VW: Rückkauf plus Schadenersatz in den USA
Volkswagen hat sich mit den US-Behörden auf Eckpunkte zur Behebung der Diesel-Probleme geeinigt. Die Kosten für den Konzern sind noch nicht konkret beziffert, dürften aber enorm hoch ausfallen.

Volkswagen hat mit ersten Eckpunkten zu einer Einigung in den USA einen wichtigen Schritt bei der Bewältigung der Abgas-Affäre gemacht. VW und die US-Behörden reichten kurz vor dem Ablauf eines Ultimatums am Donnerstag entsprechende Vorschläge beim zuständigen US-Richter Charles Breyer ein.
„Ich bin sehr angetan, mitteilen zu können, dass die Parteien einen konkreten Plan vorgelegt haben“, verkündete Breyer zum Auftakt der Gerichtsanhörung in San Francisco. Die Lösung umfasse die Option, dass VW einen Großteil der betroffenen Diesel-Fahrzeuge zurückkaufe und „substanziellen Schadenersatz“ an die Besitzer zahle.
Unklar ist noch, wie teuer die Lösung für VW wird. Würde man beispielsweise annehmen, dass VW zwei Drittel der rund 580.000 betroffenen Diesel in den USA zurückkaufen muss, käme man auf ein Volumen von gut 385.000 Einheiten. Betroffen ist dabei unter anderem der VW-USA-Bestseller Jetta. Auf Gebrauchtwagenplattformen werden etwa Diesel-Jettas aus 2014 mit weniger als 40.000 gefahrenen Meilen mit circa 17.000 Dollar bewertet. Setzt man dies nun als ungefähren Durchschnitts-Zeitwert an, den VW pro Modell für den Rückkauf bezahlen muss und addiert als zusätzlichen Schadenersatz 5.000 Dollar pro Kunde, käme man auf 22.000 Dollar pro zurückgekauftem Auto. Bei dieser Überschlagsrechnung kämen auf VW alleine für die Rückkaufaktion in den USA Kosten von knapp 8,5 Milliarden Dollar (umgerechnet 7,5 Milliarden Euro) zu.
Die in diesem Rechenspiel restlichen 195.000 Autos müsste VW zurückrufen und umrüsten – vorausgesetzt, das technische Nachbesserungskonzept wird akzeptiert. Richter Breyer fordert dazu von VW einen detaillierten Reparaturplan bis 21. Juni. Geht man davon aus, dass VW auch die davon betroffenen Kunden mit jeweils 5.000 Euro entschädigt, kämen auf die geschätzten 8,5 Milliarden für den Rückkauf noch einmal 975 Millionen Dollar oben drauf. In diesem Fall müsste Volkswagen also allein für die Kundenkompensation in den USA umgerechnet rund 9,4 Milliarden Euro bezahlen. Darüber hinaus kommt auf VW wohl noch die eigentliche Strafe wegen Betrugs zu.
Einigung gilt nur für die USA
Volkswagen stellte in einer ersten Reaktion klar, dass die Vereinbarung lediglich in den USA greift. „Die sich nun abzeichnenden Regelungen in den USA werden in Verfahren außerhalb der USA keine rechtlichen Wirkungen entfalten“, sagte am Donnerstag ein Konzernsprecher der Deutschen Presse-Agentur.
Der Konzern will die Rückstellungen zur Bewältigung der Abgas-Affäre Insidern zufolge deutlich erhöhen. Bislang hat Volkswagen dafür 6,7 Milliarden Euro beiseite gelegt. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf informierte Kreise berichtet, will der Konzern diese Summe allein für die USA auf einen Wert zwischen 10 und 20 Milliarden Dollar aufstocken. Weltweit sind rund 11 Millionen Fahrzeuge betroffen, davon rund 2,5 Millionen in Deutschland.
Angesichts der erwarteten Milliardenkosten für die Einigung dürfte VW für das vergangene Geschäftsjahr aller Voraussicht nach einen großen Verlust verbuchen. Die Eckdaten hierzu sollen nach einer Sitzung des VW-Aufsichtsrats am Freitag veröffentlicht werden.
Schuldfrage weiterhin ungeklärt
Zudem droht der VW-Konzern ein wichtiges Ziel zu verpassen: Volkswagen plant laut Informationen der Deutschen Presse-Agentur, seine für Ende April angekündigten Zwischenergebnisse zur Schuldfrage in der Diesel-Affäre zu verschieben. Damit würden die für die zweite Aprilhälfte fest zugesagten „vorläufigen Ergebnisse“ entfallen. Abschließend entschieden sei die Absage zwar noch nicht, doch es laufe derzeit allenfalls auf eine Minimallösung hinaus, erfuhr die DPA übereinstimmend von Insidern. Den einst versprochenen „substanziellen Bericht“ werde es im April nicht geben.
Ein Grund für die Verschiebung sind die bislang noch mageren Ermittlungsergebnisse. Die als interne Ermittler eingesetzten Mitarbeiter der US-Kanzlei Jones Day seien noch nicht so weit wie ursprünglich angenommen. Die Kanzlei hat die Schuldfrage bisher noch nicht befriedigend genug erhellen können. Zuletzt hatten sich Hinweise ergeben, dass die Manipulationssoftware im Diesel-Skandal auf Überlegungen von Audi-Ingenieuren zurückgeht.
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