Personalsuche Wechselwillige werden in 60 Sekunden zu Bewerbern

Von Andreas Grimm

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Das Interesse an einer neuen Arbeitsstelle ist da, die Lust auf den Bewerbungsaufwand liegt dagegen bei null. Eine spezialisierte Agentur setzt bei dieser Diskrepanz an und beseitigt quasi alle Hürden einer Bewerbung. Die Rückmeldungen aus einigen Autohäusern sind deutlich.

Engagierte Mitarbeiter in der Werkstatt gesucht? Die Agentur Kickoff Media hat mit einem niederschwelligen Ansatz Erfolg.(Bild:  TÜV Nord)
Engagierte Mitarbeiter in der Werkstatt gesucht? Die Agentur Kickoff Media hat mit einem niederschwelligen Ansatz Erfolg.
(Bild: TÜV Nord)

Eine Social-Media-Agentur aus Hannover widmet sich dem drängenden Branchenproblem der Mitarbeiter-Rekrutierung. Dabei kann das Unternehmen Kickoff Media im Kfz-Handel nach eigenen Angaben bereits Erfolge verzeichnen. Geht die Agentur für digitale Kampagnen im Kundenauftrag auf die Suche nach Bewerbern, gehen wenig später die ersten Bewerbungen ein.

Damit hat sich die Agentur eines Themas angenommen, das die Branche wie viele andere Bereiche der Wirtschaft zunehmend beschäftigt. In der Diskussion um die ökonomische Zukunft Deutschlands nennen Marktbeobachter wie Unternehmensvertreter regelmäßig den Fachkräftemangel als wesentliches Problem. Das Münchener Ifo-Institut ermittelte im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen die alarmierende Zahl, dass 87 Prozent der befragten Betriebe mit einem Mangel an Bewerbern und Mitarbeitern kämpfen.

„Unsere Zielgruppe ist der Markt der unzufriedenen Mitarbeiter“: Kickoff Media-Gründer Christoph Elsner (l.) und Dominique Arndt. (Bild:  Martin Fernando Kleinheinz)
„Unsere Zielgruppe ist der Markt der unzufriedenen Mitarbeiter“: Kickoff Media-Gründer Christoph Elsner (l.) und Dominique Arndt.
(Bild: Martin Fernando Kleinheinz)

Zwar können auch die Agenturgründer Dominique André Arndt und Christoph Elsner keine komplett neuen Fachkräfte backen, aber sie wollen dafür sorgen, dass wechselwillige, unzufriedene Arbeitnehmer schneller zu einem zu ihnen passenden Arbeitgeber finden. Dazu wechseln sie, wie sie sagen, zum einen die Suchperspektive: Das Unternehmen, das Autohaus wird zum Suchenden, der sich beim künftigen Mitarbeiter bewirbt. Zum anderen senken sie die Hürden der Kontaktaufnahme. Lebenslauf, Zeugnisse und Anschreiben sind zunächst überflüssig – ein Bewerber hinterlässt auf den eigens für die Autohäuser eingerichteten Bewerbungsseiten letztlich nicht viel mehr als seine Kontaktdaten und signalisiert damit Interesse am Job. 60 Sekunden sollen genügen, um den Prozess in Gang zu setzen.

Aus Sicht von Christoph Elsner hat diese Umkehr der Suche einen wesentlichen Vorteil speziell für handwerkliche Berufe. Viele Interessenten im technischen Bereich seien mit den Themen Anschreiben und Lebensläufe wenig vertraut. Eine aktive Bewerbung sei für sie eine Hürde, die das Konzept von Kickoff Media aus dem Weg räume.

Dementsprechend stellt sich ein Mitarbeiter suchendes Unternehmen auf der Bewerbungsseite auch nicht wortreich, sondern praktisch und plastisch vor. Fotos und Videos zeigen den potenziellen neuen Arbeitsplatz und die Kollegen. „Wie sehen meine Kollegen, wie sieht die Werkstatt aus? Genau das wollen die bislang unzufriedenen Arbeitnehmer doch wissen“, ist Arndt überzeugt. Angesprochen werden sollen die potenziellen Kandidaten ebenfalls niederschwellig, etwa über Facebook und Instagram.

Gerade in der Kfz-Branche mit ihren nominell vielen und flächendeckend vorhandenen qualifizierten Arbeitskräften eigne sich der Ansatz von Kickoff Media. Sie würden wohnortnah angesprochen, „denn keiner will länger als 30 Minuten zum Arbeitsplatz fahren“, ist Arndt überzeugt. Dazu kommt, dass nur ein Teil derjenigen, die mit ihrem Job unzufrieden sind, auch aktiv sucht. Speziell der inaktive Teil soll nun mit dem niederschwelligen Werben der Unternehmen angesprochen und animiert werden, zu wechseln.

Die Beispiele erfolgreicher Mitarbeitersuchen, von denen Arndt und Elsner berichten, klingen überzeugend. Das VW-Autohaus Rostock berichtet von 47 Bewerbungen in zwei Monaten auf eine Mechatroniker-Stelle. Ein Fiat-Partner in Löbau erhielt 22 Bewerbungen auf eine Serviceberater-Stelle und 20 Bewerbungen für einen Mechaniker. Und das Autohaus Haberbusch in Lörrach verzeichnete 37 Bewerbende für eine Serviceberater-Stelle und 52 für eine Stelle als Juniorberater.

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