Rückspiegel Vor 30 Jahren – bunte Vielfalt und ein Opel Omega

Von Eckhart Bartels/sp-x 8 min Lesedauer

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Früher war nicht alles besser, aber wohl so manches. Beispiel: das Automobilangebot. Das war vor drei Jahrzehnten irgendwie vielfältiger als heute. Und es gab auch für konservative Käufer noch passende Modelle, wie z. B. eine große, heckgetriebene Limousine aus Rüsselsheim.

Im April 1994 debütierte der Opel Omega B als Limousine und Kombi. Letzterer bot 1.800 Liter Gepäckraum für Golfbags, Bikes oder Koffer. So viel Volumen bot damals nicht einmal Volvo. Und Edellaster wie den Audi A6 Avant toppte der Omega um 40 Prozent.(Bild:  Opel Automobile GmbH)
Im April 1994 debütierte der Opel Omega B als Limousine und Kombi. Letzterer bot 1.800 Liter Gepäckraum für Golfbags, Bikes oder Koffer. So viel Volumen bot damals nicht einmal Volvo. Und Edellaster wie den Audi A6 Avant toppte der Omega um 40 Prozent.
(Bild: Opel Automobile GmbH)

Vor 30 Jahren war nicht alles, aber doch so manches anders. Beispielsweise hatte das Thema Tempo noch keinen negativen Wert, was die neuen Ferrari-Modelle F355 und F512 M, die Porsche 911 (993), das BMW M3 Cabrio oder der Volvo 850 T-5R als bis dahin schnellster Schwede bestätigten. Tragisch war unbegrenztes Tempo trotzdem, da sich im Motorsport tödliche Unfälle ereigneten wie beim Imola Grand-Prix mit Roland Ratzenberger und dem dreifachen Weltmeister Ayrton Senna. Die Fans des brasilianischen Formel-1-Titanen trugen noch Trauer, als am Ende der Saison 1994 Michael Schumacher als erster deutscher Formel-1-Weltmeister Sportgeschichte schrieb. Schumacher pilotierte einen Benetton-Ford.

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Sport und Ford, dafür stand auch der technisch nachgeschärfte Escort RS Cosworth. Ansonsten sorgte der Kölner Volumenhersteller vor 30 Jahren für Verwunderung, als der finale Scorpio in schwülstig rundlicher Form „mit Glupschaugen und Fischmaul“ gegen den ebenfalls neuen Opel Omega der Generation B antrat. Wenig erfolgreich, wie wir heute wissen. Doch bei Opel ahnte noch keiner: Auch beim Omega war es mit dem „B“ der Anfang vom Ende. Dagegen bewarb Lancia seine klar gezeichnete Kappa-Limousine als „Granturismo in Vollendung“, doch auch dieser Businessliner fand nur wenige Käufer.

Jede Menge Platz und Spaß

Und was hatten die Autobauer vor 30 Jahren fürs gemeine Volk zu bieten? Jede Menge! So kamen damals erstmals Crossover-Typen auf den Markt wie der Toyota RAV4 Funcruiser. Oder auch die Familienvans. Mit dem bestehenden Opel-Angebot des Pontiac Trans Sport konkurrierten aus dem heutigen Stellantis-Konzern der Evasion von Citroën, das Modell Ulysse von Fiat, der Lancia Zeta sowie der Peugeot 806. Das inspirierte 1995 das neue Van-Trio von VW Sharan, Seat Alhambra und Ford Galaxy. In der Mittelklasse konkurrierten 1994 mit dem „älteren“ Vectra A ein Laguna von Renault und ein A4 von Audi. Gern erinnern wir uns an den Start des kleinen, kompakten – des 3er BMW Compact (E36).

Aber auch bei den Volumenmodellen gab es anno 1994 diverse interessante Neuheiten. Allen voran den VW Polo, in dritter Generation größer als ein Golf I. Aber auch der Skoda Felicia erschien als erste tschechische Entwicklung nach dem Einstieg des VW-Konzerns. Der Hyundai Accent überraschte als erster kompakter Exportbestseller mit „made in Korea“ und der Mazda 323 F als kleiner Fünftürer in noch ungewöhnlicher Coupé-Form. Auch beim Allradantrieb fuhr Nippon weiterhin vorn: Der erneuerte Subaru Legacy war auf dem Weg zum meistgebauten 4x4-Pkw aller Zeiten, der frische Toyota Celica Turbo 4WD triumphierte als unschlagbarer Rallye-Weltmeister und die Geländewagen-Verkaufscharts wurden ohnehin von Suzuki, Nissan und Co dominiert.

