Vollgas, aber umweltfreundlich

Autor / Redakteur: Sebastian Viehmann / Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow

Eco-Tuning ist der neueste Trend der PS-Branche. Durch verbesserte Motorsteuerung sollen Autos sparsamer werden. Daneben blüht die optische Fahrzeugveredelung mittels großer Räder und breiter Reifen.

Die Zeichen könnten eigentlich kaum ungünstiger stehen: Ständige Diskussionen über Klimaschutz, CO2-Grenzwerte und Tempolimit, die deutsche Autoindustrie als Buhmann in vielen Medien und eine unbegrenzte Regulierungswut der EU – das ist kein idealer Nährboden für eine Industrie, die nicht zuletzt von mehr PS-Leistung lebt. Doch die Tuningbranche scheint sich auch durch diese harten Zeiten wacker hindurchzukämpfen. Der Verband Deutscher Automobiltuner (VDAT) hat kürzlich seine Mitglieder befragt – fast jeder zweite gab an, 2006 ein Umsatzplus gegenüber dem Vorjahr erzielt zu haben.

Einen Schwerpunkt der Messe bilden traditionell die Leichtmetallräder. Dazu Jochen Eckelt, Geschäftsführer von JE Design und Räder-Experte beim Verband Automobiltuning und -zubehör (V.A.T.Z): „Der Trend geht weiterhin zu Rädern in großen Durchmessern bei gleichzeitig niedrigen Reifenquerschnitten – zum Beispiel bei SUV von VW und Audi mit 23-Zoll-Rädern und Reifen im Format 315/25 R 23. Der große Hit sind 2007 mattschwarze Räder, mit oder ohne Randpolitur. Chromräder befinden sich im Abwärtstrend.“ Jochen Eckelts Einschätzung bestätigt auch VDAT-Präsident Prof. Bodo Buschmann: „22 bis 23 Zoll sind heute schon eine gängige und gefragte Dimension.“

Christian Przibilla von BBS meint: „Die Designtrends sehe ich zurzeit ganz eindeutig bei den Farben, vor allem Schwarz in Kombination mit glänzenden Flächen. Eventuell kommt auch die Farbe Weiß – wobei ich nicht glaube, dass sich dieser Trend bei Rädern durchsetzen wird“, so Przibilla.

Wachsendes Problem

Bei den Reifen spielen sowohl Komfort als auch Spritersparnis eine wachsende Rolle: „Reifen mit leiseren Laufeigenschaften, das wird ein großer Schwerpunkt werden – und zwar in Kombination mit geringerem Rollwiderstand“, sagt Bodo Buschmann.

Ein wachsendes Problem für die Tuning- und Zubehörindustrie ist die Tatsache, dass die serienmäßigen Felgendimensionen bei Neuwagen kaum noch zu toppen sind. Dazu Jochen Eckelt: „Da die Fahrzeughersteller selbst ab Werk optional immer größere Räder verbauen, bleiben oftmals nur noch ein bis zwei Zoll mehr Durchmesser. Dabei ist zu beachten, dass die Tragfähigkeit der Reifen, speziell bei immer schwereren Fahrzeugen mit hoher Geschwindigkeit, irgendwann erschöpft ist. Viele Tuner regeln deshalb ihre Fahrzeuge in der Höchstgeschwindigkeit ab, obwohl die Motorleistung eine höhere Geschwindigkeit ermöglichen würde“, so Eckelt.

Tunen, um zu sparen

Das Eco-Tuning, zum Beispiel die Umrüstung auf Autogas oder die Optimierung der Motorsteuerung mit dem Ziel eines möglichst geringen Spritverbrauchs, kommt langsam aus seinem Nischendasein heraus. Immerhin engagieren sich schon viele Branchengrößen wie SKN, DTE Systems oder Abt Sportsline (mit der Intelligent-Sport-Technologie) im Bereich des „ökologischen“ Chip-Tunings. Eine Spritersparnis lässt sich vor allem im Teillastbereich des Motors erzielen. Beim reinen Eco-Tuning wird deshalb der Volllastbereich ausgeklammert – im Mittelpunkt steht die Erhöhung des Drehmoments im unteren Drehzahlband. „Die Nachfrage ist da, auch weil das ökologische Bewusstsein der Menschen deutlich gestiegen ist. Allerdings legen selbst Kunden, die speziell an Eco-Tuning interessiert sind, immer auch Wert auf mehr Leistung“, sagt Jürgen Kasparek von DTE Systems.

