Sonderausstellung Von Flusspiraten und Wandervögeln

Von Steffen Dominsky 2 min Lesedauer

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Seit Mai ergänzt eine Sonderausstellung das Erwin-Hymer-Museum in Bad Waldsee. Sie führt Besucher zurück zu den Wurzeln der Campingbewegung in Deutschland und widmet sich einem zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Pionier: Hans Berger. Vor genau 100 Jahren gründete er Sportberger.

Hans Berger war ein Pionier der deutschen Campingbewegung. Ironie der Geschichte: Er starb am Tag der Auslieferung seines letzten Wohnwagens 1966. (Bild:  Fritz Berger GmbH)
Hans Berger war ein Pionier der deutschen Campingbewegung. Ironie der Geschichte: Er starb am Tag der Auslieferung seines letzten Wohnwagens 1966.
(Bild: Fritz Berger GmbH)

Wie sich aus dem „Wandervogel“ und dem Wasserwandern die Campingbewegung in Deutschland entwickelte? Und warum ein gewisser Hans Berger daran einen großen Anteil hatte? Antworten auf diese und manch andere Fragen im Zusammenhang mit der Geschichte des Campings beantwortet eine neue Sonderausstellung im Erwin-Hymer-Museum in Bad Waldsee. Sie widmet sich dem deutschen Pionier einer bis heute ungebrochenen Bewegung. Berger, der bereits ab 1919 Faltboote herstellte, gründete vor 100 Jahren eine Firma zur Herstellung von Campingartikeln und Campingzubehör. Schon früh erkannte er den Bedarf an kleinen und leichten Wohnwagen. Seine Kundschaft fand er bei den zahlreichen Wasserwanderern, die seinen ersten Falt-Wohnanhänger „Haus dabei“, einer der ersten in Serie hergestellten Wohnanhänger, zu einem Erfolg machten. Innerhalb kürzester Zeit wuchs Sportberger zum erfolgreichsten Hersteller von Wohnwagen vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.

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Die Ausstellung zeigt nicht nur Originalexponate. „Sie erzählt auch vom Ausbruch der Jugend aus der industriellen Stadt, vom Wunsch nach einem Stück Freiheit, Gemeinschaft und der Wildheit der Natur“, sagt Ausstellungskuratorin Isabell Eisenbarth. Ausgestellt ist unter anderem ein Sportberger L4 Lux, eines der letzten Wohnwagen-Modelle, die Sportberger hergestellt hat. Das Exemplar stammt aus dem Privatbesitz der Tochter des Firmengründers Hans Berger. Das Besondere an dem L4 Lux: Er diente ihr als Gefährt für die Hochzeitsreise im Jahr 1967. Außerdem sind unter den Ausstellungsstücken zwei original erhaltene Sportberger Faltboote aus den Dreißigerjahren und ein Exemplar des berühmten Zeltanhängers „Haus dabei“.

Tragischer Tod des Pioniers

Zum ersten Mal gezeigt wird ein Sportberger K4, die Weiterentwicklung des ebenfalls ausgestellten, meistverkauften Wohnwagens der Vorkriegszeit. Zahlreiches historisches Bild- und Filmmaterial, Zeitschriften, Prospekte und zeitgenössische Berichte lassen die Besucher in die Zeit der Pioniere des Caravanings eintauchen. Viele interaktive und spielerische Elemente sowie eine Bastelaktion für Kinder machen den Besuch der Sonderausstellung zu einem spannenden Ausflug für die ganze Familie. Begleitet wird sie von zahlreichen museumspädagogischen Programmen und Workshops.

„Hans Berger war ein Pionier der Campingbewegung in Deutschland, ist aber mittlerweile fast in Vergessenheit geraten. Das Jubiläum ‚100 Jahre Sportberger‘ ist ein willkommener Anlass, dies zu ändern“, so Museumsdirektor Sascha Fillies. Die Firma Sportberger zog sich 1966 aus dem Wohnwagengeschäft zurück und konzentrierte sich wieder auf Campingzubehör. Hans Berger hat seinen Einfluss auf die Campingbewegung in Deutschland möglicherweise nie erkannt. Er starb tragischerweise am Tag der Auslieferung des letzten Wohnwagens. Bis zum Verkauf der Firma 1995 leitete seine Tochter Margarete Holbe-Berger die Geschicke der Firma des Camping-Pioniers.

Die Ausstellung läuft voraussichtlich bis September. Der Eintritt zur Sonderausstellung ist im Eintrittspreis des Museums enthalten. Weitere Informationen unter erwin-hymer-museum.de/

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