Würzburger Karosserietage: Stundensatz richtig kalkulieren
Ein Experte von BASF Coatings hat den Teilnehmern der Würzburger Karosserietage erklärt, wie man in Zeiten zunehmender Schadensteuerung Stundenverrechnungssätze richtig kalkuliert.

„Der Stundenverrechnungssatz wird viel diskutiert, aber leider wenig gerechnet.“ Diese These hat Joachim Bitzer, Betriebsberater BASF Coatings, anlässlich der Würzburger Karosserietage am vergangenen Wochenende im Vogel Convention Center vertreten.
In seinem Vortrag rückte er dem durchschnittlichen Stundenverrechnungssatz zu Leibe. „Das ist der Preis, der als fair gilt“, erläuterte Bitzer. Daneben gebe es noch den Begriff des „nachbarschaftlichen Stundenverrechnungssatzes“. Da schaue der Betrieb, was denn sein direkter Wettbewerb im Marktgebiet nehme. „Beide Sätze dienen oft der Preisfindung, sind allerdings lediglich für das Marketing des Unternehmens wirklich interessant“, warnte Bitzer.
Eine weitere interessante Zahl bei der Kalkulation des Stundenverrechnungssatzes liefere der Rückblick. Da würden die Lohnerlöse durch die verkauften Stunden geteilt. „Das dient dem Betrieb nur dazu, um zu erfahren, wie weit sein wirklich kalkulierter Stundenverrechnungssatz von der Realität entfernt ist“, führte Bitzer aus. Dennoch hält er den Rückblick für wichtig, weil hier schnell zu erkennen sei, ob der Betrieb aktiv werden muss.
„Der kalkulierte Stundenverrechnungssatz sollte alle Kosten abdecken und den betriebsnotwendigen Gewinn beinhalten“, erklärte der Betriebsberater. Bei der Kalkulation würden die Betriebe häufig den Fehler machen, dass sie einfach die Kosten vom Vorjahr übernehmen. „Schon allein, wenn man an die Energiekosten denkt, wird klar, dass das nicht stimmen kann“, warnte Bitzer.
Er forderte von den Betrieben, sie sollten eigene Prognosen aufstellen. Für die richtige Prognose empfahl Bitzer die Lektüre von Zeitschriften. Die gut recherchierten Wirtschaftsteile einiger Zeitungen würden Trends beispielsweise bei den Energiepreisen aufzeigen. Zudem wies Bitzer darauf hin, dass viele Betriebe Kosten wie den neutralen Aufwand oder kalkulatorische Kosten nicht berücksichtigen würden.
Viele Betriebe sind auch unsicher, wie sie die verkaufbaren Stunden der nächsten Periode richtig einschätzen sollen. Der größte Fehler sei, sich auf den Branchendurchschnitt zu verlassen. Wieder riet der Betriebsberater: „Treffen sie Ihre eigene Prognose.“
Wenn die Kalkulation ergebe, dass der Betrieb mehr braucht, als er in der Realität bekommt, müsse man tätig werden. Zum Beispiel die Preise entsprechend erhöhen. Dies würde sich aber bei vielen Kunden nicht durchsetzen lassen, gab Bitzer zu Bedenken.
Der Betrieb könnte sich allerdings auch von den Kunden trennen, die ihm zu wenig Ertrag lassen. Das sollte man sich aber sehr genau überlegen – diesen Weg sei nur dann praktikabel, wenn ein anderer Kunde das gleiche Volumen verspreche wie der Alte – und das bei eventuell höheren Stundenverrechnungssätzen.
(ID:34338270)