Die Firma aus Recklinghausen bietet unter anderem Zusatzsteuergeräte mit Multi-Kennfeld-Technologie an. Es werden vier bis acht Kennfelder im Speicher hinterlegt, die je nach gewünschtem Fahrverhalten passend abgerufen werden. DTE Systems wird auf der Essen Motor Show eine neue Leistungselektronik für den 125 kW/170 PS starken TDI-Motor aus dem VW-Konzern vorstellen. Der Vierzylinder-Diesel kommt unter anderem im VW Golf, Passat und Touran zum Einsatz, außerdem bei der Konzernschwester Audi im A3 und im Skoda Octavia.

Bei SKN aus Niedersachsen haben sich die Bereiche Eco-Tuning und Autogas längst als neue Säulen neben dem traditionellen Chip-Tuning etabliert. „Eco-Tuning ist auf dem Vormarsch und wird auch nicht so schnell aus der Mode kommen. Denn auch Kunden, die sich Fahrzeuge mit viel Hubraum zulegen, denken über eine Autogas-Umrüstung oder Eco-Software nach“, sagt Dorina Dammköhler von SKN. Das Unternehmen verspricht mit seinen Produkten eine Kraftstoffersparnis von bis zu 20 Prozent. Wie hoch die Einsparung tatsächlich ist – das werden viele Eco-Tuner nicht müde zu betonen – hängt natürlich auch von der Fahrweise ab. Wer immer nur Bleifuß fährt, dem kann auch die raffinierteste Motorsteuerung nicht beim Sparen helfen.

Komplexe Elektronik

Gleichzeitig werden sich im Wettbewerb nur die Unternehmen durchsetzen, die mit den immer komplexeren Motorsteuerungen der Autohersteller fachgerecht umgehen können. Und das gilt keineswegs für alle Anbieter – weswegen der ADAC dem Thema Chip-Tuning generell eher skeptisch gegenübersteht. Dazu Arnulf Volkmar Thiemel vom ADAC-Fachbereich Fahrzeugtechnik: „Viele, insbesondere die seriösen Anbieter, geben auf das von ihnen durchgeführte Chip-Tuning sowie zum Teil auf Antriebsstrang und Fahrwerk eine Garantie. Freilich ist im Schadensfall oft schwer zu beweisen, wodurch der Defekt tatsächlich ausgelöst wurde. Unsere Beratungspraxis zeigt: Oft kommt es dann zu gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen Fahrzeughersteller und Tuninganbieter mit dem Ergebnis, dass der Fahrzeugbesitzer auf dem Schaden sitzen bleibt.“

Auch die Sicherheit beim Tuning wird auf der Essen Motorshow in diesem Jahr wieder eine zentrale Rolle spielen. Neben dem Thema Plagiate gibt es zwei wesentliche Problemfelder, die VDAT-Präsident Buschmann so umreißt: „Problematisch sind nach wie vor die Extremumbauten. Da gibt es das Prinzip ‚zu tief‘, also stark tiefergelegte Fahrwerke und niedrig angeordnete Aerodynamikteile, und ‚zu breit‘, wenn die Räder nicht ausreichend durch die Karosserie abgedeckt werden.“ Diesem und anderen Sicherheitsthemen wird sich wieder die Initiative „Tune it! Safe!“ widmen.

Neu auf der Essen Motorshow ist eine spezielle Betreuung für die weibliche Kundschaft, die immerhin 14 Prozent aller Messebesucher ausmacht (die vielen Hostessen nicht mitgerechnet): Eine „Ladies Corner“ in Halle 1 soll die Damenwelt mit Kaffeebar, Internetzugang und Infoständen bei Laune halten.

Filme setzen Trends

Wer wissen will, worauf vor allem jugendliche Tuningfans in Zukunft abfahren dürften, sollte übrigens einen Blick auf den Pro7-Actionfilm „Fast Track – No Limits“ werfen. Dabei geht es ganz im Stil des Hollywood-Reißers „The Fast and the Furious“ um schnelle Autos, leicht bekleidete Mädchen und jede Menge Auto-Stunts. Allerdings spielt der Film nicht in den USA, sondern in Berlin.

Produziert hat den Action-Streifen Hermann Joha, der auch für die RTL-Serie „Alarm für Cobra 11“ verantwortlich zeichnet. Ein Trailer des Films kursiert schon auf der Videoplattform You Tube. Neben amerikanischen Autos sind dort ein Nissan 350Z und verschiedene BMW zu sehen. Ein Sendetermin steht allerdings noch nicht fest.

Gerüchte aus der Branche besagen, dass Pro7 aus „Fast Track – No Limits“ eine ganze Serie stricken will. Ähnlich wie die „Fast and Furious“-Filme könnte das dann für neue Tuninggelüste bei jungen Autofahrern sorgen – die Branche wird’s freuen.

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