Rollende Festungen

Wie gepanzerte Fahrzeuge funktionieren

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Spezialisierte Unternehmen wie Alpha Armouring, Brabus, Trasco, Welp Group, AB Luxury oder Stoof International bauen Limousinen und Geländewagen zu Sicherheitsfahrzeugen um. Kunden können dafür zwischen Marken wählen wie beispielsweise Aston Martin, Bentley, Porsche, Toyota, Lexus, Cadillac, Volvo und Rolls-Royce.

Eigener Schutzraum im Mercedes S 680 Guard

Doch Panzerung ist nicht gleich Panzerung. Und einfach nur ein bisschen Sicherheitsglas und ein paar Stahlplatten zusätzlich an die Karosserie montieren, hält nicht alle Kugeln auf. Vielmehr werden besonders gute gepanzerte Fahrzeuge schon im Rohbau entsprechend konstruiert.

Passagiere sitzen dabei in einem gepanzerten Kern, Motor- und Kofferraum werden quasi nur angeschraubt. „Beim S 680 Guard setzen wir erstmals auf einen eigenen, in sich geschlossenen Schutzraum inklusive neuer Sicherheitssysteme“, sagt Thomas Bentel als Guard-Entwicklungsingenieur bei Mercedes.

Anders formuliert: Panzerte Mercedes bisher die S-Klasse, verkleiden sie nun ein vorher gepanzertes Fahrzeug optisch zu einer S-Klasse. Dem S 680 Guard sollen Kugeln aus einem Präzisionsgewehr und Maschinengewehre nichts anhaben, ebenso wenig wie Sprengstoff am oder unter dem Auto.

Schutz selbst vor Gasangriff

Spezieller Stahl am Heck und der Stirnwand, Splitterschutzmatten im Dach und Aramidplatten – all das soll Schutz bieten. Eine Tür wiegt rund 200, die Seitenscheiben 40 und die Frontscheibe 120 Kilo. Ein massiver Unterboden mit 120 Kilo Bodenplatten schützt die Insassen vor Detonationen. Feuer von außen bekämpft eine integrierte Löschanlage mit zehn Düsen unter dem Auto und im Motorraum.

Selbst vor einem Gasangriff sind Insassen geschützt: Sauerstoff presst mit leichtem Überdruck Luft aus dem Inneren, sodass kein Gas eindringen kann. „Wichtig ist, dass die Insassen schnell aus der Gefahrenzone kommen und sich dann in Sicherheit bringen“, so Bentel.

Dafür treibt das immerhin rund 4,5-Tonnen-schwere Auto ein V12 mit 612 PS und 830 Newtonmeter an. Von 0 auf 100 km/h dauert es 8,3 Sekunden, maximal 190 km/h sind trotz Gewicht drin. Selbst nach einem platten Reifen geht's noch mit bis zu 80 km/h über 30 Kilometer weit.

Eine Gegensprechanlage mit Mikrofonen in den Spiegelgehäusen und einem Lautsprecher im Radkasten erlaubt die Kommunikation nach draußen – ohne die Seitenscheiben zu öffnen. Ein fahrender Panzer – zumindest beim Schutz. Rund 457.000 Euro plus Mehrwertsteuer müssen Kunden mindestens bezahlen.

Erstes BMW-Sicherheitsfahrzeug ab Ende der 70er

Bei BMW konnte der erste gepanzerte Wagen, ein 733i High Security (E23), ab Ende der 1970er Jahre bestellt werden. „Hochgeschützte Fahrzeuge werden vom Grundkonzept komplett neu aufgebaut, weil sie eine geänderte Struktur besitzen. Das erfordert viel Handarbeit“, sagt Florian Biersack als Leiter Sicherheitsfahrzeuge bei BMW.

Genaue Angaben macht BMW ebenso wenig wie exakte Aussagen zur Technik. Das Geschäft lebt schließlich von der Diskretion. „Ziel ist es, den größtmöglichen Schutz in der höchsten Qualität zu bieten, dabei möglichst anonym zu bleiben“, sagt Biersack. Dabei soll der zusätzliche Schutz den Insassen im Komfort nicht einschränken. Qualität, Platz, Geräusche, Leistung und Fahrkomfort sollen dicht an den Serienfahrzeugen liegen.

BMW baut aktuell jährlich ein paar hundert Fahrzeuge in Handarbeit, so den gepanzerten X5 M50i in der Klasse VR6. Die nächste 7er Generation wird es zudem wieder als Hochsicherheitsfahrzeug geben, wahrscheinlich in den Klassen VR9 oder der Klasse VR10.

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