Der GWM Ora 07 sieht aus wie ein luxuriöser GT, kostet aber weniger als die Hälfte. Der günstige Preis wird allerdings mit ein paar Macken erkauft.
Der GWM Ora 07 sieht aus wie ein luxuriöser GT, kostet aber weniger als die Hälfte.
(Bild: GWM)
Vorne ein bisschen Porsche, hinten ein wenig Bentley und innen blitzendes Chrom und glattes Leder: Der GWM Ora 07 wirkt auf den ersten Blick wie ein Luxusauto einer europäischen Traditionsmarke. Tatsächlich kommt die elektrisch angetriebene Coupé-Limousine aber aus China. Und mit 42.000 Euro kostet sie trotz Komplettausstattung gerade mal so viel wie ein kompakter Opel Astra Electric. Wie passt das alles zusammen?
Auf den ersten Blick: irgendwie ganz gut. Die sehr flache Schnauze mit Rundscheinwerfern im Elfer-Stil, das üppig verglaste Passagierabteil mit abfallender Dachlinie und die von Bentley geliehenen Oval-Rückleuchten sind auf jeden Fall ein Hingucker. Auch wenn der Überhang hinten vielleicht zu lang und die Motorhaube möglicherweise etwas zu kurz geraten ist, gilt: ein guter Remix ist besser als ein dröges Originalwerk. Auch der Innenraum hinter den edlen rahmenlosen Türen kann optisch mithalten und setzt mit der breiten, mit wertigem Kunstleder und Metall verkleideten, scheinbar schwebenden Mittelkonsole sogar eigene Akzente.
Das Raumgefühl für die Passagiere ist gut, wobei die Sitzposition des Fahrers ungewohnt ist. Der Akku im Unterboden trägt auf, so dass die Blickachse weit oberhalb der flachen Motorhaube liegt; eine komische Mischung aus SUV- und Sportwagen-Aussicht. Einen tollen Blick genießen hingegen die Hinterbänkler, die sich durch das sehr große Panorama-Glasdach fühlen, als säßen sie im Freien. Ziemlich beengt hingegen geht es im flachen Kofferraum zu – der findet sich nicht wie zunächst zu vermuten hinter eine großen Fließheck-Klappe, sondern unter einem kleinen Deckel, wie man ihn bei Stufenhecklimousinen hat. Die schmalen 333 Liter Fassungsvermögen kennt man sonst eher aus der Kleinwagenklasse. Auch wenn der Ora wie eine große Reiselimousine aussieht – die Insassen sollten sich auf Handgepäck beschränken. Zu schwer darf das auch nicht sein, denn die Zuladung fällt mit 350 Kilo nicht allzu üppig aus.
Das Fahren selbst absolviert der mit 150 kW/204 PS ausreichend leistungsstarke Chinese sehr ordentlich. Das Fahrwerk ist souverän und komfortabel, spricht lediglich wie bei vielen E-Autos auf schlechter Straße etwas zu zögerlich an. Die Lenkung ist weich, was Vielfahrern die Arbeit erleichtert, auf sportlichen Naturen aber zu unverbindlich wirkt. Viel falsch machen die Chinesen aber nicht, der aus Erfahrung gespeiste Vorsprung westlicher Hersteller schrumpft.
Verbesserungsbedarf bei Assistenzfunktionen
Zu merken ist der Abstand zu etablierten Anbietern an anderer Stelle aber umso deutlicher. Denn auch wenn der Gesamtauftritt in Ordnung geht, fehlt noch viel Feinschliff. So reagiert der Spurhalteassistent geradezu aggressiv auf ein Abweichen von der vorgegebenen Linie, ähnlich rabiat sind die Abstandswächter beim Einparken, das sie mit viel zu vorsichtigen Bremseingriffen zu einer ruckeligen Angelegenheit machen. Dazu kommt eine teils umständliche Bedienung: So ploppt beim Warten an der Ampel auf dem zentralen Touchscreen ein eigentlich praktischer Assistent auf, der ein Kamerabild der Lichtzeichenanlage anzeigt, damit der Fahrer seinen Hals nicht zu verrenken braucht. Leider sperrt sich dadurch die Nutzung des Bildschirms. Wer etwa in Ruhe die Klimaanlage einstellen, das Navi konsultieren oder auch nur die Musiklautstärke runter drehen will, muss warten, bis das Auto wieder anrollt.
Vieles davon dürfte durch Software-Updates und etwas Zeit zu beheben sein. Ob das auch für die eigentliche Schwäche des Ora 07 gilt, ist aber zweifelhaft. Denn mit einer Normladeleistung von gerade einmal 88 kW liegt die Limousine weit unterhalb der einschlägigen Konkurrenz. Bis der nicht gerade gigantische 64 kWh-LFP-Akku vollgeladen ist, dauert es selbst am Schnelllader locker eine Stunde. An der heimischen Wallbox braucht eine Vollladung bei üblichen 11 kW eher die ganze Nacht. Immerhin: Ist der Akku einmal voll, sind laut Norm 440 Kilometer möglich, in der Praxis erreicht man zumindest in der warmen Jahreszeit ähnliche Werte. Denn die Limousine lässt sich auch auf der Autobahn sehr sparsam bewegen – die Bordcomputerangabe rutschte nicht selten unter die 16,4-kWh-Marke aus dem Datenblatt.
Viel drin für den Preis
Nicht nur der Betrieb des Ora 07 ist günstig, auch die Anschaffung geht nicht allzu sehr ins Geld, wenn man den einschlägigen Wettbewerb als Vergleich hinzuzieht. Das günstigste Modell („Pure“) kostet 42.000 Euro, den hier getesteten „Pro“ gibt es ab 44.000 Euro und das leistungs- und reichweitenstärkere Top-Modell „GT“ mit Allradantrieb steht für 53.500 Euro in der Preisliste. Letzteres setzt sich vor allem optisch von den anderen Varianten ab, die Ausstattung ist aber in allen drei Fällen reichhaltig und umfasst neben dem obligatorischen Glasdach und den Kunstledersitzen mindestens 18-Zoll-Felgen, 360-Grad-Kamera, Navigationssystem, zahlreiche Assistenten und noch vieles mehr. Schon ab „Pro“ zählen außerdem klimatisierte Massagesitze, elektrische Heckklappe und Wärmepumpe zur Ausstattung.
Stand: 08.12.2025
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Die umfangreiche Ausstattung, der effiziente Antrieb und die interessante Optik stehen klar auf der Habenseite beim Ora 07. Einige Skurrilitäten und Bedienschwächen lassen sich wohl „over the air“ lösen. Als klare Minuspunkte bleiben hingegen die geringe DC-Ladeleistung und der kleine Kofferraum. Beides zusammen macht aus einer potenziellen Reiselimousine eine Kurzreiselimousine. Da hilft dann auch die schicke Gran-Tourismo-Optik nichts.