Seine Erfindungen wurden 1980 und 1986 mit dem Bayerischen Staatspreis gewürdigt, 1989 erhielt er sogar den Bundespreis für hervorragende innovatorische Leistungen im Handwerk. Ideen hatte er am laufenden Band. Die Sonner Felgenlackierschablone für Pkw und Lkw war um die Mitte der 50er Jahre ein Renner. Über 30.000 Stück davon wurden produziert und verkauft. Für eine bei Unfällen einsetzbare Airbag-Sicherung bekam er 2002 den Staatspreis ein weiteres Mal. Da hatte sein Messestand schon beträchtlichen Zulauf, denn abgesehen vom steten Erklingen der Glocke verstand er es, sein Produkt in zünftigem Bayerisch ebenso launig wie fachkundig anzupreisen. Sogar Bayern Ministerpräsident Franz Josef Strauß gratulierte ihm persönlich.
Zeitdokumente im Privatmuseum
Und heute? Josef Sonner geht uns voraus. Mit Schlüsselbund und erklärenden Worten. Zeigt uns das Werkstattgebäude mit perfekter Lackiererei und allem, was so ein Tüftler und Erfinder brauchte. Das hat er heute vermietet. Und er zeigt uns das Obergeschoss mit den Dingen, derentwegen ich eigentlich mitfahren, die ich unbedingt sehen sollte. Er nennt es „mein Museum“. Sonner hat so nebenbei in unzähligen Stunden Scheunenfunde restauriert und machte aus ihnen fahrtüchtige Zeitdokumente.
Da sieht man ihn an einer Kutsche von 1920 werken oder an einem über siebzigjährigen Weltkriegs-2-Schwimmwagen. Zu seiner Sammlung historischer Fahrzeuge gehören etliche perfekt restaurierte VW Käfer, ein wie neu dastehendes Käfer Cabriolet – alle natürlich mit wunderschönen Vasen. Dazu ein VW Kübelwagen, eine feldgraue Zündapp KS 750 Beiwagenmaschine, ein NSU Kettenkrad mit Feldküche als Anhänger, und ein Willys Jeep Ford von 1963. Und eine gute alte Isetta – ebenfalls mit Vase.
Der Ami-Jeep erinnert ihn an seine wohl aufregendste Zeit. Ende 1944 musste der damals 16-Jährige zum Arbeitsdienst und, noch im März 1945, zum Militär. Im April steht der Bub, mit einer schweren Panzerfaust in den Händen, bei Moosburg vor München und soll an einer Brücke einen US Panzer abschießen. Der aber hat rundherum einen Schutz aus Drahtgeflecht und Steinen, die Panzerfaust nützt nichts. Die Amerikaner nehmen ihn gefangen und bringen ihn in die Normandie. Und da er im September 1945 noch nicht achtzehn ist, wird er nach Hause geschickt. Ins bayerische Voralpenland an der Zugspitze, wo er ohne langes Zaudern seine Zukunft in die Hand nimmt.
Und wenn er heute seine Erfindungen zeigt oder, im jugendlichen Alter von 87 Jahren, die Ausfahrten des Allgemeinen Schnauferlclubs toppt oder mit dem VW Kübelwagen durch den Strasslacher Weiher pflügt, dann raunen sich die Leute am Straßenrand zu: „Mei, der Sonner Josef, dös is halt a Hund!“. Und ein Stück Nachkriegsgeschichte dazu.
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