Kfz-Besteuerung WLTP sorgt für Aufwand

Redakteur: Lena Sattler

Hersteller und Leasingfirmen müssen wegen der WLTP-Norm die Emissionswerte jedes Fahrzeugs einzeln berechnen. Welche Kosten kleine Veränderung am Auto je nach nationaler Gesetzgebung verursachen, verdeutlicht Jato Dynamics an einigen Beispielen.

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Durch die WLTP-Norm hat sich die Kfz-Besteuerung in Europa geändert. Jede Änderung an jedem Neuwagen muss einzeln berechnet werden.
Durch die WLTP-Norm hat sich die Kfz-Besteuerung in Europa geändert. Jede Änderung an jedem Neuwagen muss einzeln berechnet werden.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Jedes in Europa verkaufte Neufahrzeug hat seinen eigenen WLTP-Wert – und alle Änderungen an der Standardversion eines Modells können sich auf den CO2-Ausstoß auswirken. Das stellt Hersteller, aber auch Leasingfirmen vor große Herausforderungen, denn sie sind auf die genauen Werte für ihr Geschäft angewiesen. Die Leasinganbieter müssen die Werte kennen, damit die angebotenen Wagen den Anforderungen ihrer Kunden und deren Fuhrparkrichtlinien entsprechen, berichtet das Marktforschungsunternehmen Jato Dynamics. Und die Hersteller können ohne genaue Angaben ihre Fahrzeugpreise auf nationaler Ebene nicht korrekt vergleichen.

Angesichts der vielen Konfigurationen eines Fahrzeugs, und das bei 15 Millionen Neuwagen in Europa pro Jahr, wird schnell deutlich: Die Berechnung des individuellen WLTP-Werts für jedes Fahrzeug erfordert Zeit und Präzision. Folglich müssen Unternehmen den WLTP-Wert für jede Abweichung von der Basisversion separat berechnen. So erhöht sich der CO2-Ausstoß laut Jato beispielsweise durch eine Anhängerkupplung oder ein Panoramadach um rund 2 g/km. Das Ergebnis hat für Käufer und Halter entsprechende Kosteneffekte, die sich durch die nationalen Gesetzgebungen aber deutlich unterscheiden können.

Vergleich: Kfz-Besteuerung in europäischen Ländern

Ein Rechenbeispiel: Der CO2-Ausstoß eines durchschnittlichen Benzinerfahrzeugs (120 g/km CO2, 5,3 l/100 km, 1.400 kg Gesamtgewicht, 20.000 Euro) erhöht sich durch größere Felgen und Panoramaschiebedach für 1.000 Euro um 5 g/km. Der Kraftstoffverbrauch steigt auf 5,5 l/100 km und das Gewicht auf 1.450 kg.

  • In Deutschland würde sich der Neupreis eines Fahrzeugs nur um den Preis der Extras erhöhen, ohne zusätzliche Besteuerungen für die Extras. Die Kfz-Steuer fiele CO2-abhängig um 11 Euro höher aus. Diese Berechnung gilt für ein Fahrzeug mit 1,5 Liter-Ottomotor.
  • Die Steuer in Frankreich würde gleich bleiben, da der CO2-Ausstoß unter 133 g/km liegt. Ab 133 g/km beträgt die Steuer 50 Euro. Für jedes Gramm darüber kommen 25 Euro dazu.
  • In Irland erhöht sich die Steuer aufgrund der Optionen um 107 Euro. Durch die zusätzlichen Änderungen im Wert von 1.000 Euro ergibt sich ein Gesamtpreis von 21.107 Euro. Die Besteuerung wird auch mit zunehmenden Emissionen teurer: Eine Erhöhung um ein Gramm kann ab dem Schwellenwert von 170g/km gleich 126 Euro mehr Steuern bedeuten.
  • Die Besteuerung in den Niederlanden beträgt für das Fahrzeug allein 3.146 Euro. Mit den Extras fallen weitere 660 Euro an. Die Kfz-Steuer steigt außerdem, ähnlich wie in Irland, mit zunehmenden Emissionswerten: Jedes Gramm CO2 über 172 g/km kostet 432 Euro. Diesel-Besitzer, deren Fahrzeug mehr als 77 g/km CO2 ausstößt, müssen noch einmal 83,59 Euro pro Gramm mehr bezahlen als Benziner-Besitzer.

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