Vorsicht bei gefälschten Ersatzteilen!

Autor / Redakteur: U. Meuren / Silvia Lulei

Nahezu alle Branchen sind von der Produktpiraterie betroffen, von Konsum- bis Investitionsgütern, vom einfachen Ersatzteil bis hin zu kompletten Maschinen. Schätzungen aus dem Jahr 2006 gehen davon aus, dass in Europa bis zu zehn Prozent der Ersatzteile Fälschungen sind.

Anbieter zum Thema

Autofahren wird immer teurer, das Pfennigfuchsen bei Fahrzeugbesitzern immer beliebter. Sie sparen an fast allen Ecken und Enden, leider auch häufig an der Wartung und Pflege des Autos. 2007 stieg der Preis für eine Werkstattstunde laut Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) um rund drei Prozent. Autofahrer mussten für den Werkstattservice im Durchschnitt 65 Euro pro Stunde bezahlen. 2006 lag der Preis noch bei 63,10 Euro. Bei diesen Tarifen wird so mancher Autofahrer zum Do-it-yourself-man und verwendet billige Plagiate anstelle von Original-Ersatzteilen.

Zehn Prozent der Teile gefälscht

Nahezu alle Branchen sind von der Produktpiraterie betroffen, von Konsum- bis Investitionsgütern, vom einfachen Ersatzteil bis hin zu kompletten Maschinen. Schätzungen aus dem Jahr 2006 gehen davon aus, dass in Europa bis zu zehn Prozent der Ersatzteile Fälschungen sind. In China sollen es sogar 50 Prozent sein. Fälscher schrecken vor nichts zurück und kopieren mitunter ganze Autos, wie im vergangenen Jahr auf der IAA zu sehen war. Betroffene Unternehmen müssen Umsatzrückgänge von bis zu fünf Prozent hinnehmen, der Gesamtschaden beträgt allein in Deutschland fünf Milliarden Euro.

Bundesinnungsmeister und ZDK-Vizepräsident Wilhelm Hülsdonk geht davon aus, dass die Umsätze mit Plagiaten in Deutschland „einen hohen dreistelligen Millionenbetrag“ ausmachen: „Besonders häufig werden Schnelldreher aus dem Servicesegment als Plagiate angeboten, zum Beispiel Zündkerzen, Antriebsriemen, Öl- und Luftfilter sowie Bremsbeläge. Aber auch minderwertige Spurstangen und Dichtungen sind auf dem Markt zu finden. Auf der automechanika 2006 wurden insgesamt 144 gefälschte Produkte sichergestellt.“ Fachleute gehen davon aus, dass die Zahl der Produktfälschungen in den letzten zehn Jahren um den Faktor 17 gestiegen ist. Die gefälschten Teile werden zu Dumpingpreisen meist im Internet angeboten. Immer häufiger finden Plagiatsverkäufe auch auf Flohmärkten oder auf offener Straße statt.

Enorme Qualitätseinbußen

Billige Ersatzteile können einen Autofahrer jedoch teuer zu stehen kommen, denn die Qualität solcher Plagiate reicht niemals an die des Originals heran. Deswegen ist das Gefahrenpotenzial deutlich größer als das Sparpotenzial. So wurde unlängst ein Bremsentest durchgeführt, bei dem auf einer Seite der Fahrzeugachse ein Originalbelag, auf der anderen Seite eine Fälschung montiert wurden. Die Bremsleistung des „Ramschbelags“ lag gut ein Drittel unter der des Originalbauteils. Man mag sich gar nicht ausmalen, wie das Ergebnis bei einer Vollbremsung aus 200 km/h aussähe. Zudem kommt es bei kopierten Bremsbelägen häufiger vor, dass sich der Belag unter hoher Beanspruchung teilweise oder komplett vom Träger löst. Damit kann die Bremswirkung schlagartig auf null sinken.

Auch günstige Zubehörteile sind mit Vorsicht zu genießen, denn wenn sie plötzlich ausfallen, können unabsehbare Folgeschäden entstehen. So stellte sich beispielsweise heraus, dass bei Kopien von Scheinwerfern eines bekannten deutschen Herstellers die Eigenblendung um bis zu 30 Prozent höher war als beim Original. Darüber hinaus wurde das gefälschte Bauteil so heiß, dass es zu schmoren begann. Bei anderen Scheinwerfer-Nachbauten entstanden Lücken, die einen Wassereintritt ermöglichten. Letztendlich war das Produkt unbrauchbar.

Nachteile überwiegen

Auch Werkzeughersteller wie beispielsweise der Lackierpistolenproduzent Sata kennen die Nachteile, die durch Plagiate entstehen: Die Nachbauteile zerstäuben den Lack nur mangelhaft, sodass massive Farbtonunterschiede entstehen. Der unerfreuliche Effekt ist, dass die Werkstatt nacharbeiten muss, was Zeit und Geld kostet. Servicebetriebe, die sich darauf einlassen, mit nachgebauten Lackierpistolen zu arbeiten, müssen langfristig mit Nachteilen rechnen: Das Reparaturunternehmen erhält keine Freigabe oder Empfehlung – weder vom Lack-, noch vom Fahrzeughersteller (siehe Kasten „Unternehmen wehren sich gegen Plagiate“). Außerdem drohen rechtliche Konsequenzen, wenn Plagiate verbaut oder verkauft wurden und daraus Schäden oder gar Unfälle resultieren. Vom Imageverlust für Händler und Werkstatt ganz zu schweigen (siehe Interview „Das dünne Eis der Plagiate“).

Auch wer der Meinung ist, er müsse beim Einkauf und Einsatz von Teilen, Zubehör oder Arbeitsgerät sparen, tut sich damit keinen Gefallen. Denn die Konsequenzen wie eventuelle Folgeschäden, mangelhafte Arbeitsergebnisse und vielleicht sogar rechtliche Probleme lassen die Freude über ein paar gesparte Euro schnell verblassen. Nur echt ist recht, und Qualität hat nun mal ihren Preis.

(ID:238501)