Wilhelm Burg Gruppe: Fünf Kernwerte als Fundament

Redakteur: Wolfgang Michel

Das Zentrum der Wilhelm Burg Gruppe liegt im Großraum Münster/Osnabrück, seit 1990 ist das Unternehmen zudem in Sachsen-Anhalt tätig.

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In drei Jahren feiert die Wilhelm Burg Gruppe ihren 100. Geburtstag. Diese Automobilhandelsgruppe kennen Sie nicht? Mit Beresa war das Unternehmen bis vor wenigen Jahren ausschließlich für Mercedes-Benz und Smart aktiv – also für die heutige Daimler AG. Vor rund zwei Jahren kamen mit Toyota Berghoff und der eigenen Marke „FamilyCars“ sowie im Nutzfahrzeugservice mit DAF strategische Säulen hinzu. Im Nfz-Geschäft werden Verkauf und Service zudem über das eigene Label „TruckandVan“ vermarktet.

Das Zentrum der Gruppe liegt im Großraum Münster/Osnabrück, also im Norden Nordrhein-Westfalens und im Südwesten Niedersachsens. Seit 1990 ist das Unternehmen zudem in Sachsen-Anhalt tätig. In Dessau gibt es eine eigenständige Geschäftsführung, die dort das operative Geschäft betreibt. Verwaltung, Controlling, EDV und Marketing werden von Münster aus gemanagt.

Bei der Frage, was die Klammer für die unterschiedlichen Unternehmensbereiche und Markenwelten sein könnte, erinnerte sich die Geschäftsführung an den Unternehmensgründer. Und damit war die Wilhelm Burg Gruppe geboren. Die Nachkommen von Wilhelm Burg halten heute sämtliche Anteile des Autohandels-Unternehmens, beteiligen sich aber nicht am operativen Geschäft. Stattdessen haben die Familienmitglieder einen Verwaltungsbeirat bestellt, dessen Vorsitzender ZDK-Präsident Robert Rademacher ist. Diesem Beirat obliegt die Kontrolle der angestellten Geschäftsführer.

Wertekonzept erarbeitet

Einer der Geschäftsführer ist Thomas Spiegelhalter. Für ihn ist es wichtig, dass die einzelnen Handelsmarken ihre eigenen Werte haben. Dazu haben Geschäftsführungen und die rund 25 Führungskräfte zuerst einmal erarbeitet, welche Werte unabhängig von der jeweiligen Marke für die komplette Gruppe gelten sollen. Als Kernwerte stehen seitdem Zuverlässigkeit, Kompetenz, Vertrauen, Ehrlichkeit und Innovationsfähigkeit. Spiegelhalter legt Wert darauf festzustellen, dass es sich dabei nicht nur um Schlagworte handelt: „All diese Begriffe sind mit Leben erfüllt.“ Dazu passend gibt es eine interne Kommunikationsstrategie. Nachdem im ersten Schritt die gruppenübergreifenden Werte ermittelt waren, galt es, die Differenzierungswerte der einzelnen Handelsmarken zu erarbeiten. Für Spiegelhalter ist dies zwingend notwendig, „da eine Premiummarke wie Mercedes-Benz für andere Werte steht als eine Volumenmarke namens Toyota“. Eine Werteermittlung fand auch für das Nfz-Geschäft und „FamilyCars“ statt. Heute dient dieses Wissen als Entscheidungsgrundlage nicht nur bei Investitionen, sondern auch im Umgang mit Mitarbeitern und Kunden. Das Wertekonzept zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Wilhelm Burg Gruppe.

Gewinner sind die Kunden

Hötte verdeutlicht am Beispiel Personal die Wertestrategie: „Wenn Sie fragen, ob sich ein Lkw-Verkäufer von einem Pkw-Verkäufer unterscheidet, sagt jeder ja. Wenn Sie dann aber nachfragen, wo er sich unterscheidet, bekommen Sie selten eine Antwort.“ Gemeinsam mit ihrer Führungscrew haben die Geschäftsführer genau diese Antworten für die Wilhelm Burg Gruppe gefunden. Dazu wurde für jeden Arbeitsbereich ein Profil definiert. Positiver Effekt: Damit ist die Personalabteilung nicht nur in der Lage, die eigenen Mitarbeiter besser weiterzuentwickeln; auch bei der Suche nach neuen Mitarbeitern helfen die Profile enorm weiter. Gewinner sind für Spiegelhalter die Kunden: „Sie treffen auf Mitarbeiter, welche die Anforderungen für die jeweiligen Markenwelten in Verkauf und Service bestmöglich erfüllen.“

Aber nicht nur die Mitarbeiterprofile helfen weiter; selbiges gilt für die ausgearbeiteten Unterschiede in den jeweiligen Markenwelten bezüglich Kunde, Mitarbeiter, Investment und Prozesse. „Wir haben uns auch überlegt, was die Prozesse in einem Toyota-Autohaus von den Prozessen in einem Mercedes-Autohaus unterscheidet“, erklärt Spiegelhalter.

„Oder, auf welche Art und Weise betreuen wir einen Mercedes-Benz-Kunden oder einen Toyota-Kunden im Service?“ Für Spiegelhalter ist dieser Aufwand mehr als gerechtfertigt: „Wir müssen unseren Mitarbeitern die Argumente an die Hand geben, die dafür Sorgen tragen, dass die Kunden bei uns kaufen beziehungsweise ihren Service bei uns durchführen lassen und nicht beim Wettbewerb.“ Hier liegt für den Geschäftsführer die größte Herausforderung für alle Unternehmen der Wilhelm Burg Gruppe.

