Jahresergebnis Warum Volkswagen trotz Liefermisere 2021 besser denn je verdient hat
Volkswagen verkauft immer weniger. Rund 2,4 Millionen Einheiten fehlen im Vergleich zu 2019. Dennoch hat der Konzern mehr verdient als vor zwei Jahren. Wie das möglich war und was sich die Wolfsburger von 2022 erhoffen.
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„Volkswagen erzielt 2021 solide Ergebnisse.“ Der Titel einer Mitteilung, die die Wolfsburger am Freitagabend verschickten, ist zumindest aus finanzieller Sicht eine heillose Untertreibung. Denn die Bilanz für das Gesamtjahr fällt für den Konzern viel mehr als nur solide aus – beim operativen Ergebnis erreichte Volkswagen gar noch nie dagewesene Höhen.
Knapp 19,3 Milliarden Euro Überschuss erwirtschaftete der Konzern. Nach Steuern bleiben immer noch mehr als 15,4 Milliarden. Das sind satte 75 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Und das, obwohl der Autobauer mit knapp 8,9 Millionen Neuwagen noch einmal etwa 600.000 weniger auslieferte als im ohnehin schon schwachen Corona-Jahr 2020.
Im Vergleich zu 2019 hat Volkswagen sogar 2,4 Millionen Fahrzeuge weniger verkauft. Dennoch übertrafen die Wolfsburger beim operativen Ergebnis auch jenes Jahr (2019: knapp 17 Milliarden Euro).
Produktionssteuerung und höhere Preise für Kunden zahlen sich aus
Deutlich weniger Absatz und dennoch mehr Gewinn – wie ist das zu erklären? Volkswagen reagierte auf fehlende Halbleiter und andere Materialien mit Anpassungen in der Produktion. Modelle mit der Aussicht auf höhere Margen wurden bevorzugt gebaut. Gleichzeitig erhöhten die Marken des Konzerns teilweise gleich mehrmals im Jahr ihre Preise. Oder wie es im offiziellen Volkswagen-Duktus heißt: „Verbesserungen bei Produktmix und Preisgestaltung waren die Schlüssel für die finanzielle Performance.“
Daneben hat Volkswagen nach eigenen Angaben die Gemeinkosten heruntergefahren, sich bei den Sachinvestitionen diszipliniert gezeigt und den Break-Even-Point gesenkt. Immer wieder griff der Autobauer in verschiedenen Werken wegen fehlender Materialien auch zur Kurzarbeit und strich Schichten. Auf das finanzielle Ergebnis dürfte sich das ebenfalls positiv ausgewirkt haben.
Der Verkauf teurerer Autos führte zu einem Umsatzsprung von mehr als 12 Prozent auf 250,2 Milliarden Euro. Die operative Umsatzrendite stieg ebenfalls klar von 4,8 Prozent (2020) auf 8,0 Prozent. Der Netto-Cashflow im Automobilgeschäft lag mit 8,6 Milliarden Euro 35 Prozent über dem Vorjahresniveau.
Finanzvorstand Arno Antlitz kommentierte die Zahlen so: „Während der vergangenen zwei Jahre haben wir gelernt, besser mit den Auswirkungen von Krisen auf unser Unternehmen umzugehen.“ Er sei zuversichtlich, dass der Konzern jene Erfahrungen bestmöglich nutzen werde, um in schwierigen Zeiten auf Kurs zu bleiben, so Antlitz weiter.
Prognose nur unter Vorbehalt
Im laufenden Jahr will Volkswagen nochmals zulegen – finanziell, aber auch wieder beim Absatz. 5 bis 10 Prozent mehr Auslieferungen sollen es 2022 werden. Der Umsatz soll sogar um 8 bis 13 Prozent wachsen. Bei der Rendite peilen die Wolfsburger einen Wert zwischen 7 und 8,5 Prozent an.
Soll der anvisierte Absatzsprung gelingen, muss Volkswagen bald einen Turnaround hinlegen. Nach den ersten beiden Monaten des Jahres steht im VW-Konzern insgesamt ein Rückgang der Auslieferungen von rund einem Sechstel auf 1,24 Millionen Fahrzeuge zu Buche.
Konzern-Absatz
Empfindlicher Dämpfer für Volkswagen
Dementsprechend setzt der Autobauer hinter seine Hoffnungen selbst manches Fragezeichen. Beispielsweise können die Erwartungen nur dann eintreffen, wenn sich die Liefersituation verbessert. Volkswagen geht weiter davon aus, dass im zweiten Halbjahr bei den Halbleitern Entspannung einsetzt. Allerdings waren zuletzt immer mehr Materialien Mangelware. Putins Einmarsch in der Ukraine brachte beispielsweise die Versorgung mit Kabelbäumen ins Stocken.
Dementsprechend schloss Volkswagen seine Erklärung auch mit einem Hinweis ab, dass man noch nicht absehen könne, wie stark sich der Krieg auf das Geschäft auswirken werde.
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