Widmann bewegt

Autor / Redakteur: Stephan Richter /

Klare Zuordnungen in der Autohausgruppe Widmann helfen dabei, am Markt zu bestehen. Die Prozesse im Unternehmen sind also nicht nur auf Zufällen und Emotionen aufgebaut.

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Bruno Widmann hat ein Faible für Neubauten – wohl eine gute Grundvoraussetzung dafür, eine Autohausgruppe zu führen, die mittlerweile über 14 Standorte verfügt. Der Unternehmer zieht sich zwar nach und nach aus dem operativen Geschäft zurück, schaut jedoch täglich in der Widmann-Zentrale in Aalen vorbei. Mit seiner weitreichenden Erfahrung fungiert er weiterhin als Berater. An seiner Seite steht sein Sohn Bernd Widmann.

Wie bei nahezu jeder großen Gruppe begann auch die Geschichte von Widmann mit dem Schritt in die Selbstständigkeit. Bruno Widmann gründete 1956 eine freie Autowerkstatt in Schwäbisch Gmünd. Drei Jahre später verwandelte sich das kleine Unternehmen in eine Daimler-Benz-Vertragswerkstatt. 1967 zog die Firma von Schwäbisch Gmünd nach Aalen, um dort 1972 den Neubau am heutigen Standort in der Carl-Zeiss-Straße zu errichten. Schon 1968 übernahm Widmann den Mercedes-Benz-Betrieb in Ellwangen. Das Unternehmen wuchs.

So ganz konnte es sich seinen Wurzeln in Schwäbisch Gmünd nicht entledigen und eröffnete 1967 ein Audi-Autohaus in seinem Ursprungsort. Dieses wurde 1975 um die Marke Volkswagen erweitert. Damit legte Bruno Widmann schon früh die Vertriebsweichen für mehrere Marken unter seinem Namen.

Eigener Gebrauchtwagenmarkt

Im Jahr 1978 spaltete das Unternehmen den Gebrauchtwagenmarkt von den Neuwagen ab und gründete die Solid-Auto-Markt GmbH in Aalen. Diese Trennung besteht noch heute, und die gebrauchten Fahrzeuge verkauft das Gesamtunternehmen ausschließlich über die eigene Marke. Die Neuwagenverkäufer geben Kundenfahrzeuge, die sie in Zahlung genommen haben, oder Leasingrückläufer gleich an Solid-Auto-Markt weiter. Laut Bernd Widmann herrschen somit klare Zuordnungen. Das entlastet die einzelnen Mitarbeiter und die Prozesse.

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Nach der Wende

Das Automobilgeschäft besteht nicht nur aus Zahlen und Statistiken, sondern auch aus Zufällen und Emotionen. Das bewies ein Tag im Jahr 1991: Bruno und Bernd Widmann besuchten die neuen Bundesländer, da ihnen angeboten worden war, die Vertragsgebiete in Meißen, Riesa und Haida zu übernehmen. Dabei verpassten sie eine Ausfahrt und fuhren eine Zeit lang an der Elbe entlang. Die Landschaft, die Sonne und der schöne Ausblick überzeugten die beiden Unternehmer, sich in dem Gebiet anzusiedeln, und sie begannen mit dem Aufbau der dortigen Standorte.

Anfang der Neunziger konnte Bruno Widmann erneut seiner Leidenschaft für Neubauten nachgehen. In Ellwangen-Neunheim entstand ein neuer Mercedes-Benz-Betrieb. Der Schwerpunkt bei diesem Standort an der A7 liegt auf dem Lkw-Verkauf und -Service. Durch die Spezialisierung ist es möglich, besser auf die Bedürfnisse der Nutzfahrzeugkunden einzugehen. Sie erwarten zum Beispiel längere Öffnungszeiten, damit ihre Transporter und Lkw nicht zu lange Standzeiten vorweisen.

Die Bauphase geht weiter

Es folgten weitere Jahre der Bauplanung, denn die Betriebe in Haida, Meißen und Aalen mussten erneuert, erweitert oder modernisiert werden. Das ausklingende Jahrtausend endete 1999 mit der Übernahme der Mercedes-Benz-Vertragswerkstatt in Crailsheim inklusive Verkaufsgebiet. Weiterhin gliederte das Unternehmen die Mercedes-Benz-Vertragspartner in Schwäbisch Hall in die Widmann-Gruppe ein.

Damit sollte aber noch lange nicht die Ziellinie überquert sein: 2000 folgten Chrysler, Jeep und Dodge ins Markenportfolio am Standort in Aalen. Nicht nur deswegen erfolgte im selben Jahr eine Erweiterung des Hauptbetriebs. Eine Waschstraße und eine Tankstelle kamen hinzu, und die Gebrauchtwagen glänzten auf einer neuen Präsentationsfläche. Schon zu diesem Zeitpunkt wurde Platz für den Vertrieb der Marke Smart geschaffen, die 2001 als vorerst letzte Marke die Palette im Autohaus Widmann ergänzte.

Nicht zu viele Marken

Der Diplomkaufmann Bernd Widmann erkennt wenige Synergieeffekte, die ihn davon überzeugen könnten, noch weiter in den Mehrmarkenhandel einzusteigen. Rückblickend vereint er mit Mercedes-Benz, Smart, Chrysler, Dodge, Jeep und VW sechs Marken in seiner Autohaus-Gruppe. Hinzu kommen die hauseigene Gebrauchtwagenmarke Solid-Auto-Markt und ein Service-Vertrag für Audi.

Trotz oder gerade wegen des großen Angebots ist es dem Unternehmer wichtig, stets für Kundennähe zu sorgen und qualitativ hochwertige Arbeit zu leisten. Die Kundennähe ist auch ein wichtiger Grund dafür, dass Widmann seine Autohäuser stark in den regionalen Märkten aufstellen möchte. „Wir wünschen uns eine hohe Begegnungsqualität unserer Kunden mit den Mitarbeitern. Dafür benötigen wir ein gut organisiertes Tagesgeschäft.“

Auch die Jahre seit 2001 hatten viel zu bieten. So erhielt der Mercedes-Benz-Betrieb am Standort Crailsheim einen Neubau und ein Transporter-Gebrauchtwagen-Center (TGC). Neben den bestehenden Betrieben erweiterte sich die Firmengruppe Widmann um Standorte in der Oberpfalz. In Amberg, Weiden, Eschenbach und Vohenstrauß erfolgte die Übernahme der dortigen Mercedes-Benz-Vertragsgebiete.

Eine lange Zeit, die im Jahr 2006 im 50. Firmenjubiläum mündete. Ein halbes Jahrhundert zuvor hatte Bruno Widmann mit zwei Kollegen begonnen. Heute stehen über 806 Mitarbeiter in Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen und Brandenburg auf seiner Gehaltsliste.

Mehrere Standtbeine

Mit seinen zahlreichen Standorten will sich das Unternehmen stabil auf mehrere Standbeine stellen. So sieht es sich auch kritischen wirtschaftlichen Bedingungen gewachsen. Dennoch besteht für Bernd Widmann kein Zweifel daran, dass auch kleine Autohäuser die derzeitige Situation überstehen: „Mit einer sinnvollen Organisation und einem gut geführten Autohaus müssen sich auch kleine Händler nicht sorgen. Sobald sich aber ein Autohaus auf mehrere Standorte verteilt, bedarf es einer gewissen Größe, um zukünftig bestehen zu können.“

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