EU-USA-Verständigung ZDK kritisiert Zolleinigung – weitere Verbände stimmen ein

Von Andreas Grimm/dpa 3 min Lesedauer

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Nach intensiven Gesprächen scheint der Zollstreit zwischen den USA und der EU beendet zu sein. Doch mehr als ein Verhüten schlimmerer Entwicklung ist es nicht. Zahlreiche Verbände sind mit dem Ergebnis nicht glücklich.

Im Zollstreit haben sich die EU und die USA geeinigt. Deutsche Wirtschaftsverbände kritisieren das Ergebnis deutlich. (Bild:  Canva / KI-generiert)
Im Zollstreit haben sich die EU und die USA geeinigt. Deutsche Wirtschaftsverbände kritisieren das Ergebnis deutlich.
(Bild: Canva / KI-generiert)

Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) kritisiert die Einigung im transatlantischen Zollstreit: Der künftig geltende US-Zollsatz von 15 Prozent auf Fahrzeuge und Fahrzeugteile aus der EU wird den Export belasten und damit auch negative Folgen für Verbraucherinnen und Verbraucher haben, beispielsweise steigende Preise, eine eingeschränkte Modellvielfalt und höhere Servicekosten.

„Ein Zollsatz von 15 Prozent verteuert deutsche Fahrzeuge auf dem US-Markt strukturell – das wird sich auf Produktionsentscheidungen und die Modellstrategie der Hersteller auswirken“, erklärt ZDK-Präsident Thomas Peckruhn. „Was jetzt als diplomatischer Durchbruch verkauft wird, trifft am Ende die Kunden – mit weniger Auswahl und höheren Preisen.“

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und US-Präsident Donald Trump hatten die Verständigung nach einem Spitzentreffen in Schottland bekannt gemacht. Der Kommissionspräsidentin zufolge werde der Zollsatz auf die meisten Importe in die USA bei 15 Prozent liegen, auch für die Automobilindustrie. Ziel der EU in den Verhandlungen war gewesen, deutlich unter dem zuletzt von Trump angekündigten Zollsatz von 30 Prozent zu bleiben. Wenn die EU den Deal nicht eingegangen wäre, hätte eine weitere Eskalation des Handelsstreits gedroht.

Auswirkungen auf den Servicemarkt

Der ZDK befürchtet direkte Auswirkungen auf Verfügbarkeiten, Lieferzeiten und Modellvielfalt auch in Deutschland, sollten sich Hersteller aus dem US-Markt zurückziehen oder Produktionsvolumen anpassen. Der Verband erinnerte daran, dass zahlreiche Fahrzeugkomponenten transatlantisch entwickelt oder produziert würden – „somit stehen auch Werkstätten und Servicebetriebe vor möglichen Kostensteigerungen“.

„Wenn bestimmte Teile oder Technologien nicht mehr effizient geliefert werden können, steigen die Preise im Ersatzteilmarkt – das wirkt sich unmittelbar auf die Reparaturkosten aus“, so Peckruhn. „Natürlich ist zu begrüßen, dass eine weitere Eskalation zum 1. August abgewendet werden konnte. Jedoch trägt letztlich der Verbraucher die Last dieses Zolls – beim Autokauf genauso wie beim Werkstattbesuch. Wichtig ist, dass es jetzt keine Zölle auf US-Importe geben darf, um weitere Teuerungen für Kundinnen und Kunden zu vermeiden.“

Kritik von anderen Verbänden

Mit seinen Befürchtungen steht der ZDK nicht allein. Die deutsche Exportwirtschaft hat die Grundsatzvereinbarung als schmerzhaften Kompromiss bezeichnet. „Der Zollaufschlag bedeutet für viele unserer Händler eine existenzielle Bedrohung“, teilte der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) in Berlin mit. Auch wenn jetzt zunächst Sicherheit über die Handelsbedingungen herrsche, würden sich Lieferketten verändern und Preise erhöhen. Die Einigung mit den USA werde auch in Deutschland Wachstum, Wohlstand und Arbeitsplätze kosten.

Die Wirtschaftswissenschaftlerin Ulrike Malmendier („Wirtschaftsweise“) sagte im ARD-Morgenmagazin, Zölle in Höhe von 15 Prozent seien eine „ungeheure Belastung für die Wirtschaft, nicht nur hier, sondern auch in den USA“. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) äußerte sich verhalten. „Das Übereinkommen ist ein unzureichender Kompromiss und sendet ein fatales Signal an die eng verflochtene Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks“, teilte der Verband in Berlin mit. Die EU nehme schmerzhafte Zölle in Kauf.

Geschwächt wurde die Verhandlungsposition der EU durch die Abhängigkeit Europas von den militärischen Fähigkeiten der USA. So wurde befürchtet, dass Trump im Fall einer Eskalation des Handelsstreits erneut das über die Nato abgegebene Beistandsversprechen infrage stellen könnte. Angesichts der Bedrohungen durch Russland wurde dies vor allem in östlichen EU-Staaten als großes Risiko gesehen.

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