VW/Audi: Händlerverband lehnt neue Verträge ab
Der Verband der VW- und Audi-Partner, der in den vergangenen Jahren nicht gerade durch Streitlust auf sich aufmerksam gemacht hat, will keine neuen Händlerverträge und geht damit auf Konfrontationskurs zum Hersteller. Denn Volkswagen wird wohl auf einem neuen vertraglichen Grundgerüst bestehen.

Der Verband der VW- und Audi-Partner (VAPV) ist offen für einzelne Anpassungen der momentan geltenden Vereinbarungen, lehnt komplett neue Händlerverträge aber ab. „Eine Neugestaltung als Rahmen mit maximaler Flexibilität zugunsten der Hersteller“ komme für Dirk Weddigen von Knapp nicht in Frage, so der Verbands-Chef in einem aktuellen Schreiben an seine Händlerkollegen, das »kfz-betrieb« vorliegt. Der Verband wolle vielmehr prüfen, inwieweit veränderte Kundenbedürfnisse und neue Produkte im Rahmen der gültigen Verträge durch entsprechende Ergänzungen dargestellt werden können.
Damit geht der Verband auf Konfrontationskurs zum Volkswagen-Konzern. Denn dass der Hersteller von seinen weit gediehenen Plänen, die Handels- und Serviceverträge zu seinen Gunsten komplett umzukrempeln, durch einen einfachen Appell abzubringen ist, dürfte sehr unwahrscheinlich sein. Ende September will Audi als erste Konzernmarke neue Verträge an die Partner verschicken. Wie aus für gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen zu hören ist, deutet sich auch bereits hoher Druck an, mit dem die Händler dann zu den entsprechenden Unterschriften gedrängt werden sollen.
In seinem Schreiben konkretisiert der Verband unterdessen seine Kritik an den geplanten Neuregelungen, insbesondere gegen den drohenden Entzug von Teilen des Großkundengeschäfts legt der Verband Einspruch ein: „Das Erfolgsmodell der letzten Jahre basiert auf den Synergien, dem breiten Angebotsportfolio und der Expertise der Händler“ – das Großkundengeschäft solle daher weiterhin über die Handelsorganisation laufen, Ausnahmen seien praktikabel geregelt, eine Erweiterung werde schlicht abgelehnt.
Dasselbe gelte für die vom Hersteller angekündigte Ungleichbehandlung der Partner hinsichtlich des Zugriffs auf die Modellpalette. Der VAPV wolle keine Bildung von „Subnetzen“, das Audi-Vertriebsnetz solle grundsätzlich einstufig bleiben.
Deutliche Worte findet der Verband auch zum Thema digitaler Vertrieb – hier müsse der Hersteller zunächst seine Hausaufgaben in Sachen Prozesse und technischer Infrastruktur machen: „Es fehlen premiumgerechte Lösungen für ein vollumfängliches digitales Angebot und Vertrieb auf allen Kanälen.“
Beim Trendthema „kostenpflichtige Zusatzfunktionen on demand“ pocht der Verband zudem darauf, dass die Beratungs- und Vertriebsleistungen des Handels, die in diesem Zusammenhang wohl unstreitig benötigt werden, entlang der gesamten Wertschöpfungskette auch angemessen vergütet werden.
Desweiteren fordert der Händlerverband:
- Ausrichtung jeglicher vertraglicher Regelungen auf eine premiumgerechte Rendite der Händler
- die Zielvereinbarungen stets einvernehmlich abzuschließen
- dass bei Investitionen in Immobilien, Ausstattung, IT, Mitarbeiter und Knowhow auf jeden Fall die Möglichkeit gegeben sein muss, diese zu amortisieren
- mehr Augenmaß im Hinblick auf Standards, Prozesse, Audits und Verwaltungsaufwände
- die Kontrolle jeder Art von Händlerüberprüfung durch ein paritätisch besetztes Gremium
- einen Ausgleich für den Wegfall entsprechender Umsatzpotenziale, sollten Software-Updates an Kundenfahrzeugen zukünftig direkt vom Hersteller aus der Ferne durchgeführt werden
Beim Reizthema Kunden-Daten indes vermittelt das Verbandsschreiben den Eindruck, als gehe kein Weg mehr daran vorbei, dem Hersteller hierfür die Tür zu öffnen. Wörtlich heißt es: „Der Umgang mit Kunden-Daten wird gemeinsam geregelt.“ Der Verband vertraut darauf, dass Volkswagen die Daten der Partner „nur zur Analyse und Anreicherung als Auftragsdatenverarbeiter im Auftrag und Geschäftsinteresse des Partners“ verwendet. Darüber hinaus gehende künftige Geschäftsmodelle sollten zwischen dem Verband und dem Hersteller abgesprochen werden.
Da der VAPV für die Durchsetzung all dieser Punkte auf eine breit angelegte Unterstützung angewiesen sein wird, ist anzunehmen, dass der Verband bald eine Mitgliederversammlung einberufen wird – wohl auch nicht zuletzt, um den Zusammenhalt im Partnernetz zu stärken. Bislang wurde hierfür vonseiten des Verbands allerdings noch kein Termin kommuniziert.
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