Weniger Teile, mehr Räder
Die Reifeneinlagerung ist eine wichtige Voraussetzung für ein erfolgreiches Reifengeschäft. Ford-Händler Konrad in Erlangen setzt auf Regale von Scholz und SSI Schäfer.
Als die bayerischen Ford-Händler Fiegl, Bacher, Jäckle und Konrad im Jahr 2000 das Wirtschaftsraumkonzept der Ford-Organisation umsetzten, gründeten sie das Parts Center Süd (PCS). Jeder Händler ist zu 25 Prozent an dem Teilestützpunkt beteiligt. Einer der Vorteile für die heute rund 100 Teilekunden ist, dass Händler zweimal und kleine Betriebe einmal täglich mit Teilen beliefert werden.
Das Beispiel von Ford-Konrad verdeutlicht die Veränderungen durch das neu organisierte Teilegeschäft. Vor Gründung des PCS hatte Konrad an seinem Standort in Erlangen einen Teilebestand im Wert von 180 000 Euro auf Lager. Manche Teile waren schwer zu vermarkten, wurden bis dahin aber auch kaum verschrottet.
Heute kann Konrad-Geschäftsführer Rudolf Kraus mit stolzen Zahlen aufwarten. Der durchschnittliche Lagerumschlag liegt zwischen acht und zehn Mal pro Jahr. Der Warenwert im Lager sank auf 150 000 Euro, obwohl Konrad zusätzlich die Marke Jaguar aufgenommen hatte.
Preise in der Tasche
Das Reifengeschäft betreibt der Händler seit 2005 als zusätzliches Geschäftsfeld. Über den Reifeneinkauf bei Ford habe man jetzt wettbewerbsfähige Preise, erklärt Kraus. Allein 2006 verdreifachte er den Reifenumsatz auf 16 000 Euro.
Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Reifengeschäft ist die Reifeneinlagerung. Doch wohin mit den Gummis Kraus ging mit kritischem Blick durch sein Teilelager. Im ersten Schritt entfernten seine Mitarbeiter im Erdgeschoss alte Teileregale, die nicht zur Räderlagerung taugten, und ersetzten sie durch spezielle Reifenregale des Lieferanten Scholz Regalsysteme. Im zweiten Schritt bestückten sie einige Stellplätze in der Tiefgarage mit Reifenregalen. Der Platz war frei, weil das Unternehmen mittlerweile auch die Bevorratung mit Neuwagen verringert hatte. 180 laufende Regalmeter konnte Kraus hierfür aus einer Insolvenz aufkaufen.
In der Eingeschossanlage von SSI Schäfer ist durch die Bestandsreduzierung mittlerweile die erste Etage fast leer. Hier entfernte man die alten Teileregale und ersetzte sie durch Reifenregale, um für die nächste Wechselsaison weitere Kapazität zu schaffen.
Abgestufte Lagerangebote
Statt nur die Reifenpreise zu bewerben und sich damit in den Preiskampf zu begeben, vermarktet Kraus mit einem Flyer die Rädereinlagerung. Dabei bietet er drei Pakete zu unterschiedlichen Preisen an. 75 Prozent der Konrad-Kunden entscheiden sich für die „Premium“-Einlagerung, 15 Prozent für „Exklusiv“ und 10 Prozent für „Luxus“. „Für die Einlagerung bekommen wir somit pro Radsatz 30 Euro pro Saison“, freut sich Kraus. Damit generiert er allein durch die Einlagerung 18 000 Euro Umsatz.
Die Umsatzsteigerung beim Reifenverkauf erreichte der Betrieb laut Kraus dadurch, dass er die Kunden bei ihrem Aufenthalt im Autohaus direkt auf das Thema ansprach: „Im Internet findet der Kunde immer ein Angebot, das billiger ist. Wir müssen ihn deshalb direkt ansprechen.“ Die Konrad-Serviceberater haben daher immer eine Preiskarte mit den 20 gängigsten Dimensionen und sieben Reifenfabrikaten in der Jackentasche.
Lager statt Hotel
Bevor die Erlanger die Räderlagerung ihren Ford-Kunden anboten, kamen aus Platzgründen nur Jaguar-Kunden in den Genuss dieses Service. Bereits zu dieser Zeit lernte Kraus, dass selbst bei kleinen Mengen einzulagernder Räder die Organisation das Entscheidende ist, um die Räder zu finden. Von Zetteln über Aufkleber bis zu Schildern, die sie auf die Ventile aufsteckten, hatten die Erlanger schon alles Mögliche getestet. Kraus hat sich vor drei Jahren für das Rad-Mark-System von Scholz entschieden und ist hoch zufrieden: „Das hat sich in zwei Jahren amortisiert.“
Bernd Schlee, der für die Räderlagerung verantwortlich ist, erinnert sich: „Wir sind mit dem System alle gleich zurecht gekommen – vom Mechaniker bis zum Azubi.“
Der Chef hatte am Anfang noch andere Schwierigkeiten: Im ersten Einlagerungsflyer sprach er von seinem „Reifenhotel“, was ihm prompt eine Abmahnung des Anbieters 4Wheels bescherte, der den Namen geschützt hat. Jetzt spricht Kraus nur noch von Räderlagerung – und freut sich mit seinem Team über den Profit.
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