Volumen muss stimmen

Eine weitere Strategie ist für die Münsteraner Autohandelsgruppe, sich ausschließlich auf die Marken Mercedes-Benz/Smart und Toyota zu konzentrieren. „Um ein Fabrikat erfolgreich zu führen, benötigen wir ein Volumen von 1 000 Neuwagen. Nur dann können wir unsere Stärken ausspielen“, erklärt Spiegelhalter: „Der Aufwand, eine zusätzliche Marke hinzuzunehmen, wird von vielen Kollegen unterschätzt. Aber jede Marke hat ihre eigene Strategie und jeweilige Wettbewerbssituation.“ Ferner habe jeder Hersteller einen anderen Außendienst, ein anderes Management und ein eigenes Margensystem.

Für Spiegelhalter gibt es die viel gepriesenen Synergien im Backoffice-Bereich nur selten. Seiner Meinung nach ist man aber nur erfolgreich, wenn die Kostenstruktur schlank und die Prozesse schlagkräftig sind. „Mit vier oder fünf Marken und jeweils 150 Autos pro Fabrikat ist das nicht möglich“, bilanziert Spiegelhalter.

Diese Einstellung war der wesentliche Grund für die Wilhelm Burg Gruppe, sich vor zwei Jahren für Toyota als Gruppenhändler zu entscheiden. 2 000 Neuwagen soll Toyota Berghoff inklusive der sechs angeschlossenen Gruppenhändler in den nächsten Jahren verkaufen. Für Spiegelhalter ergänzt Toyota die Markenwelten von Mercedes und Smart ideal. Auch deshalb, weil die Marke im Verkaufsgebiet vakant war.

Apropos Verkaufsgebiet: Die mittelfristige Unternehmensplanung sieht vor, dass sich die Gruppe mit Mercedes-Benz auf die Region konzentriert. Spiegelhalter dazu: „Wenn wir momentan einen Standort in Hessen oder Baden-Württemberg angeboten bekämen, würden wir nein sagen.“ Ziel von Spiegelhalter ist es vielmehr, weiter an der Marktausschöpfung der bestehenden Standorte zu arbeiten. Dagegen wird es weitere Toyota-Standorte geben. Langfristig könnte Lexus noch hinzukommen. Voraussetzung sei, dass im Münsterland das entsprechende Volumen vorhanden sei. Nur dann würde sich die Investition rechnen. Die Strategie, Lexus von Toyota zu separieren, hält Spiegelhalter übrigens für die richtige. Nicht mehr separat, sondern innerhalb der Mercedes-Benz-Welt verkauft Beresa die Marke Smart. Diese spielt neben dem Einzelkundengeschäft vor allem bei den Großkunden eine wichtige Rolle. „Im Flottengeschäft sind wir mit dem Fortwo sehr erfolgreich unterwegs.“ Spiegelhalter sieht dieses Fahrzeug als ideale Abrundung der Angebotspalette nach unten.

Aus- und Weiterbildung

Eine zentrale Bedeutung kommt den Mitarbeitern zu. Eine „echte Fluktuation“ gebe es nicht. „Wenn uns jemand verlässt, dann hat er Karriereaussichten, die wir ihm momentan nicht bieten können“, schildert Hötte die Situation. Viele der Führungskräfte seien aus den eigenen Reihen. Für alle neuen Mitarbeiter gibt es ein spezielles Schulungsprogramm. Damit vermittelt das Unternehmen jedem Neuling, was es von ihm erwartet und welche Werte es nach außen zu transportieren gilt. Dieses Einstiegstrainingsprogramm durchläuft jeder neue Mitarbeiter der Wilhelm Burg Gruppe, völlig unabhängig von seiner Funktion und Position – Auszubildende ebenso wie Führungskräfte. Stolz sind alle Geschäftsführer auf das High-Potential-Programm für alle Auszubildenden. Diese werden von ihren Ausbildern bewertet, woraus sich ein Ranking ergibt. Das Bewertungssystem berücksichtigt dabei auch die Erfolge in der Berufsschule. „Mit diesem System haben wir unabhängig vom jeweiligen Standort eine objektive Beurteilung aller Azubis“, erklärt Hötte. „Und damit die Menschen auch motiviert sind, auf die ersten Plätze zu kommen, offerieren wir ein spezielles Angebot. Das fängt mit Werksbesichtigungen an und geht über Rhetorikseminare bis zu Kaminabenden mit der Geschäftsführung. Für Hötte ist das starke Engagement der Wilhelm Burg Gruppe bezüglich Ausbildung „überlebenswichtig“. Für ihn ist es der einzige Weg, gute technische und kaufmännische Nachwuchskräfte zu rekrutieren.

Zukunftsprognose

Insgesamt sehen die Geschäftsführer Spiegelhalter und Hötte die Wilhelm Burg Gruppe für die Zukunft gut gerüstet: „Mit unseren Marken sind wir gut aufgestellt. Mit Toyota haben wir eine Wachstumsmarke im Portfolio. Und wenn es mit Mercedes-Benz wieder Expansionsmöglichkeiten gibt, dann werden wir diese beim Schopfe packen.“

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