VW Atlas: America First

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Das in VW-Manier kantig gezeichnete Cockpit wartet mit schönen Details auf – beispielsweise einem äußerst schnell reagierenden Infotainment-System und einer optional lieferbaren digitalen Instrumentierung mit TFT-Bildschirm. Die Schalter rasten präzise ein, das Infotainment-System verfügt über Näherungs-Sensoren, und der Schaltknauf ist sehr hochwertig augeführt.

An anderer Stelle wurde allerdings geknausert. So ist die Ziernaht auf der Armaturentafel lediglich eingeschäumt; die Dekorleisten, die eine Holz-Metall-Kombination simulieren sollen, können ihren wahren Materialcharakter keinesfalls verleugnen. Und mit den Schweißnähten und -punkten in den Türzargen hätte man sich bei Ferdinand Piech wohl kaum blicken lassen dürfen.

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Doch um davon Notiz zu nehmen, muss man schon genau hinsehen. Denn der Gesamteindruck ist positiv: Der Atlas ist ausgesprochen leise und komfortabel, gelassenes Reisen steht hier im Vordergrund. Natürlich ist dieser SUV ein echter VW, die Lenkung funktioniert präziser als bei der Konkurrenz, und der Aufbau lässt sich auch auf holprigen Pisten kaum aus der Ruhe bringen. Von der geradezu unwirklichen Agilität jedoch, die beispielsweise einen mit den entsprechenden Fahrwerksystemen ausgerüsteten Audi Q7 auszeichnet, ist er weit entfernt. Man wird diesen für Amerika gebauten SUV nicht mit einem Sportwagen verwechseln.

Übrigens auch nicht mit einem Luxusauto. Dazu fehlen ihm nicht nur der letzte Schliff in der Anmutung, sondern auch zu viele Details, die in der Oberklasse vorausgesetzt werden – etwa ein Head-Up-Display oder auch eine Wifi-Funktionalität, mit der viele GM-Modelle inzwischen zum mobilen Hot-Spot werden.

Die Ausstattungsvarianten hören übrigens auf die Bezeichnung S, SE und SEL. Es handelt sich dabei nicht etwa um eine Verneigung vor früheren Generationen der Mercedes-S-Klasse, sondern um eine von den US-Händlern gewünschte Nomenklatur, die nach dem Motto zu interpretieren ist: „Mehr ist mehr.“

Zum Kampfpreis auf den schwierigen US-Markt

In den USA tritt der in Tennessee gebaute VW Atlas zum Kampfpreis an; ganze 30.500 Dollar – rund 28.600 Euro – kostet das Einstiegsmodell, ein VR6 mit Allradantrieb liegt bei immer noch günstigen 33.700 Dollar (31.600 Euro), und selbst mit absoluter Vollausstattung wird die 50.000-Dollar-Marke nicht erreicht. Das ist kein schlechtes Angebot für dieses eindrucksvollen Familien-SUV der Fünfmeter-Klasse. Für Deutschland wäre er zu groß – und wohl auch nicht „premium“ genug.

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