Weiterbildung rechnet sich
Die Gütegemeinschaft Geprüfter Automobil-Serviceberater hat eine wissenschaftliche Studie in Auftrag gegeben. Sie belegt den wirtschaftlichen Nutzwert dieser Qualifizierungsmaßnahme.
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Die Gütegemeinschaft Geprüfter Automobil-Serviceberater (GASB) will nicht nur für die Qualität und die Bekanntheit dieser Weiterqualifizierung sorgen, sondern auch deren Rentabilität unter Beweis stellen. Aber wie lässt sich ermitteln, ob ein geprüfter Serviceberater nach seiner Ausbildung mehr für den Betrieb bringt
Diese Frage gab die Gütegemeinschaft weiter an Professor Dr. Stefan Bratzel vom Center of Automotive an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Dessen wissenschaftlich fundierte Antwort fiel eindeutig aus: Für Betriebe zahlt es sich sehr schnell aus, wenn sie Mitarbeiter zum Geprüften Automobil-Serviceberater weiterbilden.
Schon nach durchschnittlich 15 Monaten haben sich die Kosten der Qualifizierungsmaßnahme für das Autohaus amortisiert.
Bratzel untersuchte, wie sich die Servicekennzahlen von Betrieben innerhalb eines Jahres entwickelten, nachdem ein Mitarbeiter die Weiterbildung erfolgreich absolviert hatte. Die Ergebnisse verglich er mit den Daten einer Kontrollgruppe von Serviceberatern ohne die Qualifizierung und kam zu dem folgenden Schluss: Geprüfte Automobilserviceberater verkauften im Durchschnitt 8,3 Prozent mehr Arbeitswerte an externe Kunden als vor ihrer Ausbildung. Auch den Umsatz im Zubehör- und Teilegeschäft konnten sie steigern, und zwar um 6 Prozent.
Besser als Kontrollgruppe
Diese positive Entwicklung war nicht etwa auf ein generelles Wachstum in der Branche zurückzuführen, wie der Vergleich mit der Kontrollgruppe belegt: Die Kollegen ohne den Titel eines GASB mussten für beide Kennzahlen erhebliche Rückgänge hinnehmen. Sie verkauften 13,9 Prozent weniger Arbeitswerte als ein Jahr zuvor. Ihr Umsatz im Teile- und Zubehörgeschäft ging um 12,7 Prozent zurück.
Noch bessere Zahlen als die einzelnen Geprüften Automobil-Serviceberater konnten unter dem Strich diejenigen Betriebe erzielen, die ausschließlich Serviceberater mit GASB-Qualifikation beschäftigen. Dagegen schnitten Werkstätten, die auf GASB komplett verzichten, auffallend schlecht ab.
Weiterhin versuchte Professor Bratzel im Rahmen der Untersuchung durch einen Fragebogen herauszufinden, warum sich die Qualifizierungsmaßnahme so positiv auf die Ergebnisse eines Betriebs auswirkt.
Hierbei gewann er drei grundlegende Erkenntnisse:
- Die Qualifikation zum GASB sensibilisiert Service-Mitarbeiter für den Verkaufsaspekt ihres Berufs.
- Service-Mitarbeiter mit der GASB-Ausbildung nutzen die Dialogannahme effektiver.
- Die Ausbildung fördert die positiven Grundeigenschaften einer erfolgreichen Verkäuferpersönlichkeit.
Besonders interessant für die Betriebe ist schließlich, in welchem Zeitraum sich die Qualifizierung der Mitarbeiter amortisiert. Dazu stellte der Wissenschaftler einige einfache Berechnungen an: Seine Erhebung hatte gezeigt, dass die Ausbildung dem Betrieb ein monatliches Umsatzplus von rund 8.000 Euro beschert.
Den Gewinnanteil im Servicegeschäft setzte Bratzel mit 6 Prozent an, sodass der Gewinn statistisch um 480 Euro monatlich stieg.
Kosten bereits einkalkuliert
Natürlich fallen für den Betrieb durch die Teilnahme seiner Mitarbeiter an der Qualifizierungsmaßnahme zunächst Kosten an: Seminargebühren, Nebenkosten, zum Beispiel für Fahrten und Übernachtung, sowie nicht zu vergessen die durch die Seminare bedingten Fehlzeiten der Angestellten. Unter dem Strich ermittelte Bratzel eine Investitionssumme von 7.500 Euro.
Dividiert man nun diese Kosten durch den zusätzlichen zukünftigen Gewinn in Höhe von 480 Euro, hat sich die Weiterbildung schon nach gut 15 Monaten bezahlt gemacht. Dieser statistische Mittelwert kann selbstverständlich nicht einfach ungeprüft auf jedes Autohaus übertragen werden. Unter anderem ist er abhängig von der Höhe des Gewinnanteils im Servicegeschäft.
Wie Professor Bratzel ausführte, kann sich die Qualifizierungsmaßnahme auch schon nach einem Jahr gerechnet haben, bei anderen Betrieben können auch zwei Jahre vergehen.
Die Stichprobe der untersuchten Betriebe stellt laut Bratzel ein gutes Abbild der Grundgesamtheit dar. Unter Berücksichtigung streng formaler Kriterien könne sie allerings nicht als repräsentativ bezeichnet werden. Denn leider hätten einige der ausgewählten Händler auch auf Nachfrage nicht geantwortet. Wohl nicht zuletzt deshalb, weil in ihren Betrieben die erforderlichen Daten und Kennzahlen gar nicht vorhanden seien.
Deshalb empfiehlt der Leiter des Center of Automotive den Betrieben nicht nur, die GASB-Ausbildung als Mittel zur Umsatz- und Gewinnsteigerung zu nutzen, sondern auch, das Bewusstsein für die wichtige Rolle der statistischen Kontrolle der eigenen Arbeit zu schärfen.
Erste Studie dieser Art
Die Rentabilitätsstudie war nach Angaben des ZDK die erste wissenschaftliche Erfolgskontrolle einer branchenspezifischen Weiterbildungsmaßnahme in der deutschen Dienstleistungsbranche – und soll definitiv nicht die letzte bleiben. Wie Ingo Meyer, Geschäftsführer der Gütegemeinschaft und des ZDK, mitteilte, ist für den Geprüften Automobilverkäufer eine vergleichbare Untersuchung angedacht. Er freute sich über die fundierte Bestätigung des Erfolgs des Geprüften Automobil-Serviceberaters.
Darin stimmte er mit seinem Kollegen als Geschäftsführer der Gütegemeinschaft, dem Leiter des Renault-Instituts Rainer Ohlenhard, überein: Dieser wies noch auf einen weiteren Aspekt der Studie hin: „Serviceberater verdienen in der Regel deutlich weniger als Verkäufer. „Jetzt können sie nachweisen, was sie können und was sie für den Betrieb bringen.“
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