Erstes Halbjahr Zahl der Pleiten im Kfz-Gewerbe nimmt kaum zu

Von Andreas Grimm

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Ist es die Ruhe vor dem Sturm? Im ersten Halbjahr 2022 ist die Zahl der Pleiten im Kfz-Gewerbe gegenüber dem Vorjahr quasi unverändert geblieben. Allerdings ist die Aussagekraft der Zahlen derzeit schwierig einzuschätzen.

Im ersten Halbjahr 2022 ist die Zahl der Brancheninsolvenzen kaum gestiegen. Das zweite Halbjahr ist jedoch voller Fragezeichen. (Foto:  Rehberg / Redaktion »kfz-betrieb«)
Im ersten Halbjahr 2022 ist die Zahl der Brancheninsolvenzen kaum gestiegen. Das zweite Halbjahr ist jedoch voller Fragezeichen.
(Foto: Rehberg / Redaktion »kfz-betrieb«)

Während die Insolvenzangst, getrieben durch explodierende Energiekosten und die galoppierende Inflation, derzeit in Deutschland über alle Branchen hinweg um sich greift, liest sich diese Statistik nüchtern-gelassen: Im ersten Halbjahr 2022 stieg die Zahl der Brancheninsolvenzen nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur um zehn Fälle (+5,1 %). Konkret ist 206 Betrieben das Geld ausgegangen. Über 145 Betrieben wurde das Insolvenzverfahren eröffnet, in 61 Fällen wurde es mangels Masse abgewiesen.

Allerdings beziehen sich die Zahlen auf den Zeitraum vor dem exponentiellen Anstieg der Energiekosten (nur das Benzin war schon teuer). Dazu kommt, dass die Statistiker für den Monat Juni sogar einen deutlichen Rückgang der Branchenpleiten um acht auf 33 Fälle ausweisen (-19,5 %). Es war immerhin der zweite Rückgang in diesem Jahr nach dem März (-4,5 %).

Seither hat sich die Welt weitergedreht. Nicht von ungefähr forderte jüngst der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer, rasche Hilfen speziell für energieintensive Betriebe. Laut einer ZDH-Umfrage gehören namentlich auch die Kfz-Betriebe zu jenen Unternehmen, die in den explodieren Energiekosten ein existenzielles Problem sehen. Und Jutta Rüdlin vom Berufsverband der Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands (VID) konstatierte jüngst, dass ihre Branche „in diesen Wochen einen deutlich gestiegenen Beratungsbedarf vor allem bei Unternehmen aus energieintensiven Branchen“ registriere.

Ein Wert der amtlichen Statistik könnte darauf hinweisen, dass sich die wirtschaftliche Situation tatsächlich verschärft: Im August ist die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen über alle Branchen hinweg um 6,6 Prozent gestiegen. Allerdings entwickelt sich die Zahl dieser Anträge seit einiger Zeit in einem ständigen Auf und Ab und ist noch deutlich von früheren Höchstständen entfernt.

Vergleicht man nun das Kfz-Gewerbe mit seinem moderaten Anstieg der Insolvenzen mit der Gesamtentwicklung im ersten Halbjahr, so schneidet die Branche relativ schlecht ab. Über alle Wirtschaftszweige hinweg ist die Zahl der Pleiten nämlich in den ersten sechs Monaten um 4,0 Prozent gesunken.

Betroffen von der finanziellen Havarie ihres Arbeitgebers waren im Kfz-Gewerbe (inkl. Teilehandel, Autowaschanlagen und Motorradbetrieben) 496 Mitarbeiter. Das sind im Schnitt 2,4 Beschäftigte pro betroffenem Betrieb. Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger summierten sich auf knapp 198 Millionen Euro.

Innerhalb des Kfz-Gewerbes entwickelten sich die Teilbranchen im ersten Halbjahr ganz unterschiedlich. Wie aus den Werten des Statistischen Bundesamts hervorgeht, stieg die Insolvenzgefahr vor allem im Handel, während die Situation im Service stabil blieb. Bei den Motorradbetrieben ging die Zahl der Pleiten von 11 auf 4 sogar um zwei Drittel zurück.

In den ersten sechs Monaten des Jahres 2022 standen 86 Pkw- und Nfz-Handelsbetriebe vor dem wirtschaftlichen Aus. Das waren 11 Fälle mehr als im Vorjahreszeitraum (+14,7 %). Auch im Teilehandel verschärfte sich die Situation bei 31 Insolvenzen (+14,8 %), wobei vor allem der Einzelhandel betroffen war.

Bei den Werkstätten (Pkw und Nfz) blieb die Zahl der Pleiten dagegen exakt unverändert bei 64 Fällen. Während bei den Lackierereien die Fallzahlen von 10 auf 8 sanken, stieg die Zahl der insolventen Autowaschanlagen von 9 auf 13 Fälle im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (+ 44 %).

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