat Cupra die Konfigurationsmöglichkeiten stark eingedampft. Nur fünf Farben und vier Ausstattungspakete sind für den Tavascan erhältlich.
Stand: 08.12.2025
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