Volvo-Partnerverband: „Wir riskieren, in Schönheit zu sterben“

Redakteur: Julia Mauritz

Leere Kassen, unsichere Restwerte und der Einbruch bei den Neuzulassungen: das waren die Hauptdiskussionspunkte auf der Jahreshauptversammlung des Volvo-Händlerverbands.

Anbieter zum Thema

Rund 100 Händler waren zur jährlichen Hauptversammlung der Volvo-Vertragspartner angereist, die am 14. Februar in Bremen stattfand. Brennpunktthemen waren vor allem der Restwerteverfall, der Neuzulassungseinbruch von rund 18 Prozent im Januar 2009 und die leeren Kassen der Händler. Daran konnte bislang auch die Umweltprämie nicht viel ändern.

„Der Handel hängt am Tropf der Regierung und der Banken und diese Situation ist untragbar“, brachte Verbandspräsident Heinz Preiß die aktuelle Situation des Kfz-Gewerbes auf den Punkt. An der aktuell so dramatischen Lage sei zum Teil auch der Handel selbst Schuld. „Wir befinden uns derzeit auch deshalb im freien Fall, weil wir es versäumt haben, betriebswirtschaftlich zu denken und zu viel in Boni und Stückzahlen gedacht haben“, tadelte Preiß. Das könne so nicht weitergehen. Jeder Händler müsse sich genau überlegen, ob ein Geschäft Ertrag bringe, bevor er einen Abnahmevertrag unterschreibe.

Lagerabbau geht voran

Der Händlerverband begrüßte die Tatsache, dass Volvo Car Germany nicht mehr nur auf Vertriebsprogramme setze, die letztlich zu einem Lageraufbau im Handel führten. Die Lagerabbauprämie im vergangenen Jahr habe die Lage ein gutes Stück entspannt, unterstrich Michael Hedtke, Sprecher des Arbeitskreises Vertrieb und Marketing. Das bestätigen auch die KBA-Zahlen. Im zweiten Halbjahr 2008 sind die Händler- und Werkszulassungen im Vergleich zum Vorjahr um gut ein Viertel gesunken.

Die Vertriebsunterstützungsmaßnahmen für 2009, die Volvo im engen Schulterschluss mit dem Händlerverband erarbeitet hat, beispielsweise die Select-Pakete oder das Mitarbeiter-Leasing, werden derzeit im Handel umgesetzt. „Sie geben Anlass zur Hoffnung, dass Volvo wieder auf ein gesundes Niveau zurückkehrt“, unterstrich der einstimmig wiedergewählte erste stv. Vorsitzende des Händlerverbands, Dominik Weber.

Unkalkulierbare Restwerte

Gedanken machen müsse sich der Hersteller hingegen über seine Ausstattungspolitik und die Preiseinstufung. „Die Kunden sind nicht bereit, 50.000 Euro für einen V 70 auszugeben“, brachte es ein Teilnehmer auf den Punkt, „wir riskieren, in Schönheit zu sterben.“

Die Vertreter von Volvo Car Germany, Geschäftsführer Thomas Viehweg, Vertriebsleiter Dirk Bott und der Aftersales-Leiter Thomas Weber sowie Vertreter der Volvo Bank gaben den teilnehmenden Volvo-Partnern einen Ausblick auf die geplanten Aktivitäten des Importeurs für das erste Halbjahr 2009 und stellten sich den Fragen der Händler.

Die Restwertproblematik, die vielen Vertriebspartnern unter den Nägeln brennt, habe Volvo Car Germany erkannt. Man arbeite an entsprechenden Maßnahmen. Zudem kündigte der Importeur an, die Marketingmaßnahmen, die im Januar quasi zum Erliegen gekommen waren, in den kommenden Monaten intensivieren zu wollen. Volvo, schwor Thomas Viehweg die angereisten Vertriebspartner ein, sei eine starke Marke, die trotz aller aktuellen Schwierigkeiten gute Perspektiven in Deutschland habe.

Offenes Gesprächsklima

Verbandspräsident Heinz Preiß lobte das offene Gesprächsklima mit Volvo Car Germany und die Tatsache, dass Volvo trotz der bekanntlich angespannten Kapitalausstattung und der drastischen Kosteneinsparungen immer sehr schnell auf Händleranfragen reagiere. Auch die fast monatlich stattfindenden Gesprächsrunden zwischen Verbandsvertretern und dem Importeur seien sehr fruchtbar.

Prinzipiell, so Preiß, sei es an der Zeit, gemeinsam mit dem Hersteller über neue Geschäftsmodelle nachzudenken. Es könne nicht sein, dass ausschließlich der Handel die gesamte Kostenlast trage. Zudem brauchten die Händler dringend eine größere Planungssicherheit. „Der eine oder andere von uns wird sicher von Bord gehen müssen, aber die Volvo-Partner sollten mit erhobenem Haupt und nicht geduckt durch die Welt gehen“, forderte Preiß die Teilnehmer auf. Nur eine starke Händlergemeinschaft könne die dringend nötigen Reformen erwirken.

(ID:288709)