VW-Autohaus Gehringer beantragt Insolvenz
Geringere Fahrleistung, schwindende Kaufkraft, verunsicherte Verbraucher und dazu strategische Fehler haben das Traditionshaus in die Schieflage gebracht.
Das Bad Mergentheimer VW-Autohaus Gehringer hat am vergangenen Freitag beim Amtsgericht Crailsheim Insolvenzantrag gestellt. Ursache für die Schieflage ist nach Auskunft von Unternehmenssprecher Erich Gehringer jr. „eine massive summarische Folge vieler kleiner Bausteine“.
In dem Insolvenzantrag sehen die Inhaber der Autohaus Gehringer GmbH eine Zäsur, die notwendig war, „um die Zukunft des Traditionsbetriebs, der seit 83 besteht, letztlich zu sichern“. Die Ursachen für die Krise sind aus Sicht des Unternehmenssprechers vielschichtig, aber typisch für den Kfz-Handel. Dennoch sieht er gute Chancen für die Weiterführung des Betriebs mit 45 Mitarbeitern. Es gebe mehrere interessierte Investoren, die Offerten würden derzeit geprüft.
Unter anderem kämpft Gehringer gegen die demografische Entwicklung in der Kur- und Bäderstadt, sprich einer alternden Bevölkerung. Die Fahrleistung der Kunden sei gesunken, damit auch der Verschleiß und die Notwendigkeit von Ersatzkäufen. Nach der allgemeinen Kaufzurückhaltung nach der Mehrwertsteuererhöhung 2007 sei auch 2008 der Verkauf nicht mehr angesprungen, der Neuwagenvertrieb habe keinen Deckungsbeitrag mehr erwirtschaftet. Zuletzt hat das Unternehmen 500 bis 600 Neu- und Gebrauchtwagen im Jahr abgesetzt.
Entscheidungsunfähige Politik
Hinzu komme die allgemeine Verunsicherung der Verbraucher durch Ölpreishoch, Finanzkrise und nicht zuletzt durch die fehlende Entscheidungsfähigkeit der Politik. Die käufer könnten derzeit einfach nicht abschätzen, welche Mobilitätskosten langfristig aus sie zukommen. Als Folge werde ein Neukauf auf die lange Bank geschoben. Die Überproduktion aller Hersteller tue ein Übriges, dass die Verkäufe an privat nur mit entsprechenden Rabatten möglich sei.
Dennoch sieht Gehringer jr. die Ursachen nicht ausschließlich in äußeren Faktoren. Das Unternehmen habe auf den Kapitalverzehr der letzten Jahre zu spät reagiert. Es sei etwa versäumt worden, ertragsstärkere Produkte des VW-Konzerns zusätzlich anzubieten. Derzeit vertreibt das Unternehmen Pkw und Nutzfahrzeuge von Volkswagen und hat einen Audi-Servicevertrag.
Fehler in der Unternehmensführung
Schließlich seien die Fahrzeugbestände des Unternehmens erheblich angewachsen, da der Verkauf ins Ausland stark rückläufig gewesen sei. Die auf breiter Front sinkenden Restwerte für Gebrauchtfahrzeuge und die erwarteten, ebenfalls mit einem hohen Restwert-Risiko behafteten Leasingrückläufer der kommenden Monate hätten schließlich den letzten Anstoß gegeben, den Insolvenzantrag zu stellen. „Der Wertberichtigungsbedarf war einfach zu hoch“, bilanziert Gehringer jr.
Diese Zäsur in der Unternehmensgeschichte habe jedoch nicht ursächlich mit der Finanzkrise zu tun, betont der Unternehmenssprecher. Die Refinanzierungspartner hätten bis zuletzt korrekt mit dem Unternehmen zusammengearbeitet. „Wir wollten nicht bis zum erwartbaren Höhepunkt des Restwerteverfalls warten, da wir zum jetzigen Zeitpunkt wesentlich bessere Chancen für die Fortführung des Unternehmens sehen.“
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