Nürnberger Versicherung „Wir sind in einer Transformation, aber kein taumelnder Versicherer“

Das Gespräch führte Wolfgang Michel 3 min Lesedauer

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Am Wochenende sorgten Schlagzeilen zur Zukunft der Nürnberger Versicherung für Unruhe in der Branche. Fakt ist, ein österreichischer Versicherungskonzern hat Interesse am Einstieg signalisiert. Daniel Parreira, Leiter Vertrieb Autohaus bei der Nürnberger, erläutert die Perspektiven.

Dr. Daniel Parreira ist Leiter Vertrieb Autohaus bei der Nürnberger Versicherung.(Bild:  Nürnberger Versicherung)
Dr. Daniel Parreira ist Leiter Vertrieb Autohaus bei der Nürnberger Versicherung.
(Bild: Nürnberger Versicherung)

Redaktion: Die Vienna Insurance Group (VIG) hat Interesse, sich an der Nürnberger zu beteiligen. Welche strategischen Gründe sprechen für Ihr Unternehmen für eine (Mehrheits)-Beteiligung durch die VIG?

Dr. Daniel Parreira: Derzeit sind 90 Prozent der Aktien der Nürnberger Versicherung in den Händen verschiedener strategischer und finanzieller Investoren – darunter Rück- und Erstversicherer, Banken, Fondsgesellschaften und institutionelle Investoren. Daneben liegen rund 10 Prozent der Aktien im Streubesitz. Um ihre Marktposition auszubauen und ihre Zukunftsfähigkeit langfristig zu sichern, wäre ein Mehrheitsaktionär wie die Vienna Insurance Group ein idealer Partner für die Nürnberger Versicherung. Mithilfe der Gruppe könnte die Nürnberger effektiver bei der Modernisierung der IT-Landschaft sein und auch die wachsenden regulatorischen Anforderungen leichter erfüllen. Aber zunächst einmal müssen wir alle abwarten, ob das tatsächlich so kommt. Die Entscheidung fällt voraussichtlich erst im 4. Quartal.

Trotzdem war zuletzt von Krise die Rede …

Um es klarzustellen: Es geht um langfristige strategische Handlungsoptionen. Die Nürnberger hat aktuell eine kombinierte Solvabilitätsquote von mehr als 250 Prozent. Wir sind zwar in einer Transformation und haben einige Hausaufgaben zu erledigen, aber wir sind kein „taumelnder Versicherer“, wie man in den letzten Tagen in mancher Räuberpistole lesen konnte …

Soll die Nürnberger weiterhin als eigenständige Marke auftreten?

In ihrem Erstangebot hat die VIG ihre Investitionsbereitschaft signalisiert und wichtige Zusagen zur Standortsicherung und zum Erhalt der Marke und der Identität gemacht. Das waren auch die Gründe, warum der Vorstand nun die Gespräche mit der VIG intensiviert und eine Due Diligence Prüfung eingetreten ist. Denn die VIG verfolgt genau diesen Ansatz: In den einzelnen Märkten passende Unternehmen zu akquirieren und sie weitgehend eigenständig unter ihrer Marke und Identität weiterzuführen.

Welche Bedeutung hätte eine Beteiligung der VIG für das Geschäft mit Autohäusern in Deutschland?

Die Beteiligung der VIG hilft mittelbar auch der Nürnberger Automobil Versicherungsdienst GmbH (NAU) und der Techno Versicherungsdienst GmbH (TVD) als Töchtern der Nürnberger, da wir so einen starken neuen Partner an der Seite haben. Direkten Einfluss auf das Versicherungsgeschäft der NAU und TVD mit den Autohauspartnern hat diese Beteiligung aber nicht. Beide Vertriebsgesellschaften profitieren von Synergieeffekten, z.B. durch günstigere Rückversicherungsprämien oder auch bei der Modernisierung von IT-Systemen.

Die Zuführung von Neukunden über Autohäuser stellt ein wesentliches Asset für die Nürnberger dar.

Wie sehen Sie den Stellenwert des Geschäfts mit Autohäusern für Ihr Unternehmen?

Die Zuführung von Neukunden über Autohäuser stellt auch heute ein wesentliches Asset für die Nürnberger dar. Dieser einzigartige Zugang zu Kunden hat für uns eine besondere Bedeutung – gerade auch unter Cross-Selling-Gesichtspunkten.

Können Autohäuser und deren Kunden mit Kontinuität in Produkten, Service und Ansprechpartnern rechnen?

Ja, die NAU und die TVD können als Vertriebsgesellschaften weiterhin alle von Kunden gewünschten Absicherungen und Services bieten. Durch die Erweiterung der Angebotsvielfalt mit Partnerversicherern, können unsere mehr als 400 Vermittler in ganz Deutschland jederzeit ihren Kunden passende Lösungen bieten.

Welche Zusagen können Sie den aktuell im Autohausgeschäft tätigen Mitarbeitenden und Vertriebspartnern geben?

Die Rücksteuerung von bei der Nürnberger versicherten Fahrzeugen zum jeweiligen Autohaus über das sogenannte Nürnberger Service-Partner Netzwerk bleibt unverändert bestehen. Daneben ist uns als NAU und TVD wichtig, dass es Beratung- und Serviceangebote unserer Vermittler für die Mitarbeiter in den Autohäusern gibt. Wir sind nicht nur für die gemeinsamen Kunden da, sondern helfen den Mitarbeitern der Autohäuser bei allen Fragen rund um die Themen Vorsorge und Versicherungen.

Sind Maßnahmen geplant, um das Autohausgeschäft in Deutschland langfristig zu stärken?

Mit unserer digitalen Kfz-Antragsstrecke sind wir bereits heute in der Lage, uns an die Dealermanagement-Systeme der Autohäuser anzubinden, so dass digitale Zuführungen und „einfache“ Abschlüsse für Kunde und Verkäufer möglich sind. Zusätzlich können wir mit attraktiven Kfz-Versicherungsangeboten der Nürnberger und ausgewählten Partner-Versicherer fast jeden Kunden im Autohaus mit einer guten Absicherung „glücklich“ machen. Ab 2026 verbessern wir unsere Rundum-Beratung durch ein einheitliches Beratungstool, welches die Ziele und Wünsche des Autohauskunden analysiert und „objektive“ Empfehlungen daraus generiert.

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