Rollende Festungen Wie gepanzerte Fahrzeuge funktionieren

Quelle: dpa

Mit zentimeterdicken Stahlplatten und Fensterscheiben bieten gepanzerte Autos Schutz vor Angriffen. Noch während der Produktion werden sie dazu auf Schwachstellen überprüft. Wie genau das abläuft und die Sicherheitsfahrzeuge gebaut werden.

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Der S 680 Guard schafft es von 0 auf 100 km/h in 8,3 Sekunden und Sprengstoff soll ihm am oder unter dem Auto nichts anhaben.
Der S 680 Guard schafft es von 0 auf 100 km/h in 8,3 Sekunden und Sprengstoff soll ihm am oder unter dem Auto nichts anhaben.
(Bild: Mercedes-Benz)

Kugeln prallen auf die Karosserie. Beulen und Einschusslöcher verunstalten das Blech. Doch der Beschuss ist kein Anschlag, sondern ein Test für gepanzerte Fahrzeuge. Solche Sonderschutzfahrzeuge dienen Politikern, Königen oder hochrangigen Managern als sicheres Transportmittel. Ex-Kanzlerin Angela Merkel etwa war oft in einem Audi A8L Security unterwegs. Nachfolger Olaf Scholz hat die neue Mercedes S-Klasse Guard S 680 zur Verfügung.

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Bis zu 500 Mal beschossen

In Deutschland prüfen drei Beschussämter zivile Fahrzeuge. Sie haben sich zur Vereinigung der Prüfstellen für angriffshemmende Materialien und Konstruktionen (VPAM) zusammengeschlossen. Bei der ballistischen Prüfung des Beschussamtes Ulm werden die Autos je nach Modell bis zu 500 Mal beschossen. Entweder zielt ein Schütze auf das Fahrzeug oder eine Waffenabschussanlage feuert gezielt auf kritische Punkte.

„Wir besichtigen die Konstruktion schon im Rohbau und sehen das Fahrzeug ohne Verkleidung, können daher vermeintlich kritische Punkte vorher erkennen und sie gezielt prüfen“, sagt Peter Häussler vom Beschussamt Ulm. Bei der Schwachstellen-Analyse achten die Experten auf Scharniere, Kanten, Verschweißungen und Verklebungen. Vorab werden die im Fahrzeug verbauten Panzerplatten und das Panzerglas bei einer separaten Materialprüfung auf Durchschuss-Hemmung geprüft.

Prüfung mit Sprengstoff und Handgranaten

Gepanzerte Zivilfahrzeuge teilen sich je nach Stärke der Platten und des Glases in Prüfstufen VR1 bis VR10 nach VPAM-BRV auf. Die Abkürzung bedeutet Ballistic Resistance Vehicle und bezeichnet die Widerstandsfähigkeit des Fahrzeuges gegen Angriffe mit Geschossen.

Hält die Schutzhülle bei VR4-Fahrzeugen Kugeln eines 44er Magnum-Revolvers stand, sind es bei VR7 Patronen eines Schnellfeuergewehres mit Nato-Munition und einer Aufprallgeschwindigkeit von über 900 m/s, also 3240 km/h.

Bei VR10 wird ein Auto mit Hartkern-Munition aus einem Sturmgewehr malträtiert. Zudem werden die Fahrzeuge neben der ballistischen Prüfung je nach Versuch einer Sprengprüfung unterzogen. Dabei zündet eine 12,5-Kilogramm-schwere Sprengstoffmischung neben dem Fahrzeug. Bei weiteren Versuchen liegt eine Handgranate unter und auf dem Auto.

Schutz vor Anschlägen

Die Versuche entstanden als Antwort auf tatsächliche Bedrohungen und Attentate, wie in der Hochphase der Terrorbedrohung durch die RAF mit der Entführung und Ermordung Hanns Martin Schleyers 1977 oder dem tödlichen Bombenattentat auf Alfred Herrhausen 1989 in seiner Mercedes S-Klasse.

Marken wie Audi, Bentley, BMW, Citroën, Jaguar, Mercedes und Range Rover verkaufen Sonderschutzfahrzeuge direkt ab Werk. Die meisten Fahrzeuge für Unternehmer und Privatpersonen gehen nach Südamerika, Russland und Asien. Europäische Kunden sind meist Behörden oder Königshäuser.

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