Suchen

VW: Händler haben durch Musterfeststellungsklage nichts zu befürchten

Seite: 2/2

Firmen zum Thema

Selbst diejenigen, die die Musterfeststellungsklage entscheidend vorangetrieben haben, weisen daraufhin, dass jeder Kunde genau prüfen solle, ob es für ihn sinnvoll ist, sich anzuschließen oder nicht doch lieber alleine zu klagen. Man sei aber überzeugt, „die bestmögliche Erfahrung und Expertise“ für das Verfahren zu haben, sagte VZBV-Vorstand Klaus Müller, da man mit der Kanzlei RUSS (Zusammenschluss aus Rogert & Ulbrich sowie Stoll & Sauer) Juristen an seiner Seite habe, die bereits erfolgreiche Urteile gegen Volkswagen erwirkt haben.

Die Anwälte selbst teilten mit: „Die Klage des VZBV ist vor allem für all diejenigen betroffenen Käufer eine vielversprechende Option, die sich gegen eine Individualklage entschieden haben, etwa weil sie die möglichen Kosten und Mühen scheuen oder nicht über eine Rechtschutzversicherung verfügen.“ Eine Beteiligung sei für Verbraucher kostenlos, ihnen drohe kein Prozesskostenrisiko und die Klage wirke verjährungshemmend. Stand jetzt gehen alle Beteiligten weiter davon aus, dass mögliche Ansprüche Betroffener verjähren, wenn sie nicht bis zum 31.12.2018 klagen.

Volkswagen hält Geschäftsmodell von Myright für rechtswidrig

Auch auf die bereits genannten Sammelkläger Myright und Hausfeld kamen die Freshfields-Partner in der Telefonkonferenz zu sprechen. Bislang hätten jene Dienstleister noch kein Verfahren gewonnen, stattdessen hätten die Landgerichte Braunschweig und Siegen zwei Hausfeld-Klagen in erster Instanz abgewiesen. Gerade Myright lockt aus Sicht von Volkswagen mit falschen Versprechen Kunden an. Der Rechtsdienstleister suggeriere in seiner Werbung, „gegen Volkswagen über 90 Prozent Erfolg vor Gericht zu haben und vermittelt Kunden die Erwartung eines quasi sicheren Erfolges. Dieser Eindruck täuscht“, sagte Patrick Schroeder.

Auch die Ankündigung, Myright-Kunden müssten nur ein Formular ausfüllen und dann auf das Urteil warten, sei so nicht richtig. „Mehrere Gerichte haben festgestellt, dass eine Prozessführung ohne Beteiligung der eigentlichen Fahrzeughalter in der Regel nicht in Betracht kommen dürfte. In der Realität müssten dann über 20.000 Myright-Kunden nach Braunschweig reisen, um dort vor Gericht zu erscheinen“, so der Anwalt. Zudem sei das Myright-Versprechen auf vollständige Kaufpreisrückerstattung im Erfolgsfall nicht zu halten, da im Normalfall die Nutzungsdauer des Autos in die Entscheidung miteinbezogen werden müsse.

Volkswagen geht sogar so weit, das Geschäftsmodell von Myright für rechtswidrig zu erklären. Das Unternehmen verstoße mit seinem Angebot gegen die verbraucherschützenden Vorschriften des Rechtsdienstleistungsgesetzes (RDG). Das hätten mehrere Fachjuristen Volkswagen so bestätigt. Der Konzern habe das deshalb in den laufenden Verfahren mit Myright auch gerügt. Sollte Volkswagen recht bekommen, würden die Klagen aller Voraussicht nach als unbegründet abgewiesen. Myright hat nun sechs Monate Prüfungsfrist beantragt. Volkswagen erwartet eine Entscheidung der Gerichte darüber, ob überhaupt weiter prozessiert wird, im ersten Halbjahr 2019.

(ID:45572158)

Über den Autor