Emotionen weckte Alfa Romeo, denn die Marke verstand es auch unter Fiat-Regie, unverwechselbare Modelle mit sportiver Note zu präsentieren. Etwa die von Ermanno Cressoni gezeichneten Kompakt-Typen Alfa 145 und 146 oder die bei Pininfarina entworfenen Parallelmodelle GTV und Spider. Apropos Cabrios 1994: Die musikalischen Sommerhits wie „Cotton Eye Joe“ von Rednex oder „Without You“ von Mariah Carey hörte man aus offenen Fiat Punto oder einem Cabrio vom vorerst letzten von Pininfarina in Italien gebauten Peugeot 306 bis zum klassischen Mercedes E200 (W 124). Nicht zu vergessen das neu aufgelegte Saab 900 Cabrio, das bis heute in TV-Filmen und Werbespots automobile Hauptrollen besetzt.

Opel Omega: Der Letzte seiner Art

Zugegeben: Der neue Opel Omega gehörte vor 30 Jahren nicht in die neue Ära vielfältiger Karosseriekonzepte. Auch nicht zur Gruppe der Cabriolets, die 30 Prozent Verbreitung auf deutschen Straßen erreichte. Hier hatte der neue Astra F sein Revier. Und pfiffig wie das Coupé „Tigra“ war er auch nicht. Doch so wenig wie der Commodore bzw. Senator bei Opel die KAD-Modelle (Kapitän, Admiral, Diplomat) beerben konnte, so wenig vermochte das der Insignia im Fall Omega B. Doch reicht das, um Opels letzte „große“ Limousine zum gesuchten Oldtimer zu machen? Wohl eher nicht. Man muss schon eingefleischter Fan der Marke sein, um sich ein Exemplar des 1994 erschienen Wagens anzulachen. Schließlich verfügt der Omega B nur über eine mittelmäßige Qualität, auch sein Design setzte keine besonderen Akzente. Und auch wertmäßig fällt er nicht wirklich positiv auf: Ein Omega 2.5i im Zustand 2 entspricht derzeit einem Gegenwert von etwa 3.000 Euro – im Zustand 3 einem von 2.100 Euro Euro. Aber es war das letztes Mal, dass Opel ein Fahrzeug der oberen Mittelklasse auf die Räder stellte, das man als Limousine oder Kombi erwerben konnte.

Mehr als zwei Milliarden Mark hatte Opel schon in den ersten, 1986 lancierten Omega A investiert, der in sieben Jahren gemeinsam mit seinem britischen Schwestermodell Vauxhall Carlton 961.000 Käufer fand. Allerdings gab es auch Probleme, die den damals noch fast sprichwörtlichen Nimbus „Opel – der Zuverlässige“ nachhaltig beschädigten: Die teils mangelhafte Verarbeitungsqualität beim Omega wurde zur Belastung fürs Markenimage. Daran konnten weder sportliche Ikonen wie Omega 3000 oder Lotus Omega etwas ändern noch die von BMW zugelieferten feinen Sechszylinder-Turbodiesel, die im Omega größere Zuverlässigkeit bewiesen als im 5er BMW.

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Viel fürs Geld bzw. mehr als die Konkurrenz

Erst als im Jahr 1993 der berühmt-berüchtigte Opel-Einkaufschef und Kostenkiller José Ignazio Lopez zu VW wechselte, hofften die Opelaner auf ein Ende des Qualitätsdesasters bei der deutschen GM-Dependenz. Die Erwartungen der Kunden an den Omega B waren entsprechend hoch. „Der beste Omega aller Zeiten“, stellte Omega-Projektmanager Willem F. Kohl gegenüber Fachmedien fest, schließlich mussten Opel-Mitarbeiter gut 2.000 Vorserienfahrzeuge im Alltag ausgiebig testen. Ein in dieser Art beispielloser und erfolgreicher Qualitätscheck. Gewiss, kleine Defizite blieben, aber diese plagten damals alle, so die Beständigkeit neuer, umweltfreundlicher Lacke. Tatsächlich machte dieser letzte große Opel, der dazu passend den letzten Buchstaben des griechischen Alphabets im Modellnamen trug, seine Sache so souverän, dass ihm zum Abschied viele treue Opel-Fans nachweinten.

Hoch gelobt wurde das Preis-Leistungs-Verhältnis des Omega, der auch mit einer beispielhaften Sicherheitsausstattung aufwartete – allein die Laufkultur des Standard-Vierzylinders wurde gerügt. Die Kunden kümmerte das nicht, gab es den Opel doch schon ab 39.550 Mark und damit 10 bis 30 Prozent billiger als die meisten Wettbewerber. Ford hatte sich beim letzten Scorpio einen Design-Fauxpas geleistet, einen Fehltritt, der dem Omega zusätzlichen Schub in den Verkaufszahlen gab. Sogar den Audi 100/A6 überholte der Blitz und mit dem globalen Bestseller BMW 5er befand er sich auf Augenhöhe.

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