Weben, waschen und ersetzen

Redakteur: Steffen Dominsky

Eines der führenden Textilservice-Unternehmen Europas feiert seinen 100. Geburtstag

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Stellen Sie sich vor, Sie haben einen alten, öligen Lappen. Diesen Lappen möchten Sie gerne entsorgen und dafür einen neuen haben. Da kommt ein Mann und sagt: „Ich habe eine Idee: Ich hole deinen verbrauchten Lappen ab, setze ihn bei Bedarf instand und bringe ihn Dir gewaschen zurück.“

Sie denken jetzt: „Prima Dienstleistungskonzept, in Zeiten der Rohstoffverknappung und des Umweltschutzes eine gute Erfindung.“ Doch weit gefehlt! Das Konzept ist keineswegs neu – im Gegenteil. Die Idee des Hermann Gebauer feiert dieser Tage ihren 100. Geburtstag.

1908 gründet der Kaufmann im sächsischen Ostritz-Altstadt die „Mechnische Weberei Altstadt GmbH“– kurz Mewa. Gebauer produziert in seiner Weberei spezielle Maschinenputztücher und lässt sie in Wäschereien waschen, mit denen er kooperiert. Das bis dahin übliche Verbrennen der alten Einweg-Putzlumpen war nicht nur umständlich, sondern auch teuer. So verwundert es nicht, dass sich das neue Servicekonzept rasch durchsetzt. Bald gehört das Who is Who der deutschen Industrie zu Gebauers Kunden. Stolze 18.000 sind es bereits zu Beginn des zweiten Weltkriegs. Mewa besitzt mittlerweile 14 Betriebe samt eigener Wäschereien in Deutschland und Österreich.

Neubeginn in Bayern

1945 wechselt der Firmensitz des Unternehmens nach Nürnberg. Nach dem Tod des Firmengründers 1953 übernimmt dessen Frau Charlotte die Führung des Betriebs. Der Wiederaufbau geht zügig voran und im Jubiläumsjahr 1958 beschäftigt Mewa bereits wieder 400 Mitarbeiter. Sieben Jahre später verlegt Käthe Draub, die Schwiegertochter Hermann Gebauers, den Verwaltungssitz der Unternehmensgruppe nach Wiesbaden, wo er sich noch heute befindet.

1968 wird das Mewa-Angebot deutlich erweitert: Berufskleidung wird in den textilen Mietservice aufgenommen. Die neue Geschäftsidee kommt bei den Kunden gut an und ein Jahr später kleidet Mewa bereits 10.000 Personen ein. Mitte der siebziger Jahre expandiert das Unternehmen erstmals ins europäische Ausland: nach Belgien folgen Österreich und Frankreich.

82.000 Betriebe zählt das Familienunternehmen Anfang der neunziger Jahre in seinem Kundenstamm. Der Umweltschutz und die Energieeffizienz seiner Betriebe stehen ganz oben auf der Agenda des Textil-Dienstleisters. Als erstes Unternehmen seiner Art wird Mewa nach DIN ISO 9001 (1992) und ISO 14001 (1997) zertifiziert.

Heute pflegen 4.115 Mitarbeiter an 43 Standorten die Wäsche von 130.000 Vertragskunden. Allein die Weberei in Immenhausen produziert jede Sekunde fünf neue Mewa-Tücher – das entspricht 90 Millionen Stück pro Jahr. Rund 770.000 Beschäftigte tragen täglich Mewa-Berufskleidung. Und allein täglich säubert das Unternehmen 350 Tonnen Wäsche. Beeindruckende Zahlen eines beeindruckenden Konzepts. Happy birthday, Mewa!

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