WLTP: Neuer Fahrzyklus, alte Probleme

Das Worldwide Harmonized Test Procedure (WLTP) soll den NEFZ ablösen und für realistischere Verbrauchswerte in den Autokatalogen sorgen. Doch sein Effekt ist gering, zeigen Untersuchungen von Daimler.

DIe Verbrauchswerte werden auf dem Prüfstand ermittelt.
DIe Verbrauchswerte werden auf dem Prüfstand ermittelt.
(Foto: TÜV Hessen)

Derzeit ermitteln die Autohersteller den Kraftstoffverbrauch und die Abgasemissionen ihrer Produkte mithilfe des Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ). Doch dieses Prozedere steht in der Kritik, weil es sich zu stark von der tatsächlichen Fahrpraxis im Alltagsverkehr unterscheidet und die NEFZ-Werte wenig Rückschluss auf den Alltagsverbrauch zulassen.

Außerdem führen die unterschiedlichen Regelwerke in Europa, Nordamerika und Japan zu hohen Kosten für die Autohersteller, die ihre Produkte aufwendig an die Vorschriften in den jeweiligen Exportmärkten anpassen müssen. Deshalb entsteht derzeit in einer Arbeitsgruppe der UNO der neue Fahrzyklus WLTP (Worldwide Harmonized Light Vehicle Test Procedure), der überall auf der Welt gelten soll. Das mehrstufige Entwicklungsverfahren soll sich noch bis 2018 hinziehen; einen offiziellen Gültigkeitsbeginn für den WLTP gibt es noch nicht.

Diesel sind nach WLTP sogar sparsamer als nach NEFZ

Fachleute bezweifeln allerdings, dass der WLTP wirklich zu höheren und damit vermeintlich realistischeren Katalogwerten für den Kraftstoffverbrauch führt. Erste Untersuchungen mit dem Testprozedere (Stand Juli 2012) bei Daimler, die »kfz-betrieb ONLINE« vorliegen, zeigen, dass „der NEFZ doch gar nicht so schlecht ist“, wie es in den Unterlagen heißt. So stieg die CO2-Emission beim Ottomotor gegenüber dem NEFZ-Wert nur um ein Prozent an, während sie beim Diesel sogar um drei Prozent fiel. Und das trotz der deutlich höheren Beschleunigungs- und Geschwindigkeitswerte, die der WLTP vorgibt.

Daneben gibt es noch weitere Hindernisse, die die UNO-Fachgruppe überwinden muss. So ist es noch unklar, ob die beiden größten Automobilmärkte China und USA den Zyklus wirklich einführen wollten. Ein Ausscheren der beiden Giganten würde das eigentliche Ziel des WLTP, nämlich die weltweite Harmonisierung, natürlich torpedieren.

Drittens ist der ursprüngliche Zeitplan, nachdem das Testprozedere bis Ende 2013 feststehen sollte, schon jetzt kaum noch einzuhalten. Beispielsweise ist es noch unklar, wie die unterschiedlichen Bauarten von Hybrid- und Plug-in-Fahrzeugen betrachtet werden sollen. Vor diesem Hintergrund sehen Experten die Chancen, dass der WLTP in der geplanten Form und noch dazu pünktlich eingeführt wird, als gering an.

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