Women‘s Award 2009: Oberstudienrätin wird Autohausmanagerin

Autor / Redakteur: Dr. Karin Bayha / Karin Bayha

Die Unternehmerin des Jahres im Kfz-Gewerbe heißt Elli Roderburg-Schnierle. Die Geschäftsführerin des Mercedes-Benz-Service-Betriebs Wilhelm Jesinger KG blickt auf eine außergewöhnliche Laufbahn zurück.

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Sie war Lehrerin mit Leib und Seele, erfolgreich im Beruf. Heute ist Elli Schnierle Geschäftsführerin eines Mercedes-Benz-Servicebetriebs - ebenfalls mit ganzer Kraft. Ihre Tatkraft, Nachhaltigkeit im Betrieb und ungewöhnliche Laufbahn hat ihr den Women‘s Award 2009 eingebracht.

„Was immer wir tun, wir tun es mit ganzem Herzen“. Das Unternehmensleitbild der Wilhelm Jesinger KG in Esslingen ist keine Floskel. Wer die Geschäftsführerin des Mercedes-Benz-Servicebetriebs erlebt, spürt schnell, mit wie viel Herzblut sie ihr Unternehmen führt. Elli Schnierle ist als Geschäftsführerin des Unternehmens in ihrem Element.

„Ausdauernd und geradlinig, konsequent, manchmal sogar hart, aber keinesfalls beratungsresistent“, beschreibt sich Elli Schnierle selbst. Die Vollblut-Unternehmerin weiß genau, was sie will, und packt die Dinge an. Sie versprüht Begeisterung gepaart mit den schwäbischen Tugenden Bescheidenheit und Zielstrebigkeit. Damit hat sie es geschafft, dass ihre Mitarbeiter mit ihr an einem Strang ziehen. Zudem kann sie sehr gut mit Menschen umgehen – das hängt mit ihren langjährigen Erfahrungen als Lehrerin zusammen.

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Vom Einsatz der Familie geprägt

Schnierle hat keine klassische Karriere im Autohaus hinter sich, wenngleich sie von Kindheit an mit dem Servicebetrieb ihrer Großeltern eng verbunden war. 1922 gründeten die Großeltern Wilhelm und Elise Jesinger den Betrieb. Sie waren der erste Mercedes-Benz-Servicepartner in Württemberg. Schnierles Vater starb, als sie zwölf Jahre alt war. Ihre Großeltern und ihre Mutter opferten sich daraufhin mit voller Kraft für den Betrieb auf. Das prägte Schnierle und beeinflusste sie später noch entscheidend.

Nach dem Abitur im Jahr 1969 stand Elli Schnierle vor der Wahl, in die Firma einzusteigen oder etwas anderes zu machen. Eines war ihr schnell klar: Sie wollte ihren eigenen Weg gehen und selbstständig sein. „Ich hatte noch zwei Generationen in der Geschäftsführung vor mir, meinen Großvater und meine Mutter. Das bedeutete, ich würde erst nach einer langen Zeit zum Zuge kommen. Wo sollte ich da meinen Platz finden?“

Der Schule verschrieben

Ihren Platz sah sie zu dem Zeitpunkt vielmehr in der Naturwissenschaft. Sie studierte Biologie und Chemie mit dem Ziel, Lehrerin zu werden. Dem elterlichen Betrieb blieb sie während des Studiums dennoch treu. „20 Mark habe ich damals für meine Samstagsschicht in der Serviceannahme bekommen“, blickt die Schwäbin zurück.

Wenn für ihre Kommilitonen freitags die Woche rum war, saß sie am Samstagmorgen um acht in der Serviceannahme. Aber sie machte auch das mit Überzeugung und Begeisterung.

Von 1974 bis 1998 verschrieb sich Schnierle ganz dem Schulalltag. Mit Leib und Seele war sie Lehrerin: „Ich habe mich in der Schule sehr wohl gefühlt“, bestätigt die 59-Jährige.

Als Oberstudienrätin unterrichtete sie am Wirtschaftsgymnasium in Waiblingen und führte etliche Jahrgänge zum Abitur. Ihr Erfolg und ihre Beliebtheit bei Schülern und Kollegen gaben ihrer Berufswahl Recht. Kontakte zu Schülern und Lehrern hat sie bis heute. 25 Jahre war sie glücklich in dem Job. Aus beruflicher und familiärer Sicht gab es keinen Grund, ihre sichere Stelle aufzugeben.

Dann stand Schnierle vor der Frage, wie es mit dem elterlichen Betrieb weitergehen sollte ...

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